Christsein in Südkorea - Aufbruch im Glauben

KBW-Vortrag von Diakon Wolfgang Kumpfmüller am 18.1.2017 im Pfarrheim Niederthalheim
In der drittgrößten Stadt Südkoreas - Daesu - liegt das Zentrum der gleichnamigen Partnerdiözese des Erzbistums Salzburg. Vor kurzem wurde dort, inmitten von Hochhauskomplexen, eine neue Kathedrale eingeweiht. Unser Diakon Wolfgang Kumpfmüller reiste als Pressesprecher des Erzbischofs samt einer Delegation aus Salzburg bereits zum zweiten Mal in die fernöstliche Region.
In einem kurzweiligen und hochinformativen Bildervortrag führte er uns das dortige christliche Leben vor Augen, das in Südkorea erst vor rund 150 Jahren begonnen hat. Bis dahin herrschte der Buddhismus vor, der noch immer die Kultur des Landes prägt. Heute bekennt sich aber fast die Hälfte der etwa 51 Mio Einwohner zu keiner Religion mehr und nur 11% sind katholisch (neben 19% Protestanten). Der Zulauf zur katholischen Kirche steigt jedoch seit 1940 massiv an (bisher um das 50-fache!). Für Wolfgang war dies besonders in einer hohen Zahl an Gottesdienstbesuchern und im regen Zulauf zu einer Mariengrotte mitten in der Stadt wahrnehmbar. Die Kirche betreibt außerdem Hochschulen, die zu den besten im Land zählen.
Um Kinder und Jugendliche kümmern sich unsere Glaubensgenossen in Südkorea besonders intensiv. Für deren Betreuung sind eigens Priester abgestellt und wurde sogar eine separate Kirche errichtet. Da in den öffentlichen Schulen kein Religionsunterricht stattfindet, lernen die Heranwachsenden die Glaubensinhalte in Wochenendschulen. Mittlerweile entstand auch eine christliche Jugendbewegung, die sich öffentlich gegen die gegenwärtige Korruption in der Politik Südkoreas engagiert.
Überraschend auffällig war für Wolfgang, dass in den Straßen keine Armut ersichtlich ist. Der Grund dafür sind hohe Sozialleistungen des Staates.
Warum dann dieser Aufbruch im Glauben? Während nämlich oft der gestiegene Wohlstand für den Rückgang der Religiosität in Europa verantwortlich gemacht wird, kann sich die katholische Kirche hauptsächlich in den armen Weltregionen Afrikas und Lateinamerikas stärker verankern. Damit wäre Südkorea als Land mit einer extrem hohen Wirtschaftsleistung eigentlich kein Kandidat für die Ausbreitung des Christentums. Wolfgang erklärte uns das so: Der starke ökonomische Fortschritt ist eng mit einem massiven Leistungsdruck verbunden – und hier macht die Kirche ein Angebot, das den Menschen Ausgleich bietet.
Wäre das auch für Kirche in Europa eine Chance?