Religion, eine Frage der Emotion, nicht der Logik
Ich wurde bei einem Pfarrfest ein wenig bezüglich meiner religiösen Position befragt. Was eher selten passiert, Religion ist für die meisten nicht nur Persönliches, sondern eher etwas, was man, so gut es geht, umschifft. Außer es geht darum, sich darüber aufzuregen, dass es doch tatsächlich Menschen wagen, Rituale zu praktizieren und Modellen zu folgen, die nicht säkular logisch sind.
Nun, es wurden mir einige Fragen gestellt bis zu dem Punkt, ob ich denn nicht auch der Meinung sei, dass sich dringend was ändern müsse mit der Kirche. Zuvor hat mein Gesprächspartner mir noch gesagt, er sei schon lange ausgetreten und bis auf kulturelle Belange habe er eigentlich damit nichts mehr am Hut. Was wohl einen sehr großen Haufen der Menschen widerspiegelt. Im Prinzip religionskritisch, die Kirche ein Ding, das man nicht als schön oder gut bezeichnen kann, sondern eher etwas, was da ist und das man mehr oder weniger toleriert. Manche würden da wohl die Kirche als das, was sie ist, und die Religionen, die solche bauen, eher wie eine Geschwindigkeitsbegrenzung sehen.
Es existiert zwar, doch in erster Linie, um sich darüber aufzuregen.
Auf die Frage, ob nicht langsam mal was geschehen müsse, sich die Kirche mal verändern müsse, um lebensfähig zu bleiben, kann ich aber nur sagen: Nein, das bringt nichts.
Einige haben für die Probleme und Fehler unserer Zeit gerne sehr einfache Lösungen und gerade im Bezug auf die Kirche gibt es mehr als genug. Man muss nur das Zölibat abschaffen und schon gibt es keinen Missbrauch mehr, man muss nur Frauen vollkommen gleichberechtigt behandeln, mit ein paar alten Sitten aufräumen, einfach aufhören, so zu sein, wie es derzeit ist, und sich dem gefühlten Populi, dem Volk, anpassen.
Keine alten Lieder, Traditionen, alles, was nicht für zeitgemäß ist, einfach wegschieben, und dafür alles Positive schön hervorhohlen.
Nichts, was aneckt, nichts, an dem man sich stoßen kann.
Sozial, aber bitte nicht zu sozial.
Politisch irrelevant bleiben und im besten Fall wie das Kino sein.
Man geht manchmal hin und hofft, dass man wenigstens dabei nicht einschläft.
So einfach könnte es sein.
Dabei wird nur gerne übersehen, dass wir sehr aktuell genau das verfolgen können. Wer nach Deutschland blickt, sieht dort Evangelische Kirchen, die als liberal, aufgeschlossen, positiv, ja vielleicht sogar als feministisch gelten können. Auch, wenn manche Feministinnen-Religionen allgemein als antifeministisch bezeichnen würden, aber da gibt es verschiedene Zugänge.
Nun, was ist mit diesen vielen Kirchen passiert? Sind sie aufgeblüht, haben sie viele Gläubige für sich gewinnen können, die genau nach so einer liberalen Weltanschauung gesucht haben und endlich sich dort entfalten können?
Nein.
Die Protestantischen Kirchen waren einst in Deutschland führend, machten zwei Drittel der Bevölkerung aus. Nun sind es weniger als ein Viertel, was nicht an Einwanderern liegt, die böswilligerweise ihre Religion und Kultur einfach so mitbringen, sondern daran, dass die Kirchen zuhauf für die Säkularisierung und die Freiheit der Konfessionslosigkeit verlassen worden sind.
Wer meint, die Katholische Kirche müsse sich einfach nur anpassen, quasi populistisch sich einfach nach einer gewissen Meinung ausrichten, um Mitglieder zu gewinnen, der glaubt auch, man bringe mehr Kinder pro Frau zur Welt, wenn man Kinderlose besteuern würde.
Einfache Lösungen, die wenig lösen, aber viel verschlimmern können.
Als die Anglikanische Kirche sich dafür entschlossen hat, Homosexuelle die gleichen Rechte einzugestehen wie Heterosexuelle, verkündeten die Afrikanischen Teilkirchen ihren Austritt aus dem Verbund. Denn was sollte sie daran hindern?
