Mein Gedanke zum Sonntag
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich" (Joh 14,1)
hören wir zu Beginn des Evangeliums am heutigen Sonntag. Den Satz sprach Jesus zu seinen Jüngern beim letzten Abendmahl; er richtet sich aber auch an uns, will uns aufrichten und Mut machen. In einer Zeit, wo grausame Kriege toben, wo weltweit Menschen Opfer von Gewalt und Verbrechen werden, da kann man auch als gläubige:r Christ:in verzweifeln und Gott die Frage stellen: ‚Herr, warum lässt Du das alles zu?‘
Meine Erfahrung sagt mir, dass man auch als gläubige:r Christ:in ins Zweifeln kommen kann. Gerade da ruft uns das Johannes Evangelium mit den Worten Jesu zu: "Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich“ Es beteuert uns: wenn alles sinnlos erscheint, wenn Leid und die Trauer Überhand nehmen, wenn wir mit unseren eigenen Kräften am Ende sind, dann ist ER an unserer Seite. Er geht mit uns!
Auch wenn Gott nicht immer so handelt wie du es dir vorstellst; ER ist und bleibt bei dir, wenn du darauf vertraust. Diese Nähe spüre ich manchmal mehr, manchmal weniger. Aufbauend erlebe ich es, meinen Glauben und auch meine Zweifel zu teilen, mit anderen Gottes Nähe zu suchen – dann erfahre ich viel stärker: ja, er ist da. Für mich wird in vielen Gottesdiensten, aber auch anderen Treffen und in persönlichen Gesprächen deutlich: wir alle glauben und vertrauen, sind aber nie fertig oder sicher. Wir suchen unseren
Weg in der Spur Jesu. Und das ist gut so! Es ist eine schöne, aufregende Suche.
Thomas sagte zu ihm (Jesus): Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. (Joh 14,5-6)
Meine Schlussfolgerung: Jesus möglichst gut kennen lernen, seine Worte und seine Taten anschauen und durchdenken, das bringt uns auf die richtige Fährte. Wie reagiert Jesus auf Fragen nach Gott? Was tut Jesus wenn jemand zutiefst traurig ist? Wie betet Jesus? – auch er hadert! Jesus zeigt uns, wie gutes Leben gelingen kann.
Nein, das Leben als Christ:in ist nicht leicht oder selbstverständlich. Es bedeutet immer wieder bewusste Entscheidungen zu treffen, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich persönlich einzusetzen für das, was wir wollen. Aber all das gelingt mit Gottes Hilfe – der traut uns Großes zu. Daran erinnert der Apostel Petrus:
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das Gottes besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis
in sein wunderbares Licht gerufen hat. (1 Petr 2,9)

Foto: privat
Pilgern der Pfarrgemeinde Ansfelden
nach St. Florian, Oktober 2024
Sonja Höhenberger
Seelsorgeverantwortliche
