Monday 6. February 2023
Pfarre Wartberg ob der Aist

1 Pilatus verurteilt Jesus

Die einen packen an und greifen zu. Sie tun ihre Pflicht, sie machen, was sie machen müssen. Der andere aber wäscht zur Sicherheit seine Hände in Unschuld. Er will nichts damit zu tun haben, will sich seine Hände nicht schmutzig machen. Ob sich beide ihrer Sache sicher sind? Zumindest das fragende Gesicht des Pilatus deutet etwas anderes an.

Letztlich tun beide ihre Pflicht, die, die Befehle befolgen, und die, die sie erlassen. Doch für beide gilt auch, dass es hinter der Pflicht auch eine Verantwortung gibt. Und der kann sich keiner entziehen.

 

Jesus ist zwischen die Stühle geraten. Wie viele vor ihm und viele nach ihm. Und nachher wollte es keiner gewesen sein, der dafür die Verantwortung trägt. Es haben ja alle nur ihre Pflicht getan.

2 Schergen legen Jesus das Kreuz auf

Die einen drücken ihm das Kreuz in die Hand, die anderen werfen ihm ihre Vorwürfe nach. Die einen lasten ihm damit den Holzbalken auf, die anderen belasten ihn mit ihren Flüchen. Und wo die einen handgreiflich werden, können die anderen ihre Zunge nicht zügeln. Jesus schneidet das eine wie das andere vom Leben ab. Er steht allein da.

Die Grenze ist meist ganz fließend, zwischen dem hassgetränkten Wort und dem hasserfüllten Tun. Wo die Zunge übt, ist das Tun schon bereit. Und mitunter richten ohnehin Worte mehr an, als Taten.

Jesus hat in seiner bedingungslosen Friedfertigkeit die beruhigenden Sündenböcke weggeräumt. Das überforderte, nicht nur damals. Und machte ihn selbst zum Sündenbock, auf dem alles abgeladen wurde.

3 Das Kreuz wirft Jesus um

Der eine zieht ihn hoch, der andere schlägt auf ihn ein. Und das eine schlägt in dieselbe Kerbe wie das andere: Die Last des Kreuzes ist für Jesus nicht mehr länger zu schultern. Alles Zerren hilft nichts, und alles Schlagen kann daran nichts ändern: Jesus geht kraftlos in die Knie. Da ist weit und breit keine Rettung in Sicht!

Schwäche aushalten, ist nicht unbedingt die Stärke des Menschen. Beim Schwachen stehen bleiben, kostet Überwindung. Sich zu dem hinunterlassen, der am Boden liegt, fordert total heraus. Einfacher ist es, ihn wegzuzerren, oder ihn auf sein eigenes Versagen festzunageln.

Jesus ist kein Superstar. Und als sie ihn zum Kaiser krönen wollen, entzieht er sich. Bei den Kleinen aber, war er daheim, bei den Schwachen ganz da. Das haben viele nicht verstanden. Das haben ihm manche nie verziehen.

4 Maria muss die Augen schließen

Sie kann nicht mehr hinschauen, und er weiß nicht mehr, wie er ihr helfen könnte. So werden die beiden auseinandergerissen, die im Herzen doch zusammengehören. Sie finden nicht mehr zusammen, die der Himmel füreinander geschaffen hat. Weltliche Macht, in Hammer und Nägeln markant in die Bildmitte gestellt, reißt sie gewaltsam auseinander.

Nicht mehr hinschauen, das kann mitunter das letzte Hilfsmittel sein, um sich selbst zu schützen. Wenn die Not zu groß wird, und die Ohnmacht unüberwindbar.

Nein, Jesus konnte nicht alles, schon gar nicht alles auf Knopfdruck. Aber er konnte in allem noch hinschauen. Und er wusste auch dann noch, zu vertrauen. Selbst am tiefsten Punkt wusste er um einen Vater, der ihn nicht fallen lässt.

5 Simon wird zum Kreuztragen eingeteilt

Die einen weisen zu, der andere weiß nicht wie und nimmt eben doch seine Rolle wahr. Die einen zeigen hin, und der andere greift hin. Die einen lassen tun, der andere muss selber tun. Zur Hilfe für Jesus wird aber einzig der andere, weil er mitträgt, was schwer auf ihm lastet.

Die eigene Verantwortung ist schnell abgegeben. Zumal, wenn es da einen gibt, den man zuteilen kann. Das Wissen darum, was andere sollen oder müssten, ist mitunter recht groß und verdeckt vielfach das, was ich tun könnte.

Jesus hat immer nach dem gefragt, was du als einzelner Mensch konkret tun kannst. Und er hat die Kräfte geweckt, das auch zu tun. Es ist keine Schande, zum Guten erst eine Anregung zu brauchen. Es wäre vielmehr eine Schande, sich zum Guten nicht locken zu lassen.

6 Veronika reicht das Schweißtuch

Die eine reicht ihm ein Tuch, der andere wirft mit einem Seil nach ihm wie ein Lasso. Die eine sucht ehrlich sein Angesicht, der andere sucht heimtückisch sein Ziel. Die eine will trösten, der andere will treffen. Die eine hat einen Namen, Veronika. Der andere ist namenlos geblieben – und längst vergessen.

Zu beidem ist der Mensch fähig: dem anderen tröstend begegnen, oder den anderen tödlich treffen. Woran es liegt, dass es dorthin oder dahin ausschlägt? Das ist mit Sicherheit nicht nur Veranlagung, sondern immer auch eine Frage bewusster Entscheidungen und geübter Praxis.

Jesus meint, menschliche Liebe könne so weit gehen, dass sie sogar den möglichen Feind einschließen kann. Das Schweißtuch der Veronika lädt zumindest dazu ein, seine Empathiefähigkeit für alle offen zu halten.

7 Und wieder wird das Kreuz schwerer

Der eine setzt seine Muskelkraft ins Bild, der andere denkt pragmatisch ans Weitergehen. Ein Dritter macht sich mit stürmischen Handbewegungen wichtig. Nur Jesus versagen die Kräfte, er kann sich nur mehr am Boden abstützen. Im Spiegel lässt sich stolz das eine präsentieren, im Alltag geschickt das andere einsetzen und im Lautsprecher verkauft sich bestens das Dritte! Wer hört schon die leisen Rufe aus Bodennähe?

Nein, es geht nicht darum, dem Schwachen eine Bühne zu bieten, aus dem Gebrochenen eine Show zu machen. Das macht die Not nicht kleiner, sondern eher den Voyeurismus größer.

Jesus stellt den Menschen in den Mittelpunkt, und mahnt Gebote und Gesetze ein, die ihm dienen. Damit Not gar nicht erst auftritt, oder zumindest minimiert wird. Ein Recht, das den Gerechten beugt, verdient seinen Namen nicht!

Namenstage
Hl. Paul Miki und Gefährten, Hl. Amandus, Maria Theresia Bonzel, Hl. Vedastus, Hl. Dorothea, Marthe Robin
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