Taize-Gebet
Wer bin ich? Eine spirituelle Spurensuche, die in Taizé begann
Im Rahmen einer Kennenlern-Methode in meiner Ausbildung stieß ich unlängst auf zwei zentrale Fragen:
Wer bin ich?
Und was hat mich eigentlich geprägt?
Die Antwort führte mich gedanklich, gerade in Bezug auf meine Spiritualität, sofort an einen ganz besonderen Ort in Burgund: nach Taizé. Die dort gelebte Spiritualität hat mich als Jugendliche und junge Erwachsene tief ergriffen, geformt und begleitet mich bis heute.
Was aber ist es, dass so viele Menschen – besonders die Jugend, mich eingeschlossen – dort so intensiv anspricht?
An erster Stelle stehen die weltbekannten meditativen Gesänge. In ihrer Einfachheit und Schönheit erlauben sie und die gemeinsamen Gebete einen theologischen und persönlichen Tiefgang, den ich in dieser Form selten woanders erlebt habe. Auch die bewusste Stille vor Ort lädt dazu ein, zur Ruhe zu kommen, ganz bei sich selbst anzukommen, Gott zu begegnen und ihn wirken zu lassen.
Geprägt ist dieser Ort zudem von einer tief gelebten Ökumene. Die Gemeinschaft von Taizé setzt sich aus Brüdern verschiedener Konfessionen zusammen – ob katholisch, evangelisch, orthodox oder anglikanisch. Ihr Gründer, Frère Roger, sagte einmal: „Gott kann uns nur lieben“ – so lautet auch der Titel eines seiner Bücher. Dieser Mann hat eine weite, tiefe Liebe vorgelebt, die mich persönlich zutiefst bewegt hat.
Darüber hinaus bietet Taizé einen einzigartigen Raum für Begegnungen. Junge Menschen aus allen Teilen der Welt kommen dort zusammen, teilen ihren Glauben oder auch ihren Unglauben und kommen auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch. Diese grenzenlose Offenheit, getragen von Einfachheit und tiefer Spiritualität, prägt meinen Glauben bis heute und bleibt ein fester Teil von mir.
Ein Impuls von Birgit Kain (pastorale Mitarbeiterin i.A.)
