Was wir mit der Emmausgeschichte bedenken können.
1. Am liebsten weglaufen.
Wenn das Schreckliche passiert, möchten wir weglaufen, die Zeit zurückdrehen, nicht hinschauen.
2. Miteinander reden
Wenn wir wen haben, mit dem wir reden können, wenn wer mit uns geht oder wegläuft, ist das sehr angenehm. Wenn wir Masken tragen müssen, werden die Sätze wesentlicher sein.
3. Nächstenliebe
Den Fremden mitgehen lassen mit dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand. Alle unsere und seine Fragen ernst nehmen: Ist das eine Strafe Gottes? Ist es eine Strafe der Natur? Wer oder was ist schuld? Ist die Katastrophe lehrreich? Was denkst Du?
4. Nichtwissen aushalten
Was wissen wir so Gescheiten denn schon von der Natur, vom Kommen und Vergehen des Lebens, von Gott, vom Sinn. Nur eins wissen wir: Diese Herausforderung ist jetzt zu bewältigen: Das Virus muss eingegrenzt werden. Die Pandemie muss beendet werden, niemand darf zurückgelassen werden.
5. Alles mit anderen Augen sehen
Nach dem gemeinsamen Abendessen mit dem Fremden sehen die beiden Emmausmänner alles mit anderen Augen. Das ist auch unsere Chance: Wir dürfen mit guten Gründen auf Gott vertrauen. Er hält unser Leben in der Hand, er begleitet und führt uns, auch im größten Unglück und Elend. Er führt auch das verlorenste, bitterste und viel zu früh beendete Leben zur Vollendung. Alles das ist zwar kein Wissen, aber unsere Hoffnung.
6. Hoffnung stärken und verbreiten
Das ist der christliche Gottesdienst, der auch nicht verboten ist: Den Nächsten lieben und Hoffnung verbreiten. Diese Hoffnungsdurchseuchung der Menschheit hat das Christentum zu dem gemacht, was es heute ist. Darauf bin ich sehr stolz und ich bin dankbar Teil dieser Weltgemeinschaft, die sich als das Volk Gottes bezeichnet, zu sein.
7. Vertrauen in die Gegenwart von Jesus
Hoffnung stärken und verbreiten ist eine riesengroße Aufgabe. Deswegen erinnern uns die Bischöfe beim 2. Konzil im Vatikan (1962-1965) an die Gegenwart von Christus im Volk Gottes, das wir Kirche nennen.
Unsere Bischöfe schreiben:
Um dieses große Werk voll zu verwirklichen, ist Christus seiner Kirche (da ist nicht das Gebäude gemeint, sondern die Menschen, die zum Herrn gehören) immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen.
1. Gegenwärtig ist er im Opfer der Messe sowohl in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht, wie vor allem unter den eucharistischen Gestalten.
2. Gegenwärtig ist er mit seiner Kraft in den Sakramenten, so daß, wenn immer einer tauft, Christus selber tauft.
3. Gegenwärtig ist er in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden.
4. Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er, der versprochen hat: "Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20).
Das lehrt uns die Emmausgeschichte an diesem Sonntag:
Keine Besserwisserei, keine Zukunftsprognosen, keine Schuldzuweisungen, keine Gottesdienste mit Masken und Abstand.
Viel Nächstenliebe, viel Hoffnung stärken, viel Beten, viel Hauskirche.
Viele Grüße
Reinhard