Pfarrkirche Heiliger Geist
Link: Technische Universität Wien: reposiTUm: Hans Aigners Pfarranlage Lenzing: Architektur, Geschichte, Erhaltung
Programmatisch: Kirche und Industrie
Bei der Planung der Kirchenanlage war der Architekt von folgendem Grundgedanken ausgegangen: "Der Kirchenbau prägte durch Jahrhunderte das Ortsbild. Heute sind Industrieorte in ihrem Erscheinungsbild von großen Industrieanlagen beherrscht. So wird auch der Ort Lenzing vom mächtigen Laugenturm und den riesigen Schloten der Lenzing AG dominiert. Dem sollte als anderer Schwerpunkt die Kirche mit dem Turm entgegengestellt werden. Sie wurde deshalb bewusst an die abfallende Geländestufe gesetzt und sollte an diesem Platz ein deutlicher Widerpart zur sonst allein herrschenden Industrie sein.
Arbeit und Gebet, menschliches Wirken und göttliche Gnade stellen die beiden Pole dar, innerhalb deren sich das menschliche Leben verwirklichen soll. Die etwas schräg geneigte Ostwand der Kirche blickt segnend hinab auf die Stätten menschlicher Arbeit. Der Mensch und sein Schaffen soll unter den Schutz Gottes gestellt werden."
Kirchturm und Geläut
Der 42 Meter hohe Turm ist ein Finger, der zum Himmel weist. Mit dem fünf Meter hohen Riesenkreuz an seiner Spitze mahnt er, das Denken nicht allein auf diese Welt zu richten, sondern es auch zu dem zu erheben, der über den Welten ist.
Die vier Glocken wurden 1960 in der Glockengießerei St. Florian bei Linz gegossen und nach dem Parsival-Motiv intoniert.
- Heilig-Geist-Glocke
- Arbeiter-Glocke: geweiht dem Hl. Josef. Sie trägt das Bild der Lenzing AG: "Bet' und arbeit', Gott hilft allezeit"
- Marienglocke, gewidmet den Kriegsopfern: "Maria, Königin des Friedens"
- Jugendglocke, geweiht dem Hl. Georg: "St. Georg, schütze unsere Jugend"
Link: youtube: Geläut der Lenzinger Kirche
Tobias und Sara
Auf dem Vorplatz befinden sich zwei Bronzereliefs von Toni Schneider-Manzell: Szenen aus dem Buch Tobit. Tobias, begleitet von seinem Schutzengel Rafael, fängt einen Fisch im Fluss Tigris (Tobit 6). Später werden die Innereien dieses Fisches den bösen Geist von Sara austreiben, die ihm als Partnerin zugesagt ist (Tobit 8): "Er nahm die Leber des Fisches und sein Herz aus dem Reisesack, den er bei sich trug, und legte sie auf die Räucherkohle. Da hielt der Geruch des Fisches den Dämon fern und er entwich bis hinauf in die Gegenden Ägyptens." Die zweite Tafel zeigt Sara und Tobias, wie sie als liebendes Paar zueinander finden.
Pfarrplatz: Unfertige Gestaltung
Die Pfarrkirche bildet mit dem Pfarrsaal und dem gegenüber liegenden Turm und dem (ehemaligen) Pfarrhaus ein Ensemble um den Pfarrplatz. Architekt Hans Aigner beklagt 1985 dass eine "strengere architektonische Einheit der Gesamtverbauung" aufgrund fehlender finanzieller Mittel bislang nicht durchgeführt wurde. Der Kirchenplatz blieb ungestaltet und das Grün der Sträucher und Bäume käme zu kurz. So ist es bis heute geblieben. Aigner tröstet sich: "Aber war jemals eine Planung so vollständig? Es müssen auch noch kommende Generationen daran eine Arbeit haben, denn alles Irdische unterliegt dem Wandel, der Anpassung von Inhalt und Form."
Hochwertige Ausstattung
Die Wirkung des eindruckvollen Kirchenraums beruht auch darauf, dass zwei namhafte zeitgenössische Künstler:innen den Auftrag für die Ausgestaltung erhalten und für dieses Gotteshaus hervorragende Werke geschaffen haben:
- Prof. Toni Schneider-Manzell (1911-1996) schuf die Bildhauerarbeiten
Link: Wikipedia: Toni Schneider-Manzell - Von Prof. Margaret Bilger (1904-1971) stammen die Glasfenster
Link: Wikipedia: Margret Bilger
Heilig-Geist-Portal
Man betritt die Kirche durch das Heilig-Geist-Tor. Dieses wurde 1981 als letztes der Kunstwerke von Toni Schneider-Manzell eingesetzt. Auf ihm hat der Künstler das vielfältige Wirken der Heiligen Geistkraft Gottes dargestellt.