Religionen existieren durch Zustimmung der Gläubigen, weit weniger von externem Druck. Bei manchen mag die Vorstellung noch sehr populär sein, dass Religion ein reines Machtinstrument ist, um Menschen zu versklaven und in Rollen hineinzudrücken. Gedanklich sicher einfach und logisch, bis man anfängt, im Detail nachzufragen, und man dabei draufkommt, dass hier wenig gelenkt oder geleitet werden kann.
Die Überzeugungen, Wünsche, Ängste und Hoffnungen des Menschen manifestieren sich eben auch in der Glaubenspraxis und damit in den Religionen und Gemeinschaften. Man kann dies nicht wirklich aufzwingen, es muss organisch wachsen und emotional verbunden sein.
Man blicke zu säkularen Totalherrschern, zu Stalin-Kommunismus, Hitleranbetung und der Italienischen Duce Verehrung. Die haben allesamt das auf diese Weise versucht und im Endeffekt wurde es zunehmend lächerlicher, eine überdrehte Parodie.
Als Beispiel sollte man sich den Iran vor Augen halten, der genau das tut, was man gerne den Religionen vorwirft. Bestimmend, dominant und gesellschaftlich das relevanteste Leitbild. Ein feuchter Traum von Fundamentalisten, die glauben, wenn sie erst einmal ihr Bild, ihre Richtung ausleben können, würde das Paradies entstehen. Überraschenderweise hat der Iran die wohl größte Anzahl an nichtreligiösen und atheistischen Menschen im Mittleren Osten. Dazu eine wachsende Anzahl, die dem Islam den Rücken kehren und anderen Religionen beitreten.
Das kommt nicht von ungefähr, man kann Menschen nicht in eine Religion zwingen, man kann sie nicht überstülpen, selbst wenn sie schon drin sind. Es muss von innen entstehen.
Der Mensch ist sowohl eigener Garten als auch Gärtner und nur er entscheidet, welche Pflanzen sich dort breitmachen dürfen.
Auch wenn die Idee des Aufgezwungenen sich für manche in der Richtung gut anhört, dass ja die Vorfahren keine Wahl hatten und man ja nur gezwungen wurde.
Selbst in Ländern, wo die Herrschenden einen Glauben angenommen haben, wie in Ländern der Sahelzone Afrikas, in Litauen, dem letzten Heidnischen Königreich des Mittelalters, oder im Zaristischen Russland. Überall gab und gibt es Unterschiede zwischen den Bevölkerungen und den Eliten im Glauben.
Religionen müssen von sich aus überzeugen.
So gibt es in Südkorea eine große Anzahl an Christlichen Konfessionen und Gläubigen. Nicht unbedingt lauter Menschen, die laut und voller Begeisterung fürJesus, die Jungfrau Maria, den Heiligen Geist und den großen Schöpfer brennen. Sondern viele, die einfach durch die Kirchen und durch die Zusammenarbeit der Gläubigen gesellschaftlich besser aufsteigen können.
Wer Religion betrachten will, muss auch diesen Aspekt miteinberechnen. Gemeinschaften geben die Möglichkeit, gesellschaftlich und bildungstechnisch hochzusteigen. Glaube beflügelt, wenn man so will.
Jeder, der bis jetzt gelesen hat, wird sich vielleicht wundern, in welche Richtung diese Schrift nun gehen soll, wird aber schon jetzt verstehen: Religion, Kirche, Glaubensgemeinschaft, das alles ist nicht in ein Schwarz-Weiß-Denken zu pressen. Es ist groß und auch mehr als nur eine kulturelles Merkmal. Denn Kulturen können sehr weit auseinandergehen, ganz andere Traditionen in sich entwickeln und dennoch auf denselben Glauben bauen.
Die Probleme des Katholizismus sind nicht aufgrund einer neuen Zeit, sondern sind allgegenwärtig. Seit 2000 Jahren wandern die Jünger Jesu Christi nun auf diesem Erdball, vertrauend auf Worte, die vor Hundert Generationen wohl gesprochen wurden. Es gab genug Momente, wo dieser Kirche der Tod nachgesagt wurde, wo Abspaltungen, Revolutionen und Glaubensbrüche sich aufgetan haben.
