Heilige Elisabeth von Thüringen
Elisabeth von Thüringen wurde als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. in Sárospatak (Nordungarn) geboren. Mit 14 Jahren wurde sie mit Ludwig IV., dem Nachfolger des Landgrafen von Thüringen, verheiratet. Zusammen hatten sie drei Kinder. Ihr Leben widmete Elisabeth der Nächstenliebe, den Armen und Kranken. Am 17. November 1231 verstarb die 24-Jährige an Auszehrung und Erschöpfung. Die Heiligsprechung fand am 27. Mai 1235 durch Papst Gregor IX. statt. (Ursula Koch, Elisabeth von Thüringen. Die Kraft der Liebe, Gießen 1998.)
Die Heilige Elisabeth ist die Schutzpatronin von Thüringen und Hessen, des Deutschen Ordens, der Caritas-Vereinigungen, der Sozialarbeiter, der unschuldig Verfolgten, der Bettler, der Kranken und der Notleidenden. (N.N., Elisabeth von Thüringen. Eine, die hinschaut, wenn andere wegschauen, online unter: Elisabeth von Thüringen (19.11.) - Katholische Kirche in Oberösterreich (07.07.2026 um 19:40).)
Künstlerin: Margit Leeb, Altenberg bei Linz
Gespendet von den Goldhaubenfrauen Altenberg bei Linz

Heilige Elisabeth von Thüringen
verfasst von Doris E. Witzmann, MA
Elisabeth wurde im Jahr 1207 in Sárospatak, im heutigen Nordungarn, als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. geboren. Mit vier Jahren wurde sie nach Thüringen, in die Wartburg, geschickt, wo sie mit dem thüringischen Erbprinzen Ludwig IV. verlobt wurde.[1] Mit 14 Jahren wurde sie mit dem 7 Jahre älteren Ludwig IV. verheiratet. Zusammen hatten sie drei Kinder, Hermann, Sophie und Gertrude[2],wobei Ludwig die Geburt seiner jüngsten Tochter nicht miterlebte, da er bereits am 11. September 1227, einer Seuche nach dem Kreuzzug Friedrichs II. erlag.[3]
Glaube und gelebte Nächstenliebe
Schon als Kind zeigte Elisabeth eine tiefe Gottesverbundenheit. Guda, eine Spielgefährtin Elisabeths, erinnerte sich im Laufe der Kanonisierungsprozesse, dass Elisabeth bereits beim Spielen das Bedürfnis hatte, Gott anzubeten und bezog die übrigen Mädchen mit kindlicher List in ihr Spiel mit ein.[4]
Wenn sie die Messe besuchte, legte Elisabeth bereits vor der Ehe sämtlichen Schmuck und alle Zeichen ihres fürstlichen Standes ab. Laut Brigitte Stark lassen sich hier zwei Gründe aufzählen: Erstens ging es darum, dass sie während der Messe, insbesondere bei dem Evangelium und dem Kanon, in vollkommener Demut Gottes Wort zu hören und seine Gegenwart im Sakrament zu ehren. Hier entspricht ihre Einstellung, wenn auch in persönlich gesteigerter Form, den Bräuchen der Zeit, dem Abnehmen der Kopfbedeckung durch die Männer, dem Ablegen von Stäben und Mänteln. Zweitens unternahm Elisabeth den Versuch, Besucherinnen bei Hof das Tragen von Schmuck und extravaganten Kleidern auszureden.[5]
Auch nach der Heirat blieb Elisabeth ihrem Wunsch, Christus nachzufolgen, treu. In Abwesenheit ihres Mannes legte sie die standesgemäße Kleidung ab. Bei seiner Rückkehr kleidete sie sich bewusst in schönen Kleidern, um Ludwig IV. nicht zu missfallen. Zugleich denkt sie an Gott, der diese Ehe eingesetzt hatte, und fühlt sich für das gemeinsame Seelenheil mitverantwortlich. Um vor den Gästen ihres Gemahls keinen Skandal hervorzurufen, bittet sie Gott bei der „Einkleidung durch den Engel“ um ein standesgemäßes Gewand. Der erschienene Engel überreichte ihr ein prachtvolles Kleid sowie eine Krone, die sie in überirdischer Schönheit erstrahlen ließ. Dieses Wunder rettet die Ehre des Landgrafen, da er eine fürstliche Gattin vorweisen konnte.[6]
