Pfarrstrukturreform: Dekanat St. Johann am Wimberg ins Vorbereitungsjahr gestartet
Der Herbst ist für sechs Dekanate der Beginn eines ganz besonderen Arbeitsjahres: Sie werden als sechste und damit letzte Gruppe die Umsetzung der Pfarrstrukturreform auf dem Zukunftsweg mit dem Vorbereitungsjahr beginnen. Die Dekanate Kallham, Rohrbach, Unterweißenbach, Bad Ischl, St. Johann am Wimberg und Sarleinsbach werden einen zweijährigen Prozess durchlaufen, an dessen Ende die neuen Pfarren als pastorale Räume mit Pfarrteilgemeinden stehen. Sie profitieren dabei von den Erfahrungen von insgesamt 33 Dekanaten, die diesen Weg schon gegangen sind bzw. ihn gerade beschreiten.
Dekanat St. Johann am Wimberg: Gemeinsam die Zukunft gestalten
Das Dekanat St. Johann am Wimberg umfasst neun ländliche Pfarrgemeinden im zentralen Mühlviertel. Es zeichnet sich durch ein vielfältiges Pfarrleben, großes ehrenamtliches Engagement und eine gute pastorale Vernetzung aus. Landwirtschaft, mittelständische Betriebe, Pendeln (nach Linz) und das Vereinswesen prägen die Region. Bad Leonfelden ist als Schul- und Tourismusstandort bedeutsam. Innovative Seelsorge-Projekte ergänzen bewährte Strukturen.
Das Dekanat St. Johann am Wimberg startete am 10. Oktober 2026 im Pfarrheim Helfenberg in den Umstellungsprozess. Um den Pfarrwerdungsprozess kümmert sich ein Kernteam, das von Sabine Weißengruber-Holzer und Susanne Lammer begleitet wird; inhaltlicher Beauftragter ist Christian Hein.
Zum Kernteam, das den Prozess leitet, gehören Dechant P. Otto Rothammer (Pfarrprovisor in Vorderweißenbach, Helfenberg, Traberg, Zwettl an der Rodl und Kooperator in Bad Leonfelden), Reinhard Fischer (Dekanatsassistent, Projektkoordinator, Seelsorgeteambegleiter in Helfenberg), Michael Mitter (Seelsorger in Zwettl an der Rodl, Traberg, Oberneukirchen und Waxenberg), Florian Harauer (Beauftragter für Jugendpastoral), Lisa Schaufler-Hartl (RegionalCaritas), Maria Dienstl (Pfarrgemeinderätin in Bad Leonfelden und Dekanatsobfrau der Kath. Frauenbewegung), Heidemarie Hager (Pfarrgemeinderatsobfrau in Waxenberg), Maria Baumgartner (Pfarrgemeinderätin in St. Johann am Wimberg), Franz Gaisbauer (Pfarrgemeinderat in Zwettl/R.), Gottfried Pinner (Pfarrgemeinderatsobmann in Oberneukirchen), Andrea Pammer (Dekanatssekretärin) und Katharina Prammer (Pfarrgemeinderätin in St. Veit/Mkr.).
Etwa 90 Vertreter:innen aus allen neun Pfarren und weiteren pastoralen Orten des Dekanats sowie zahlreiche Bürgermeister aus der Region und weitere politische Vertreter waren gekommen, um sich über den Prozess der Pfarrwerdung zu informieren und erste Schritte zum neuen Miteinander zu setzen. Für die musikalische Gestaltung sorgte die Band „Clezies Spezies“ rund um Clemens Wolfesberger, Kerstin Thorwartl und Anja Hartl aus der Pfarre Vorderweißenbach.
Die spirituelle Einstimmung am Beginn der Veranstaltung thematisierte den bevorstehenden gemeinsamen Weg. Dekanatsassistent Reinhard Fischer hatte dafür einen Rucksack mit symbolischem Inhalt gepackt. Unter anderem fanden sich darin Proviant zur Stärkung, eine Landkarte für den richtigen Weg, Regenschutz für widrige Bedingungen, ein Erste Hilfe-Paket für Verletzungen, eine Sitzmatte für Pausen und eine Bibel zum Bewusstmachen der Wurzeln. Fischer zu den Anwesenden: „Heute gehen wir alle gemeinsam los zur neuen Pfarre. Ich glaube, es wird ein guter Weg – dann nämlich, wenn wir ihn wirklich alle gemeinsam gehen. Wenn wir immer wieder stehenbleiben, miteinander reden und uns auf die weitere Route verständigen. Wenn sich unsere Geschwindigkeit vielleicht nach den Langsameren richtet, wenn wir darauf schauen, dass niemand davonrennt, aber auch niemand hinten bleibt.“ Es werde schwierige Wegstrecken geben, eventuell auch Umwege. Aber im gemeinsamen Gehen werde es gut weitergehen. „Das Ziel unseres Weges gibt es schon – wir sind jetzt unterwegs, um das für uns zu entdecken. Wir sind nun unterwegs, um die Zukunft in unseren Pfarrgemeinden zu gestalten. Mit Christus gehen wir den Weg voll Zuversicht“, so Reinhard Fischer. Diese Zuversicht brachten auch die gemeinsamen Lieder zum Ausdruck.