Tatsächlich muss man es eher so sehen, wenn in einer Gemeinschaft kein Streit ausbricht, kein Ringen um die Zukunft geschieht, dann ist die Gemeinschaft tot. Denn lebhafter Dialog, da gehört Streiten mitunter dazu, sind das Lebenszeichen schlechthin. Fehlt dieser, dann dürfte sich im Inneren nicht mehr viel abspielen.
Südamerika und Lateinamerika waren einst Katholische Zentren, dies ändert sich gerade zunehmend. Aufgrund von Säkularisierung, etablierenden Evangelisch Protestantischen Kirchen und durch die freie Entscheidung der Menschen, was sie glauben möchten.
Diese Glaubensfreiheit war wohl immer schon gegeben und ist wohl weniger von Machtstrukturen unterdrückt worden, sondern von Möglichkeiten. Ein jeder Mensch, der im Besitz des Internets ist, kann quasi auf das gesamte Wissen der Menschheit zurückgreifen. Milliarden Menschen wurden gerade durch Religionen gebildet, erhielten das Alphabet und das Zahlensystem durch diese und nun verleiht dieses Wissen mitsamt der Langlebigkeit der Menschen ihnen nun die Möglichkeit, freiere Entscheidungen zu treffen.
Der Markt ist größer geworden.
Die Welt ist größer geworden.
Der Mikrokosmos des Menschen, seine Familie, sein direktes Mitfeld aus Nachbarn, Freunden, Lehrern. Wo die Kirche vielleicht früher ein fixer Bestandteil des Lebens war, dem man mehr oder wenige vertraut und darauf gebaut hat, diese Stütze ist nun nicht mehr notwendig. Durch das Auto wurde man mobil, durch das Flugzeug kann man jedwede Reise innerhalb eines Tages bewältigen, Bücher bieten gefühlt unendliches Wissen über jedes Thema. Feste, Vereine, Veranstaltungen rund um die Uhr.
Wer geht da zur Messe, wenn nicht die, die stark damit verbunden sind, während alle anderen Besseres mit sich anzustellen wissen?
Vor über zweihundert Jahren meinte ein katholischer Theologe, die Leute gingen lieber ins Theater als in die Kirche und sie haben Recht damit. Denn die spannenden, die interessanten, herzzerreißenden Erlebnisse waren dort zu finden. Die Religionen haben weltweit der Kultur und der Kunst Auftrieb gegeben und sie gestärkt. Um schlussendlich nun von ihnen zum Teil ersetzt zu werden.
Das wäre wohl eine Befürchtung. Wie ein in Kommunistischen Kreisen wohl bald beliebter Meinungskanal mal sagte: „Mit dem Herrn der Ringe habe ich drei Bücher, die mir ein Märchen erzählen, das besser ist als die Bibel“.
Das ist harter Tobak. Ist es somit so, dass Religionen und damit die Katholische Kirche allgemein hier den Kürzeren ziehen, Superheldenfilme, Bücher über das Überleben nach dem Zerfall der Zivilisation und spektakuläre Science-Fiction Welten die Menschen anziehen werden?
Ist Mythologie nur noch dafür da, als Verwertungsfutter für neue Werke Verwendung zu finden?
Da muss man sehr klar Nein sagen.
Der Mensch hat nun mehr Freiheit und Wissen als vermutlich sonst in seinem Dasein. Was nicht heißt, dass er es auch nutzt. Zuviel Angebot erschlägt den Konsumenten und verstärkt das Gefühl des Überfordert-Seins. Im Endeffekt versucht nun alles Mögliche, das Wichtigste in Beschlag zu nehmen, was ein Mensch besitzt, nämlich seine Lebenszeit.
Jede Soziale Media, alles, was auf Werbung basiert, braucht Menschen, die konsumieren. Somit ist die Wahlfreiheit zum Teil ein Trug, ein übler Streich. Hier wird zwar etwas versprochen, aber mit der anderen Hand wird man dazu degradiert, passiv zu sein.