Elisabeth unterwarf sich unter der Leitung ihres Beichtvaters Konrad von Marburg einer strengen Askese. So enthielt sie sich vieler Nahrungsmittel, die an der fürstlichen Tafel genossen wurden. Elisabeth befolgte damit den Befehl Konrads, keine Speisen zu sich zu nehmen, die nicht auf rechtmäßigem Wege an den Hof gelangt sind. Nicht allein wegen des Fastengebotes verzichtet sie darauf, vielmehr aus Mitleid und Verantwortung für die ausgebeutete Landbevölkerung, aber auch aus ihrem Gelübde gegenüber Gott, dass sie für die Sünden ihrer Familie und ihres Standes büße.[7] Ludwig IV. ist in einer gewissen Weise mit der Einstellung seiner Gattin einverstanden, da er Elisabeth mitteilte, woher die Speisen stammten.[8]
Witwenzeit und Dienst an den Armen
Nach dem Tod ihres Mannes 1227 veränderte sich Elisabeths Situation auf der Wartburg. Mitsamt ihren drei Kindern sowie ihren engsten persönlichen Dienerinnen irrte sie ohne dauerhafte Bleibe umher. Nach einigen Zwischenaufenthalten in Franken kehrte Elisabeth mit den Gebeinen ihres Gatten nach Thüringen zurück.[9] Der Bruder und Erbe ihres Mannes verweigerte Elisabeth die Auszahlung ihres Wittwengutes, allerdings bot er ihr an, an seinem Hof zu leben. Dieses Angebot konnte sie wiederum nicht annehmen, da sie der Gefahr ausgesetzt war, unrechtmäßig erworbene Güter zu sich zu nehmen. Konrad von Marburg[10], der nach dem Tod von Ludwig IV. vom Papst Gregor IX. als Elisabeths Vormund eingesetzt wurde[11], hatte ihr hier eine Verpflichtung auferlegt, der sie zwang, gegen die Gepflogenheiten des Hofes zu verstoßen. Unter seinem Einfluss intensivierten sich auch ihre Gebete und ihre Selbstpeinigung.[12] Nach ihrer Ansiedlung in Marburg hatte Elisabeth die Möglichkeit gehabt, sich zu jenem Lebensweg in Armut hinzugeben. Allerdings ließ Konrad das nicht zu. Er hielt unerbittlich an ihrem Status als reiche Frau und Landesfürstin fest. Selbst während ihres Lebens im Marburger Spital war es weiterhin von Spannungen geprägt zwischen ihrem Streben nach Armut und Demut und ihrem faktischen Reichtum.[13]
In Marburg errichteten sie ein Hospital mithilfe Elisabeths Vermögens. Dieses galt als Zufluchtsort für Kranke und Arme.[14] Weiters erbauten sie eine Kapelle zu Ehren des Heiligen Franz von Assisi, da dieser als Vorbild Elisabeths galt.[15] Im Hospital arbeitete Elisabeth als Krankenpflegerin[16], wobei sie besondere persönliche und psychische Zuwendung besonders jenen galt, die besonders entstellt und verwahrlost waren. Martin Ohst schreibt, dass sie geradezu deren Nähe suchte. Elisabeth leistete ihnen nicht nur therapeutische und pflegerische Dienste, sondern sie küsste die übelriechenden und eiternden Wunden.[17] Konrad von Marburg behandelte Elisabeth in grausamer Weise: So nahm er ihr die Kinder weg, erlegte ihr ein Kontaktverbot zu ihren Freundinnen auf, spionierte ihr nach und peitschte sie aus. Da sie durch ein Gelübde an ihn gebunden war, konnte sie sich nicht wehren. Elisabeth starb mit nur 24 Jahren[18] am 17. November 1231 an Entkräftung und Erschöpfung.[19]
