Tag 108
Ganz Österreich stöhnt unter der Hitzewelle. Besonders gefährdet sind Kinder und alte Menschen. Die pralle Sonne meiden, viel trinken, Stirn und Nacken mit feuchten Tüchern kühlen, das hilft gegen Überhitzung. Die Mitarbeitenden der Firma Tinzl lassen nichts unversucht, um unserer alten Kirchendame Kühlung zu verschaffen. Scheint zumindest so. Denn Nike und Christoph wässern mit einem breiten Pinsel die Wand beziehungsweise den Stuck. Aber eigentlich sind es die Vorarbeiten in jenen Bereichen, die gekalkt werden sollen. Erst danach wird verdünnter Kalk aufgetragen. Und der darf nicht zu rasch trocknen, weswegen zwischendurch Sprühnebel von Wasser an die Wand geblasen werden. Rechtzeitig, bevor dieser Anstrich trocken ist, kommt der deckende Kalkanstrich an die Reihe. Da der Voranstrich noch Reste von Feuchtigkeit aufweist, können sich die beiden Schichten gut verbinden. Dieser letzten Kalkung wird ein Schuss Leinöl beigemischt, das wiederum die Trocknung verzögert.
Damit nicht genug: Am Boden der Seitenkapelle sind Plastikplanen aufgebreitet, damit das herabtropfende Befeuchtungs-Wasser aufgefangen wird. Der positive Nebeneffekt ist, dass im Raum eine gewisse Luftfeuchtigkeit entsteht, die insgesamt die Qualität des Kalkanstriches erhöht.
Das alles klingt nicht nur aufwendig – es ist das auch. Und es macht deutlich, dass dieses „Ausmalen“ keine gewöhnliche Malerarbeit ist.
Jetzt soll noch jemand sagen, Auskalken ist einfach …
Früher hat es auch bei uns eigene Kirchenmaler gegeben, die die beschriebene Technik (die in Wirklichkeit noch um einiges anspruchsvoller ist) beherrscht haben. Heute findet man diese nur mehr in Bayern.
Und noch ein Praxistipp, um gut durch die Hitzewelle zu kommen: Treten Sie doch in die nächstgelegene Kirche ein. Sie werden aufatmen in diesen kühlen Mauern. Und das ganz ohne Klimaanlage.