Religionen sind das Gegenteil davon. Jeder Moslem ,der sich trotz all dieser schrecklichen Anschläge, dieser mordenden Fundamentalen, für seinen Glauben entscheidet, weil er ihn für richtig empfindet, ist proaktiv.
Jede Katholikin, die sich für ihre Kirche einsetzt, auch wenn sie weiß, dass sie längst nicht die Anerkennung bekommt, die sie eigentlich verdient, gestaltet aktiv mit.
Keine Gemeinschaft, wo nicht große Themen auftreten. Wie geht man mit Missbrauchsfällen um, was, wenn der Guru seines Vertrauens sich maßlos bereichert hat, der Rabbi meint, man müsse andere auslöschen, um in Frieden leben zu können?
Wer glaubt, sich einfach abwenden zu können, und dann wird sich schon was ändern, dem sei gesagt, dass es wohl nur Selbstbetrug ist. Die Welt und alle Dinge, die der Mensch je erschaffen hat, fordern jeden einzelnen dazu auf, das Leben zu gestalten.
Wer sich ausklinkt aus der Verpflichtung, sein Recht in Anspruch nimmt, eben nicht an der Gesellschaft teilzunehmen, der verändert diesbezüglich auch nichts.
Man darf sich nicht wundern, dass in den USA die Christlich Nationalen an Einfluss gewinnen, denn wer steht denn in ihren Religionen dagegen? Wo sind all die liberalen Strömungen, die Jahrzehnte lang das Paradies nicht nur im Jenseits vermuten, sondern holistisch auch gerade jetzt und hier?
Das Paradies ist jetzt, wenn wir es wollen. Auch in den Evangelikalen Kirchen gibt es einige, die alles andere als einverstanden sind mit der Richtung, die vorgegeben wird.
Man sollte nicht vergessen, dass Radikale zwar laut sind, aber meist nur so tun, als würden sie für alle sprechen. Oder für die richtigen. Oder für sonst wen außer sich selbst und der eigenen Gruppe.
Es scheint so zu sein, dass Religionen drei Stufen ihrer Ausrichtungen kennen.
- Liberale Gruppen, aufstrebend und eine Zeit lang gesellschaftlich stark ausschlaggebend.
Man darf nicht vergessen, dass die Forderung vom Ende der Sklaverei, der Menschenrechte, der Umweltaktivismus, ja sogar die ersten feministischen Strömungen allesamt religiös geprägt waren. Menschen glaubten an Werte, die nicht aus der Natur selbst entstehen, und haben diese aber in die Wirklichkeit geholt. Und solange Menschen weiterhin glauben, dass es wichtig ist, seine Welt vor Beschmutzung zu bewahren, dass Menschenrechte universell sind und nicht beschnitten werden können, keiner der Sklave eines anderen sein soll/kann und das Geschlecht nie das Recht und Freiheit beschneidet, solange werden diese Gesetze auch funktionieren.
Leider vergeht diese Strömung, wird vom Säkularismus aufgesogen. Ähnlich, wie man extremistische Positionen nicht überholen kann, da die Extremisten immer extremer sind, so kann man nicht die Säkularisierung übertrumpfen. Die komplette Willensfreiheit und Ungebundenheit ist das Hier und Jetzt, ohne Regeln der Vergangenheit und ohne Verpflichtungen der Zukunft. Was nicht heißt, dass Säkulare sich nicht um die Welt und Menschheit scherren. Jedoch wird der Glaube dann beliebig, kein Merkmal mehr, sondern eine Zutat unter vielen, verliert sich darin.
Die Kinderanzahl dieser Gruppen schrumpfen, werden kleiner, die Verbindung zu den Kirchen und Gemeinschaften vergeht und plötzlich stehen all die Glaubensthemen, Menschenrechte, Gleichstellung, Liebe zum Nächsten und sogar zum Feind, sie stehen dann alle auf der Kippe.
Wer den Zaun nicht ausbessert, kann ihm beim Bröckeln zusehen.
