GOTTESDIENSTE des EINE WELT KREISES
Die Predigt, die am 26.10.2025, dem Sonntag der Weltkirche, beim Gottesdienst gesprochen wurde, können sie hier im Originaltext nachlesen:
Heute haben wir in der Lesung von der Gerechtigkeit Gottes gehört. Dabei wird auf
Menschen hingewiesen, die Gott am Herzen liegen:
Es geht um Arme, ungerecht Behandelte, um den Jammer der Witwe, den Hilferuf von Waisen, um die, die Gott wohlgefällig dienen und das Gebet der Demütigen.
Papst Leo XIV. weist in seinem ersten Schreiben „Dilexi te“ auf die Armut mit ihren verschiedenen Facetten hin. Er sagt dazu, dass Christen die Armen nicht bloß als soziales Problem betrachten dürfen: Sie sind eine „Familienangelegenheit“. Sie gehören zu den
Die Armen, das können in unserer Zeit zum Beispiel Menschen sein, die unter den Folgen von Ungerechtigkeiten, Kriegen und Klimawandel leiden. Sie sind der Willkür von Mächtigen ausgesetzt. Dann steigen die Preise für den alltäglichen Bedarf so hoch, dass es für viele nicht mehr erschwinglich ist. Sind es nicht die Armen der Bevölkerung, die unter den Ungerechtigkeiten in dieser Welt am meisten leiden? Wenn die existenziellen Bedürfnisse nicht vorhanden sind, also – ausreichende Nahrung, sauberes Trinkwasser, sichere Unterkünfte und friedliches Zusammenleben, dann braucht es Verantwortliche, die diese Not sehen und erkennen, wo geholfen werden kann.
„The Nest“ in Kenia, das von unserer Pfarrgemeinde unterstützt wird, ist ein Programm zur Prävention und zur Wiedereingliederung für Kinder in Not und deren inhaftierte Mütter.
Es hat inzwischen mehrere Standbeine: Das Kinderheim in Limuru – hier können bis zu 90 Kinder betreut werden.
Das Mütterzentrum Halfway Haus am Stadtrand von Nairobi. Es dient zur Zusammenführung der haftentlassenen Mütter mit ihren Kindern. In der Nähe
ist auch das Säuglingsheim Nest Baby Village. Hier werden elternlos aufgefundene
Babys betreut. Vielen Dank an alle, die dieses Projekt schon einmal unterstützt haben.
Jeder Einzelne hat seinen eigenen Zugang, um für eine gerechtere Welt seinen Beitrag zu leisten. Ob Hilfe im eigenen Land oder in Gegenden, wo die Not besonders groß ist, durch Spenden, aber auch durch das Gebet ….
Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden auf Erden. Doch immer wieder werden
Menschen ausgenutzt, ausgegrenzt und um ihre Rechte betrogen. Das Reich Gottes, dass Jesus verkündet, meint aber, dass die Gerechtigkeit, die Gott uns verheißen hat, schon in dieser Zeit sichtbar wird. Das Reich Gottes, wie wir im Vater unser beten, ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.
Die Geschichte, die Jesus im Evangelium erzählt, handelt von einem Pharisäer und
einem Zöllner und ihre Art und Weise, wie sie zu Gott sprechen. Jesus erzählt diese
Beispielgeschichte zu Menschen, die selbstgerecht sind und andere verachten. Ich möchte da mal den Blick genauer darauf richten.
Zum einen können wir uns freuen über das, was uns gelingt und was wir geschafft haben und wir wissen teilweise wohl auch was wir falsch gemacht haben oder was uns leid tut.
Es ist natürlich, dass wir lieber darüber sprechen, was wir gut gemacht haben. Die Gefahr hier ist die Selbstgerechtigkeit.
Was bedeutet „Selbstgerechtigkeit“? Es bezeichnet die Überzeugung, dass man selbst
moralisch überlegen ist und die Werte strenger einhält als die anderen. Es handelt sich um eine Einstellung, bei der Personen sich gewohnheitsmäßig mit anderen vergleichen und zu dem Schluss kommen, dass sie moralisch besser sind.
Ich habe mir ein paar Sprüche über Selbstgerechtigkeit durchgelesen und einige
ausgewählt, die euch vorlesen möchte. Sie sollen die Gefahren der Selbstgerechtigkeit aufzeigen und wohin diese führen kann:
E
s ist erstaunlich, woher so viele Leute die Selbstgerechtigkeit nehmen, sich
selbst, ihr Umfeld und die Welt immer nur aus ihrem beschränkten
Blickwinkel zu betrachten.