Dechant P. Otto Rothammer begrüßte die Anwesenden und griff das Bild des Rucksacks auf: „Das Dekanat St. Johann am Wimberg besteht aus neun Pfarren. In der Bibel steht die Zahl 9 als Produkt der dreifachen Heiligkeit – 3 mal 3 – für Endgültigkeit und göttliche Vollendung. Gut, dort sind wir noch lange nicht. Die Zahl 9 steht aber auch für das Wirken des Heiligen Geistes.“ Im Brief des Apostels Paulus an die Galater sei von neun Früchten des Heiligen Geistes die Rede, zu denen etwa Liebe, Freude, Friede und Güte gehörten. „Lasst uns diese Früchte heute in den Rucksack packen, den wir auf unserem gemeinsamen Weg mitnehmen werden“, ermutigte der Dechant.
Danach stellten sich die Mitglieder des Kernteams, die Prozessbegleiter:innen und der inhaltliche Beauftragte vor. Die Vertreter:innen der Pfarren tauschten sich untereinander über die Besonderheiten der jeweiligen Pfarre aus. Dann gab Christoph Lauermann, Ordinariatskanzler der Diözese Linz und Leiter der Stabsstelle Pfarrstruktur, grundlegende Informationen zur Struktur der zukünftigen Pfarre und beantwortete Fragen der Anwesenden.
Guter Austausch, lebendiges Interesse
An insgesamt neun Thementischen konnten Unklarheiten und auch Positives zum bevorstehenden Prozess diskutiert werden. Christoph Lauermann und sowie Haupt- und Ehrenamtliche aus bereits gegründeten neuen Pfarren berichteten von ihren Erfahrungen und standen für Nachfragen zur Verfügung.
Als Herausforderung wurde von den Teilnehmenden unter anderem die Suche nach engagierten Ehrenamtlichen und die Begleitung der Seelsorgeteams genannt. Als Chance sahen die Anwesenden die künftige Vernetzung, die Kooperation über Pfarrgemeindegrenzen hinaus und Klarheit bei den Zuständigkeiten genannt.
„Nach einem gelungenen Start zuversichtlich weitergehen“
Dekanatsassistent Reinhard Fischer freute sich über die gelungene Startveranstaltung und das große Interesse der Teilnehmenden. „Die Stimmung war großartig. Engagierte vom Seelsorgeteam und der Katholischen Frauenbewegung der Pfarre Helfenberg und das Kernteam haben uns alle toll versorgt. Es gab umfangreiche Informationen zum Prozess, aber auch einen Austausch über die Besonderheiten der neun Pfarren. Diese sind alle pastoral sehr gut aufgestellt, viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Nun freuen sich alle auf die Kooperation über die Pfarrgrenzen hinaus. Der Start ist gelungen –jetzt können wir zuversichtlich den Weg weitergehen.“
Auch Dechant P. Otto Rothammer zieht eine positive Bilanz: „Die Veranstaltung hat mit einer sehr guten Stimmung begonnen – und mit dieser guten Stimmung ist sie auch zu Ende gegangen. Wir haben uns gemeinsam informiert und gemeinsam nach vorne geschaut. Ich gehe mit Zuversicht auf diesem Weg weiter.“
Die sechs Dekanate, die im Herbst 2026 den Umsetzungsprozess starten, sind:
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Dekanat Kallham | Startveranstaltung am 18. September 2026
Dorf an der Pram, Gallspach, Grieskirchen, Hofkirchen an der Trattnach, Kallham, Neumarkt im Hausruckkreis, Pollham, Pram, Riedau, Rottenbach, St. Georgen bei Grieskirchen, Taufkirchen an der Trattnach und Wendling. -
Dekanat Rohrbach | Startveranstaltung am 26. September 2026
mit den Pfarren Aigen im Mühlkreis, Arnreit, Haslach an der Mühl, Klaffer am Hochficht, Oepping, Rohrbach, St. Oswald bei Haslach, St. Stefan am Walde, Schwarzenberg am Böhmerwald und Ulrichsberg. -
Dekanat Unterweißenbach | Startveranstaltung am 2. Oktober 2026
mit den Pfarren Bad Zell, Kaltenberg, Königswiesen, Pierbach, Liebenau, Mönchdorf, Schönau im Mühlkreis, St. Leonhard bei Freistadt, Tragwein, Unterweißenbach und Weitersfelden. -
Dekanat Bad Ischl | Startveranstaltung am 9. Oktober 2026
mit den Pfarren Bad Ischl, Ebensee-Roith, Hallstatt, Bad Goisern, Gosau, Lauffen, Obertraun, Pfandl und St. Wolfgang. -
Dekanat St. Johann am Wimberg | Startveranstaltung am 10. Oktober 2026 mit den Pfarren Bad Leonfelden, Helfenberg, Oberneukirchen, St. Johann am Wimberg, St. Veit im Mühlkreis, Traberg, Vorderweißenbach, Waxenberg und Zwettl/R..