- Konservative Strömungen halten sich in der Mitte, nicht liberal, machen aber kleine Schritte zur Veränderung. In ihnen gibt es wohl immer liberale und orthodoxe Kräfte, die mal in die eine oder andere Richtung ziehen. Die Katholische Kirche ist wohl ein solch konservativer Koloss, der versucht ,seine Form zu bewahren, sich immer wieder erneuert und versucht, nicht zerrissen zu werden, von den Vorstellungen der Milliarden Gläubigen in seinem Inneren. Irgendwann kippen alle Religionen und Kirchen mal in die eine oder andere Richtung, doch es ist niemals so, dass es nur noch die eine gibt. Ständige Erneuerung, ein Schelm würde Wiedergeburt und Auferstehung sagen, ist jedem Glauben wohl gemein.
- Die dritte Strömung sind Orthodoxe. Sie haben Regeln, sie haben Sitten und diese befolgen sie. In der Regel haben Orthodoxe Gruppen eine große Kinderzahl, wobei es auch hier ganz klar kinderlose Traditionen gibt. Manche wachsen hauptsächlich sogar aufgrund von Konvertierung, so etwa die Zeugen Jehovas, die im Schnitt keine große Kinderanzahl ihr Eigen nennen, aber durch Zuwachs von außen stabil bleiben. Orthodoxe Gruppen sind zum Beispiel die Amish und Mennoniten in Nordamerika, stark autark geprägt, und halten nur wenig von Staatlichen Einmischungen, selbst, wenn es der Wohlfahrtsstaat ist. Oder die Haredim, die Jüdische Gruppe, die nach einer strengen Auslegung der Thora lebt. Diese leben zwar zum großen Teil in Israel, sind aber keine Nationalisten, halten den Staat zum Teil nicht vereinbar mit ihrem Glauben und lehnen auch den Militärdienst ab. Orthodoxe scheinen eher andere zu tolerieren, als dass sie wirklich in einem Verbund mit ihnen befinden.
Was sie aber nicht zu Feinden macht. Aus orthodoxen und konservativen Strömungen entstehen immer wieder liberale Bewegungen, die gewaltige Menschenmengen bewegen und begeistern können. Große Fortschritte im Laufe der Menschheit sind daraus entstanden. Auch verlassen immer wieder Kinder der Orthodoxen ihre alten Gemeinschaften und werden, liberal religiös, säkular, ja manche atheistisch. Diese Gruppen füllen schlussendlich immer wieder die mit wenig Kindern, aber dafür mit anderen Gaben gesegneten Reihen anderen Gemeinschaften.
Denn es ist die Überzeugung, die emotional entsteht, die einen Menschen gläubig und religiös macht. Nichts anderes. Manche wollen es vielleicht nicht, werden aber ihr ganzes Leben lang Glaubenstraditionen nachhängen, weil etwas in ihnen dahinzieht. Andere wollen, werden es aber nie spüren können.
Der Herr lässt regnen auf die Gerechten und Ungerechten, nur wer eben wer ist, lässt sich nie so leicht sagen.
Hier kann ich vielleicht zu meiner Antwort kommen. Die Kinder, die in der Katholischen Kirche geboren und aufgewachsen sind, verlassen diese nicht, weil sie zu alt, zu schadhaft ist, zu viele dunkle Stellen hat.
Ich glaube, dass sie die Verbindung längst nicht mehr so stark verspüren. Die säkulare Welt ruft und lockt mit einem Haufen cooler Spielsachen und das ist auch in Ordnung. Nur darf man dabei nicht vergessen, dass die Säkularisierung es niemals ersetzen kann, was die Religion tatsächlich bringt. Deswegen gehe ich auch davon aus, dass noch Hunderte Jahre nach meinem Tod meine Kindeskinder diese Kirche kennenlernen werden, in ihren glanzvollen wie in ihren übelsten Seiten und hoffentlich in dieser Religion ihre Spuren hinterlassen.
Glauben ist keine Einbahnstraße, denn wer glaubt, der wirkt auch mit.
Victor Frankl schrieb in sein Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ als Antwort auf eine Ideologie, die so sehr auf Vernichtung und Tod getrimmt worden war, wie es nur ging.
Wenig möchte ich mich mit diesem großen Jüdischen Österreicher vergleichen, doch hiermit benutze ich klar seine Worte: „Trotzdem Ja zur Religion, trotzdem Ja zum Glauben“.