Mein Gedanke zum Sonntag
In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! (Joh 1, 29)
Diese Worte aus dem Evangelium hören wir bei jedem Gottesdienst zur Kommunion. Heute hören wir den Zusammenhang dieser Worte. Bemerkenswert ist, dass Johannes im Evangelium zweimal betont, dass er Jesus Christus nicht kannte. Er sieht Jesus und ahnt, wer es ist.
Ab und zu kann man es erleben: Die Tür geht auf und ich bin von meinem Gegenüber fasziniert. Der Mensch nimmt mich gefangen. Er hat ein Lächeln, das verwandelt. Er hat einen Blick, der fesselt. Er hat eine unbeschreibliche Präsenz im Raum. So ein Moment bleibt mir lang in Erinnerung.
So muss es Johannes mit Jesus ergangen sein. Er hat gehofft und gewartet, den Messias zu treffen. Johannes der Täufer hatte die Menschen auf Jesus vorbereitet. Er hatte sie gelehrt, auf den Erlöser zu warten. Er hatte eine Vorstellung davon, was diesen Menschen auszeichnet. Und er erkennt ihn, obwohl er ihn nicht kennt.
Auch wir sind auf der Suche und Erwartung nach Jesus Christus und müssen uns immer wieder die Frage stellen „Wer ist Jesus Christus für mich?“ Wir dürfen nicht müde werden, nach Gott zu fragen und ihn zu suchen. Dazu ist es erforderlich, umzukehren, das heißt, die eigene Unzulänglichkeit zu erkennen und den Weg der Nachfolge Jesu einzuschlagen. Johannes ermutigt uns dazu, aufmerksam zu bleiben für die Aufgaben, für die wir bestimmt sind. Dies kann geschehen, wenn wir in unserem Alltag nicht aufgehen in dem, was wir für wichtig halten, sondern Ausschau halten, welche wirkliche Aufgaben vorhanden sind, in der Familie, in der Gemeinde oder in anderen Gemeinschaften.
Christoph Nissel
Fachausschuss Liturgie, Wortgottesdienstleiter