- Das Wirken des Gottesgeistes im Ersten Testament
- Die Taube kündigt das Ende der Flutkatastrophe an
- Samuel salbt David zum König
- Das Wort des Profeten Ezechiel über das Leichenfeld - Das Wirken des Gottesgeistes im Leben Mariens
- Der Geist Gottes überschattet Maria
- Elisabeth wird vom Heiligen Geist erfüllt
- Simeon erkennt im Geist Gottes das Kind - Das Wirken des Gottesgeistes im Leben Jesu
- Der zwölfjährige Jesus unter den Lehrern
- Die Taufe Jesu
- Thomas und der Auferstandene - Das Wirken des Gottesgeistes im Leben der Kirche
- Die Rede des Petrus am Pfingsttag
- Benedikt und Gregor der Große
- Wappen von Papst Johannes Paul II.
Taufstein
Am Eingang steht der Taufbrunnen. Denn in der Taufe vollzieht sich der Eintritt in die Glaubensgemeinschaft der Kirche; es beginnt für die Christin/ den Christen das Leben mit und in der Kirche. Der Taufbrunnen dient gleichzeitig als Gefäß mit dem Weihwasser, das uns beim Betreten der Kirche an unsere Taufe erinnern soll: Als Getaufte gehören wir zur Gemeinde Gottes in der Nachfolge Jesu.
Die Darstellungen auf dem Taufstein erläutern die Bedeutung der Taufe: Wiedergeboren aus dem Wasser und dem Heiligen Geist, vollendet sich das Leben des Christen in der Auferstehung.
Vom Taufbrunnen ausgehend, führt ein in den Steinboden eingelassenes weißes Marmorband zu den wichtigen Stationen des Kirchenraumes: Zur Marienkapelle als der Stätte des stillen Gebetes, vorbei an der sechseckigen Konche, die die Längswand durchbricht und die Rupertorgel birgt, bis nach vorne in den Altarraum mit dem Sakramentshaus, dem "Lenzinger Kreuz" und dem mächtigen Altar, der als Tisch für die eucharistische Feier dient.
Kirchenraum
Der Kirchenraum ist einerseits bestimmt durch den sechseckigen, nach vorne sich verengenden Grundriss, der die Gemeinde auf den Altar als das Zentrum hinführt; andererseits durch das von oben einfallende Licht, das für die Gemeinde Ansporn sein soll, sich über das Irdische zu erheben und sich dem Wirken der Geistkraft von oben zu öffnen. Das Gotteshaus ist 30 Meter lang, 25 Meter breit und 25 Meter hoch. Das Glasfenster umfasst 300 Quadratmeter.
Lenzinger Kreuz
Beim Betreten des Kirchenraumes richtet sich der Blick sogleich auf den hellen Altarraum, der von einem 300 m2 großen Schrägdach-Fenster das Licht erhält. Das Licht fällt auf das größte Kunstwerk, das die Kirche birgt: das "Lenzinger Kreuz" aus dem Jahr 1973. Beim Katholikentag 1983 in Wien wurde das Lenzinger Kreuz am Wiener Rathaus aufgestellt.
Vom Kreuz her, das zum geöffneten Grab aufgebrochen ist, breitet Jesus einladend seine Arme nach den Menschen aus. Der von den Menschen gekreuzigte Jesus ist aus dem Tod erstanden und lädt die Menschen ein: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt!" (Mt 11,28). Das Kreuz ist eine künstlerische Darstellung jenes Satzes, den die Gemeinde bei der Eucharistiefeier spricht: "Deinen Tod, O Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit."
Altarblock
In der Mitte des Altarraumes, um einige Stufen erhöht, steht der Altar, ein 15 Tonnen schwerer Marmorblock aus Carrara, ohne jeden bildhauerischen Schmuck. Er ist der Mahl- und Opfertisch, um den sich Sonntag für Sonntag die Gemeinde versammelt, um des Todes Christi zu gedenken und seine Auferstehung zu feiern.
Auf den Stufen zum Altarraum steht der aus Marmor gehauene Ambo (Lesepult), auf dem die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes dargestellt sind.
Baum des Lebens
Der Aufbewahrung der beim eucharistischen Mahl übrig gebliebenen heiligen Brote dient das links im Altarraum stehende Sakramentshaus. Es ist in der Form eines Lebensbaumes gestaltet. Der Baum des Lebens ist ein Zeichen für Gottes Fürsorge für sein erwähltes Volk Israel (Ezechiel 17): "So spricht GOTT, der Herr: Ich selbst nehme vom hohen Wipfel der Zeder und setze ihn ein. Einen zarten Zweig aus ihren obersten Ästen breche ich ab, ich selbst pflanze ihn auf einen hohen und aufragenden Berg. Auf dem hohen Berg Israels pflanze ich ihn. Dort treibt er dann Zweige, er trägt Früchte und wird zur prächtigen Zeder. Alle Vögel wohnen darin; alles, was Flügel hat, wohnt im Schatten ihrer Zweige. Dann werden alle Bäume des Feldes erkennen, dass ich der HERR bin."
