Zu Besuch im TraunerLand
Ich komme als Besucher. Darin steckt das Wort „suchen“: Ein Besuch sucht Nähe, sucht das Gespräch, sucht nach einem Ort, wo man gut sein kann. Ein Besuch hat auch etwas mit Vertrautheit zu tun. Ein Besucher ist kein Eindringling. Es ist ein Mensch, der Interesse hat an den Gastgebern und an ihrer Lebenssituation. Und schließlich ist ein Besuch auf Gastfreundschaft angewiesen. Wenn wir von Gastfreundschaft sprechen, denken wir an Offenheit, Großzügigkeit und an Beziehungen, die gut tun. Wir verbinden damit Begegnungen, die anregen und beleben, Gespräche, die stärken, und eine Atmosphäre, in der man sich wohlfühlt.
Die Welt verändert sich rasant. Was gestern noch selbstverständlich war, betrachtet man heute kritisch und morgen ist es überholt. Auch in der Kirche höre ich oft den Wunsch, dass es doch wieder so sein solle wie früher. Dennoch müssen neue Wege beschritten werden. Das merkt man an Strukturen. Ehemalige Pfarren sind jetzt Pfarrteilgemeinden in einer gemeinsamen Pfarre TraunerLand. Das merkt man aber auch an neuen Ansätzen, wie der Glaube gelebt und verkündigt wird. Und doch braucht es Grundhaltungen, die unverwechselbar zur Kirche gehören. Dazu gehört beispielsweise die Gastfreundschaft. Christliche Gemeinden sollen sich durch Gastfreundschaft auszeichnen. Die Heilige Schrift ist voll von Beispielen und Hinweisen, die ein Gespür für die Gastfreundschaft vermitteln (Mt 25,34f.40; Lk 10,38-42). Jesus war einer, der auf die Menschen zugeht, ihnen nachgeht und aber auch selbst Gastfreundschaft lebte.
Auch eure Pfarrgemeinden sind nahe bei den Menschen. Als gastfreundliche Orte sind sie wichtige Anlaufstellen und geben soziale, kommunikative und geistliche Impulse. Sie schaffen Räume für Begegnung, Zusammenhalt und Glauben. Gerade in einer pulsierenden Region mit vielen Gegensätzen ist das von unschätzbarem Wert. Die Pfarrgemeinden geben dem Trauner Land eine Seele.
Im Oktober werde ich also gemeinsam mit einem Team der Diözesanleitung die Pfarre TraunerLand besuchen. Wir möchten hinhören: Was stärkt euch im Glauben? Was bewegt oder belastet euch? Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen, Eindrücke mitnehmen, gemeinsam feiern. Wir wollen erfahren, wie die neue Pfarrstruktur vor Ort gelebt wird und was sich bereits bewährt hat.
Ich freue mich auf diese Visitation und auf eine Woche voller Begegnungen, gegenseitigen Austauschs und gelebter Gemeinschaft. Möge dabei die Verbundenheit im Glauben spürbar werden im Vertrauen auf Gottes Geist, der uns alle lebendig macht.