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Dekanat Sarleinsbach mit den Pfarren Altenhof im Mühlkreis, Hofkirchen im Mühlkreis, Julbach, Kollerschlag, Lembach, Neustift im Mühlkreis, Niederkappel, Oberkappel, Peilstein, Pfarrkirchen im Mühlkreis, Putzleinsdorf, Rannariedl und Sarleinsbach.
Zweijähriger begleiteter Übergangsprozess
Im ersten Jahr geht es im Wesentlichen darum, dass die Pfarrteilgemeinden innerhalb einer zukünftigen Pfarre Kirche weit denken, ein Wir-Gefühl entwickeln und als pastoraler Raum zusammenarbeiten. In jeder neuen Pfarre wird ein gemeinsames Pastoralkonzept erarbeitet, in dem Ziele und Schwerpunkte für das künftige seelsorgliche Handeln festgelegt werden. Gleichzeitig sollen die Leitungsämter von Pfarrer sowie Pastoral- und Verwaltungsvorstand bzw. -vorständin besetzt werden. Außerdem werden Mitglieder für die Seelsorgeteams in den Pfarrteilgemeinden und für den Pfarrlichen Pastoralrat gesucht.
Im Herbst 2027 beginnen die sechs Dekanate, unterstützt durch Bildungs- und Begleitprozesse, in der neuen Struktur zu arbeiten. Die rechtliche Gründung als Pfarre ist für 1. Jänner 2028 geplant. Die Umsetzung wird durch die Stabsstelle Pfarrstruktur unter der Leitung von Christoph Lauermann koordiniert.
Die Pfarrstrukturreform
Das Umsetzungskonzept der Pfarrstrukturreform sieht 39 „Pfarren“ vor, die aus mehreren Pfarrteilgemeinden mit ihren historischen lokalen Rechtsträgern „Pfarrkirche“ und „Pfarrpfründe“ bestehen. Damit soll sowohl die Zusammengehörigkeit innerhalb des pastoralen Raumes einer Pfarre bewusst gemacht als auch die konkrete Beheimatung und Verantwortung in einer konkreten Gemeinschaft vor Ort zum Ausdruck gebracht werden. Die Pfarrteilgemeinden werden daher zwar eine weitgehende Selbstständigkeit (auch finanzieller Art) für ihren Bereich bewahren können, zugleich profitieren sie vom größeren Ganzen der Pfarre und der Zusammenarbeit der Seelsorgeverantwortlichen. Die gemeinsame Erarbeitung pastoraler Schwerpunkte in einem pfarrlichen Pastoralkonzept konkretisiert das Wirksamwerden von Kirche in Verkündigung, Gottesdienst, Diakonie und Gemeinschaft in der Pfarre und den Pfarrgemeinden.
Geleitet werden die Pfarren von jeweils einem Pfarrer in Zusammenarbeit mit zwei Vorständ:innen für pastorale und wirtschaftliche Angelegenheiten (Pastoral- und Verwaltungsvorständ:innen). Wesentlich bleibt dabei weiterhin die Mithilfe und Leitungsverantwortung in unterschiedlichen Aufgabenbereichen von Priestern, Ständigen Diakonen sowie haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Ort in den Pfarrgemeinden bzw. im pastoralen Handlungsraum der Pfarre. Erreichbarkeit, Seelsorge, Glaubenszeugnis und sozialer Einsatz sollen durch eine bessere Koordination und Aufgabenbeschreibung langfristig für alle Pfarrteilgemeinden sichergestellt werden.
Ziel der neuen Struktur ist es vor allem, einen unterstützenden Rahmen für eine inhaltliche, an der Botschaft Jesu orientierte Neuausrichtung der Christinnen und Christen zu schaffen, damit Kirche im Sinne des Evangeliums auch weiterhin nah bei den Menschen und wirksam in der Gesellschaft ist. Bischof Manfred Scheuer im Diözesanblatt vom Mai 2021: „Kirchliche Strukturen sollen gute Rahmenbedingungen schaffen, damit Kirche als offene und positive Kraft in unserer Gesellschaft erlebbar ist.“
26 von 39 Dekanaten befinden sich inzwischen in der neuen Struktur als neue Pfarren.
www.dioezese-linz.at/zukunftsweg
Karten der einzelnen Dekanate zum Download:
https://www.dioezese-linz.at/zukunftsweg/dekanatsgrenzen