Der 1. Baum wurde am 14. Juni 2026 vom Kameradschaftsbund zu seinem 125-Jahr-Jubiläum gepflanzt.
Apfel "Korbinian"
Korbinian Aigner, geboren am 11. Mai 1885 auf dem Poldingerhof in Hohenpolding, war eine herausragende Persönlichkeit, deren Name heute für Widerstand, Mut und Hoffnung steht. Er war der älteste Sohn und Hoferbe einer Großfamilie mit zehn Geschwistern. Trotz des familiären Drucks verzichtete er auf sein Erbe und entschied sich für das Priesteramt. Sein beruflicher Werdegang führte ihn durch verschiedene seelsorgerische Stationen, bis er 1931 zum Pfarrer von Sittenbach ernannt wurde.
Seit jungen Jahren interessierte sich Aigner für den Obstbau, ein damals in Bayern übliches Handwerk, da viele Bauern eigene Obstgärten besaßen. 1908 gründete er den Hohenpoldinger Obstbauverein, dessen Vorsitzender er wurde. Er initiierte Kurse zur Pflege von Obstbäumen und setzte sich erfolgreich für die Errichtung der ersten vereinseigenen Kelterei Bayerns ein. Ab 1930 leitete er den Obst- und Gartenbauverband Oberbayern und veröffentlichte Beiträge in Fachzeitschriften.
Politisch engagiert, trat Aigner der Bayerischen Volkspartei bei und stand frühzeitig dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber. Er kritisierte offen Adolf Hitler und seine Anhänger, verweigerte die Taufe von Kindern mit dem Namen „Adolf“ und äußerte sich kritisch gegenüber der SA, was ihm Strafen einbrachte. Seine Predigten thematisierten die Gefahren des Nationalsozialismus, und er verweigerte symbolische Gesten wie das Läuten der Glocken zu Hitlers Friedensappell, woraufhin er 1937 nach Hohenbercha strafversetzt wurde. Sein Bischof unterstützte ihn nicht, da er aus Angst vor Repressalien mit den Nazis zusammenarbeitete.
Nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler am 8. November 1939 sprach Aigner im Religionsunterricht über das Gebot „Du sollst nicht töten!“ und setzte sich differenziert mit dem Anschlag auseinander. Er meinte, dass das Attentat gegen Hitler keine Sünde sei. Diese Äußerung führte zu seiner Verhaftung und Anklage wegen Verletzung des Heimtückegesetzes. Im Mai 1940 wurde er zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, und wurde anschließend in das KZ Sachsenhausen eingeliefert.
In Sachsenhausen erkrankte Aigner schwer, überlebte aber. 1941 wurde er in das KZ Dachau verlegt und dort im sogenannten „Priesterblock“ mit 2800 Priestern untergebracht, wo er unter extremen Bedingungen Zwangsarbeit leisten musste. Trotz der Härte der Haft blieb er dem Obstbau treu und züchtete auf einem kleinen Streifen zwischen Baracken aus Apfelkernen neue Sorten. Diese wurden von ihm als KZ1 bis KZ4 bezeichnet, wobei besonders die Sorte KZ3, später Korbiniansapfel genannt, bekannt wurde.
Kurz vor Kriegsende musste Aigner mit 10.000 Häftlingen einen Todesmarsch Richtung Südtirol antreten. Am 28. April 1945 gelang ihm die Flucht und er fand Zuflucht in einem Kloster am Starnberger See, wo ihn Nonnen vor der SS versteckten. Zwei Tage später befreiten amerikanische Truppen das Lager Dachau, und Aigner konnte wieder in Freiheit leben.
Nach dem Krieg kehrte Korbinian Aigner in seine Pfarrei Hohenbercha zurück und versöhnte sich mit Menschen, die ihn während der NS-Zeit verraten hatten. Er widmete sich erneut seinem Hobby, dem Obstbau, und trug oft seinen KZ-Mantel als Zeichen seiner Vergangenheit. Er übernahm wichtige Funktionen im Obst- und Gartenbauverband, erhielt den Bayerischen Verdienstorden sowie die Staatsmedaille in Gold.
Sein Lebenswerk und sein Einsatz für Gerechtigkeit sind auch heute in Hohenpolding und Hohenbercha sichtbar, wo viele Obstbäume an ihn erinnern. Korbinian Aigner verstarb am 5. Oktober 1966 in Freising an einer Lungenentzündung. Auf seinem Wunsch war sein Sarg mit dem alten Mantel aus der KZ-Haft bedeckt, ein Symbol seines ungebrochenen Geistes und seiner Lebensgeschichte. Sein Vermächtnis lebt in der Region und in der Geschichte des Widerstands gegen das NS-Regime fort.
Am 14. Juni 2026 wurde anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Kameradschaftsbundes Katsdorf ein Korbiniansapfelbaum auf dem Friedhof gepflanzt, gesponsert von Franz Aigner, einem Vereinsmitglied. Dies symbolisiert die bleibende Erinnerung und den Respekt gegenüber dem „Apfelpfarrer“, dessen Name heute für Mut und Hoffnung steht. Die Aktion ist Teil einer Initiative, um leergewordene Gräberflächen durch Bäume und Sträucher auf dem Friedhof zu begrünen und damit dem Andenken an bedeutsame Persönlichkeiten Raum zu geben.