Siegfried Gröf (*1966), Wörterdreher
Die Selbstgerechten, das sind wohl die größten Räuber der Tugend. Konfuzius
Ein guter Mensch, der meint er sei besser als andere, ist ein schlechter Mensch. Walter Ludin
Ein Übel, dass wir selbst gestiftet haben, pflegen wir rasch zu vergessen, während unser Gedächtnis in Bezug auf das Böse, das andere uns zugefügt haben, sehr stark ist. Adolf Glaser
Selbstgerechtigkeit ist ein Übel des ausgeprägten Egoismus. Franz Schmidberger
Sprüche bringen in ihren einfachen Worten oft etwas auf den Punkt, dass uns zum
Nachdenken anregen soll.
Dem entgegengesetzt lesen wir im heutigen Tagespsalm Nummer 34,19:
„NAHE ist der HERR den zerbrochenen Herzen
und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe.“
Wir sind ein bisschen Zöllner, weil wir Sünder sind, und ein bisschen Pharisäer, weil wir anmaßend und selbstgerecht sind. So hat der verstorbene Papst Franziskus einmal diese Bibelstelle gedeutet. Kann ich da zustimmen? Wie war das nochmal genau im Evangelium?
Zwei Menschen sprechen zu Gott. Sie gehen in das Haus Gottes, in den Tempel. Beiden liegt etwas am Herzen, sie möchten es loswerden und vertrauen es Gott an.
Der Pharisäer erzählt von all den Dingen, die er schon geleistet hat. Zwei mal in der
Woche Fasten, den zehnten Teil von seinem Lohn abgeben. Er zählt es in Dankbarkeit
auf, er freut sich und bringt es vor Gott. Es sind gute Eigenschaften, die er da vorbringt, aber ist es wirklich ein Dank oder lobt er sich da etwa selber? Er will Gott sagen, wieviel er getan hat. Um das zu verstärken, vergleicht er sich mit den für ihn sündigen Menschen und ist froh, dass er nicht wie der Zöllner ist, den er auch im Tempel sieht. Es kommt ihm nicht in den Sinn, dass er vielleicht Glück gehabt hat. Wäre er in eine sozial schwierige Situation hineingeboren, in unglückliche Lebensumstände, dann hätte er vielleicht einen ganz anderen Lebensweg gehabt.
Ein Zöllner war zur Zeit Jesu nicht beliebt in der Gesellschaft. Er arbeitete für die Römer und kassierte als Privatperson von den Menschen die Steuern ein. Der Beruf des Zöllners galt als unehrenhaft. Vielen Menschen haben diese Steuereintreiber geschadet. Arme wurden ausgebeutet, Notleidende mit Geldforderungen bedrängt.
Der Zöllner in dieser Geschichte hat wohl auch vielen geschadet. Genaueres wissen wir nicht. Und doch war bei dieser Tätigkeit etwas in ihm noch lebendig, ein reuiges Gewissen und das tiefe Vertrauen zu seinem Herrn und Gott. Er ist bereit, sich zu öffnen. Er sieht ein, dass er vieles falsch gemacht hat, er benennt es nicht aber er sieht sich selbst als Sünder. Es ist wohl eine tiefe Einsicht, die vielleicht aus einer Verzweiflung hervorkommt.
Im Tempel nimmt er seinen Platz ganz hinten ein. Er möchte nicht gesehen werden. Er schlägt sich auf die Brust und sagt nur diesen einen Satz – Herr, sei mir Sünder gnädig.
Jesus hat in vielen Texten des Evangeliums davon gesprochen – Kehrt um -.
Diese Umkehr ist dem Zöllner gelungen. Der Zöllner kann, wie es Jesus nennt
gerechtfertigt nach Hause gehen. Er erkennt, dass er geistig bedürftig ist und hofft auf Gottes Barmherzigkeit.
Wie verhalte ich mich, wie der Selbstgerechte, der „sich selbst erhöht“, indem er auf andere herunterschaut? Oder bin ich mir bewusst, dass ich selber ein armer Sünder bin, der Gott nur zu danken hat für seine große Barmherzigkeit?
Im Buch Jesaja 30,15 lesen wir:
„Denn so spricht GOTT, der Herr: Durch Umkehr und Ruhe werdet ihr gerettet,
im Stillesein und im Vertrauen liegt eure Kraft.“