Johann Arnoldner
In die Neue Heimat und damit in den Guten Hirten bin ich 1965 gekommen. Ich erinnere mich noch an die unbequemen Holzbänke in der Barackenkirche. Die hatten nämlich einen durchgehenden Bußschemel und waren sehr eng. Für meine langen Beinen war das immer eine Herausforderung. Die Barackenkirche war bei größeren Anlässen auch viel zu klein, die Leute standen bei der Türe hinaus, weil zu wenig Platz war.
Alois Palmetshofer war der einzige während der gesamten Planungs- und Bauzeit im Guten Hirten tätige Priester (die anderen Kapläne waren Josef Wolfsgruber, Engelbert Singer und Rudolf Himmelreich). Er war derjenige, der die Zügel für die Planung, den Neubau und alles, was damit verbunden war, in die Hand genommen hat. In dieser Zeit war er mehr Koordinator und Aufsicht als Kaplan. Für mich ist Alois Palmetshofer so etwas wie der „Gründervater“ der neuen Kirche zum Guten Hirten.
Die Stimmung war überaus positiv und alle haben mitgeholfen, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. So halfen sehr viele aus der Pfarre beim Abriss der Barackenkirche mit und auch beim Neubau wurden manche Arbeiten, die nicht von einem Fachmann gemacht werden mussten, von uns erledigt. Wir haben gewerkt und gegraben, um die Kosten für die neue Kirche zu senken. Das hat die Pfarrgemeinde zusammengeschweißt. Ich erinnere mich aber, dass wir auch sehr konservative Kirchgeher hatten, die mit unserem offenen, zwischenmenschlichen Umgang nicht zurechtkamen und sich mit einer Beschwerde schon mal an den Bischof oder sogar nach Rom wandten.
Ein Neubau bringt immer viele Diskussionen – auch bei uns. Sollten wir einen Kirchturm bekommen oder nicht? Dies wurde zugunsten eines Glockenturms entschieden und führte damit gleich zur Frage der Glocken - tatsächlich Glocken oder ein elektrisches Geläute? Den Ausschlag für die Glocken gab schlussendlich ein Großspender.
Eifrig besprochen wurde auch die Bestuhlung, sie sollte unbedingt als kommunikativ empfunden werden. Die Sitzpolster mussten abgestimmt werden. Und natürlich der Fußboden – Holzboden, Teppichboden, Steinboden? Für Teppichboden wurde aus Gründen der größeren Wärme entschieden. Der Teppichboden war damals auch auf dem Podium im Altarraum (das es von Anfang an gegeben hat) verlegt.
Für Gesprächsstoff sorgte unser „Guter Hirte“, der zunächst in der Wochentagskapelle stand. Auf Wunsch vieler Kirchgeher wurde er in die Hauptkirche übersiedelt, und zwar nach vorne, ziemlich weit rechts (weiter rechts als heute die Marienstatue steht), was jedoch ziemlich harsch kommentiert wurde, sodass unser „Guter Hirte“ ganz an den Altarraum herangerückt wurde, wo er heute noch steht.
Der Zusammenhalt in unserer Pfarrgemeinde, die gegenseitige Hilfe und die gemeinschaftlichen Entscheidungen lassen mich immer wieder gerne an diese Zeit zurückdenken.