Der Hallstätter Marienaltar von Meister Astl
Der Marienaltar unserer Pfarrkirche gehört zu den bedeutendsten spätgotischen Flügelaltären des Alpenraumes.
Die heutige Pfarrkirche wurde im frühen 16. Jahrhundert fertiggestellt, nachdem eine ältere Kirche aus dem 14. Jahrhundert zu klein geworden war. Um 1515–1520 entstand in diesem Zusammenhang auch unser prächtiger Marienaltar.
Der Altar ist ein sogenannter Wandelaltar:
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Geschlossen (Fastendarstellung) zeigt er Szenen aus dem Leben Jesu (Aschermittwoch bis Osternacht).
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Teilweise geöffnet (Advent- und Weihnachtsdarstellung) erscheinen Darstellungen aus dem Leben Mariens und der Kindheit Christi (1. Advent bis Maria Lichtmess, 2. Februar).
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Ganz geöffnet erstrahlt die Verherrlichung Mariens als zentrales Thema (Maria Lichtmess bis Aschermittwoch und Osternacht bis 1. Adventsonntag).
Neben der Gottesmutter sind in der ganz geöffneten Ansicht im Hauptschrein die heiligen Barbara und Katharina dargestellt – beides wichtige Nothelferinnen für uns in Hallstatt.
Die heilige Barbara ist die Patronin der Bergleute und wird hier in Hallstatt aufgrund der jahrhundertealten Bergbautradition ganz besonders verehrt.
Die heilige Katharina gilt als Patronin der Holzknechte. Das Holz spielte in Hallstatt eine entscheidende Rolle, da es im Sudhaus bis 1967 zum Eindampfen der Sole benötigt wurde. So verweist auch ihre Darstellung auf die enge Verbindung von Glaube, Arbeit und Salzgewinnung, die unseren Ort seit Jahrhunderten prägt.
Im Gespränge haben ebenfalls Heilige ihren Platz gefunden die zu uns Hallstätterinnen und Hallstättern einen engen Bezug haben: Der heilige Andreas, Patron der Fischer, der heilige Christopherus, Patron der Salzschiffer zusammen mit dem heiligen Nikolaus oder der heilige Wolfgang.
Auf der Rückseite des Altares findet sich zudem eine eindrucksvolle Darstellung des Jüngsten Gerichts. Dies ist darauf zurückzuführen, dass früher das Sakrament der Versöhnung hinter dem Altar gespendet wurde.
Künstlerisch zeigt der Marienaltar die Vielfalt der Stile um 1500. So verbindet der Altar auf eindrucksvolle Weise regionale Kunst mit überregionalen Strömungen.
Bei einer umfassenden Restaurierung 1984/85 konnte festgestellt werden, dass die originale Farbfassung aus der Entstehungszeit weitgehend erhalten geblieben ist. Die sog. Weihnachtsdarstellung erstrahlt heute wieder in seiner ursprünglichen Pracht und hebt sich deutlich von den neugotischen Übermalungen der Restaurierung von 1893 bis 1895 ab! In seiner Gesamtheit ist der Altar ein sichtbares Zeugnis des Glaubens und der Kunstfertigkeit vergangener Jahrhunderte.
Wir laden Sie herzlich ein, den Marienaltar in unserer Kirche zu betrachten und sich von seiner Schönheit und spirituellen Tiefe berühren zu lassen.