Mein Gedanke zum Sonntag
Wir hören in der Lesung aus dem ersten Buch der Könige davon, dass der Prophet Elija sich dem Herrn auf dem Berg Horeb doch bitte zeigen möge. Ein furchterregender Sturm hebt an, ein Erdbeben und ein Feuer kommen daher. Doch der Herr ist nirgends drinnen zu finden. Erst in einem sanften, leisen Säuseln nimmt Elija den Herren wahr und tritt sofort hinaus aus der Höhle und stellt sich ihm am Eingang. Elija hat sehr feine Antennen, ein gutes Gespür, großes Gott-Vertrauen und einen gesunden Hausverstand. Er weiß, dass der Herr ihn nicht einer großen Gefahr aussetzen würde und nimmt auch sofort das sanfte Säuseln als Gegenwart Gottes wahr.
Dieses Ur-Vertrauen ist es, das dem Petrus fehlt, wenn wir uns das heutige Evangelium von Matthäus 14, 22-23 anschauen; das, wo Jesus nachts übers Wasser zum Boot der Jünger, das vom Gegenwind arg hin- und hergeworfen wird, geht. Diese denken, er sei ein Gespenst, und schreien vor Angst. Jesus beschwichtigt sie. Petrus fordert Jesus heraus mit den Worten: "Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!" Und dieser sagt einfach zu ihm:"Komm!" Und da steigt Petrus aus dem Boot und geht übers Wasser zu Jesus, ganz selbstverständlich. Doch als sich Petrus der Umstände mit dem starken Wind und der eigentlichen Unmöglichkeit seines Tuns bewusst wird, droht er im gleichen Augenblick im Wasser zu versinken! Jesus streckt ihm sofort seine Hand entgegen und rettet ihn, allerdings nicht, ohne Worte des Tadels für ihn auf den Lippen zu haben:" Kleingläubiger!", schimpft er ihn, "Warum hast du gezweifelt!" Ich frage mich gerade, ob Jesus Freude daran gehabt hätte, mit Petrus übers Wasser zu tanzen, z.B.? Es muss doch irgendwie wunderbar sein, wenn die beiden wie auf Schlittschuhen und mit viel Lachen übers Wasser dahingleiten würden. Das hat Petrus vermasselt. Die Situation wurde plötzlich Tod-ernst; er droht zu ertrinken. Sie steigen ins Boot und der Sturm legt sich. Die Jünger fallen sogleich vor Ehrfurcht auf die Knie, weil sie Gottes Sohn in ihm erkennen. Ob Jesus in dieser Minute traurig ist, weil er erkennt, dass niemand mit ihm mithalten kann; er vielleicht ein kurzen Moment sogar sehr einsam ist mit all seiner Allmacht. Und, weil er auch sieht, dass der Weg, die Jünger auf seine Nachfolge hin vorzubereiten, noch ein langer sein wird... Das sind Phantastereien, Gedankenspiele.
Wie schaut es mit unserem Ur-Vertrauen aus? Trägt uns der Glaube? Scheinbar Verrücktes, denkbar Unmögliches, Anderes (zu denken) wagen? Sich etwas zutrauen? Doch etwas Neues ausprobieren und nicht aus Angst und Vorsicht gleich "Nein"
zu sagen. Immer wieder säuselt da was um uns herum, will uns aufmerksam machen und uns aus der Höhle/aus dem Schneckenhaus herausholen. Doch endlich das lange aufgeschobene Telefonat machen? Jemandem schreiben oder auf einen Kaffee einladen? Tut sicher beiden gut! Und stärkt das Vertrauen ins Leben durchs Miteinander!
"Warum hast du gezweifelt?", heißt es bei Matthäus heute.
"Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir!" heißt es bei Jesaja. So wie die Sonne hinter den Wolken.
Ich wünsche noch einen schönen, sonnigen Sonntag!
Margit Mostbauer
Fachteam Liturgie, Pfarrgemeinderatsmitglied
