Tag 122
Kirchen sind meist auch Grabeskirchen. Die Pfarrchronik aus 1859 berichtet von mindestens 23 Grabplatten in der Innenmauer unserer Kirche oder als Bodenplatten. Heute sind im Innenraum nur mehr zwei Steinplatten sichtbar da (ein dritter ist – laut Kunsttopographie – hinter dem Beichtstuhl verborgen). Wappen oder Kelch? Danach halten die Erstkommunionkinder Ausschau, wenn sie die Grabplatten betrachten. Wappen weisen auf eine*n Adelige*n hin, Kelch und Bibel auf einen Seelsorger. Der Inschriftstein des Vikars Tomas Nidermar an der nördlichen Innenwand besteht aus Sandstein, ein denkbar ungeeignetes Material. Die aufsteigende Feuchtigkeit hat den Sandstein so sehr angegriffen und versalzen, dass gehandelt werden musste. Bildhauermeister und Restaurator Daniel Baron-Neuhuber hat Anfang August den Sandstein gereinigt und ein Mittel zum Festigen aufgetragen. Das wirkt jetzt ein und trocknet.
Eigentlich wäre es wichtig, den Inschriftstein VOR die Wand zu setzen, damit er nicht mehr feucht wird. Aber der „Bursche“ ist sowas von schwer und dick, dass er samt Hinterlüftung einen halben Meter in den Raum stehen würde. Ideal zum Kopf-Anhauen und Sich-durch-Wursteln beim Kommuniongang. Also bleibt er, wo er ist.
P.S. 1859 standen noch mehrere Särge in der Gruft unter der südlichen Seitenkapelle. Heute ist sie leer. Also keine Grabeskirche mehr.
Wie viele Grabplatten und Inschriftsteine befinden sich heute noch an der Außenmauer der Kirche? 3? 5? 7? Wer weiß die richtige Antwort?