Für katholische Christ:innen ist die Eucharistie, die hier aufbewahrt ist, das "Brot des Lebens". Die Dornenkrone auf der Tabernakeltür erinnert daran, dass uns das Leben um den Preis des Leidens Christi geschenkt wurde.
Kreuzweg
Ein weiteres Kunstwerk, mit dem Toni Schneider-Manzell die Kirche in einzigartiger Weise bereichert hat, sind die zwölf Kreuzwegtafeln an den beiden Seitenwänden. Der Kreuzweg wurde 1977 geweiht.
1. Tafel: Pilatus spricht über Jesus das Urteil; er lässt Wasser bringen, um in Unschuld seine Hände zu waschen. Beim Hahnenschrei geht Petrus traurig weg, da er den Herrn verleugnet hat.
2. Tafel: Jesus nimmt das Kreuz auf sich und bricht unter der Last des Kreuzes zusammen.
3. Tafel: Jesus begegnet seiner Mutter. Simon von Cyrene muss Jesus helfen, das Kreuz zu tragen.
4. Tafel: Das Schweißtuch, das Veronika Jesus darreicht, trägt nun das Bild Jesu. Jesus bricht ein zweites Mal unter dem Kreuz zusammen.
5. Tafel: Frauen aus Jerusalem haben Mitleid mit Jesus. Er aber warnt sie davor, dass Jerusalem noch Schlimmeres drohe ..
6. Tafel: Jesus wird von der Last des Kreuzes ganz zu Boden gedrückt.
7. Tafel: Der von den Menschen getretene Schmerzensmann: "Ich bin ein Wurm, kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet" (Ps 22,7).
8. Tafel: Selbst die Kleider werden Jesus vom Leib gerissen, um sein Untergewand wird gewürfelt. Nur mehr Gottes Hand schützt ihn; Gott umgibt ihn mit dem Mantel der Gerechtigkeit (Jes. 61,10).
9. Tafel: Jesus wird ans Kreuz genagelt. Eine Tafel gibt seine Todesschuld an.
10. Tafel: Jesus stirbt am Kreuz, einsam und verlassen. Von seinen Freund:innen sind nur mehr Johannes und Maria verblieben - und der römische Hauptmann, der sich zu Jesus bekennt: Dieser war Gottes Sohn!
11. Tafel: Josef von Arimatäa nimmt den Leichnam Jesu vom Kreuz, nachdem ein Soldat Jesu Seite durchbohrt hat. Frauen hüllen den Toten in das Leichentuch.
12. Tafel: Jesus ruht im Grab, seine Mutter Maria trauert um ihn.
Orgel
Die Innenausstattung der Kirche wurde 1988 mit der Aufstellung einer großen Orgel abgeschlossen. Sie hat ihren Platz in der sechseckigen Seitennische gefunden. Es handelt sich um eine zweimanualige, vollmechanische Schleifladenorgel mit Pedal. Sie umfasst 24 Register und wurde von der Oberösterreichischen Orgelbauanstalt St. Florian errichtet. Sie hat den Namen "Rupert-Orgel" erhalten, da mit größter geschichtlicher Berechtigung angenommen werden kann, dass Bischof Rupert, der Gründer des Bistums Salzburg, auch in unserer Gegend missioniert hat. Auch gehörte das Gebiet Seewalchen-Lenzing seelsorglich lange Zeit zum Kloster Michaelbeuern im Land Salzburg.
Link: organindex.de: Lenzinger Orgel
Marienkapelle
Der hintere Teil der Kirche, links neben dem Eingang, ist als Marienkapelle gestaltet. Die Statue, 1964 aufgestellt, zeigt Maria als einfache Frau aus dem Volk. Auf ihrem Arm trägt sie den Jesusknaben, der das Kreuz in seiner Hand hält. Das Leben Mariens wie das ihres Sohnes standen im Schatten des Kreuzes.
Buntes Licht fällt durch das Betonglasfenster, ein Werk Margaret Bilgers. Es ist ein in Glas gefasstes Marieniob: in der Mitte Maria mit dem Kind als Schutzmantelmadonna, unten die Begegnung Marias mit Elisabeth, oben die Schmerzensmutter, die ihren toten Sohn beweint.
Mondsichelfenster
Über der Empore in der Mitte der Westwand ist eine schöne Farbenkomposition in der Gestalt einer Mondsichel; ein Werk derselben Künstlerin.

Lenzinger Keramikkrippe
Zur Ausstattung der Kirche gehört auch eine Keramikkrippe von Johann Zachhuber, die 1986 von Pfarrer Weichselbaumer der Pfarre geschenkt wurde. 1996 wurden durch das Wirtschaftsforum Lenzing drei Könige angeschafft. 2009 malten Firmkandidat:innen zusammen mit Herrn Mooshammer einen Hintergrund mit Hongar, Traunstein und Höllengebirge.