Heiligsprechung
Umgehend nach Elisabeths Tod und Bestattung setzten Wallfahrten ein. Grund dafür waren die Berichte über diverse Wunderheilungen.[20] Gemeinsam mit dem Deutschen Orden hatte auch das Thüringer Landgrafenhaus eine Heiligsprechung ihrer Schwägerin im Sinn, obwohl hier viel mehr das machtpolitische Potential erkannt wurde. Erst nach mehreren Versuchen und Ansätzen wurde Elisabeths Kanonisation durchgesetzt. Am 27. Mai 1235 verkündete Papst Gregor IX. in Perugia, Italien, Elisabeths Heiligsprechung.[21] Das Kanonisationsverfahren ist gut dokumentiert, denn es gibt Briefe der Antragsteller, Berichte der päpstlichen Kommission, die über Elisabeths heiligengemäßes Leben berichten sollen, genaue protokollierte Aussagen ihrer Dienerinnen, beglaubigte Wunderberichte durch Zeugen und schlussendlich die Urkunde ihrer Heiligsprechung.[22]
Wunder
Das wohl bekannteste Wunder ist das sogenannte „Rosenwunder“. Ludwig IV. soll von seiner Umgebung gegen Elisabeths „Verschwendungen“ aufgehetzt worden sein. So begab es sich, dass er seiner Frau eines Tages folgte. Elisabeth trug einen Korb mit Brot und wollte diesen an die Armen und Kranken verteilen. Als sie den Berg der Wartburg hinunterstieg, hielt Ludwig IV. sie auf und fragte: „Was trägst du da?“ Elisabeth entgegnete ihm: „Es sind nur Rosen.“ Und so wie sie den Korb abdeckte, fand er Rosen, anstatt Brot.[23]
Ein weiteres Wunder war, als Elisabeth einen Aussätzigen zur Pflege in die Wartburg mitnahm und diesen auf ihrem Ehebett liegen ließ. Als man diesen aufdecken wollte, sah man statt eines Kranken das Bild des gekreuzigten Christi.[24]
Als drittes wundersames Ereignis wird oft erwähnt, dass Elisabeth im Hungerjahr von 1226 das gesamte verfügbare Korn austeilte sowie das Geld aus der Staatskasse als Hilfe verwendete. Daraufhin wurden heftige Vorwürfe erhoben. Plötzlich bedeckte sich aber der Boden des Saales mit Korn und auch alle Kammern füllten sich damit.[25]
Elisabethinen in Linz
Die Ursprünge der Ordensgemeinschaft lassen sich auf das Jahr 1622 zurückführen. Apollonia Radermecher und zwei ihrer Gefährtinnen gründeten, auf die Besorgnis über die Notlage der Armen und Kranken in Aachen hin, die Gemeinschaft der „Hospitalschwestern der heiligen Elisabeth“. Der Orden breitete sich von Aachen aus in verschiedene Städte und Länder aus.[26] Im Jahr 1709 wurde das Kloster der Elisabethinen in Wien gegründet. Von dort aus entstand 1745 das Kloster in Linz. Es kam 2007 zur Vereinigung der zuvor eigenständigen Klöster Wien und Linz.[27]
Bibliografie
Friedhelm Debus, Die biblische Elisabeth und Elisabeth von Thüringen im Spiegle der deutschen Namengebung, in: Kathrin Dräger, Fabian Fahlbusch, Damaris Nübling (Hg.), Heiligenverehrung und Namengebung, Berlin/Bosten 2016.
Ursula Koch, Elisabeth von Thüringen. Die Kraft der Liebe, Gießen 1998.
N.N., Elisabeth von Thüringen. Eine, die hinschaut, wenn andere wegschauen, online unter: Elisabeth von Thüringen (19.11.) - Katholische Kirche in Oberösterreich (07.07.2026 um 19:40).
N.N., Ordensklinikum Linz Elisabethinen. Entwicklung und Wirken seit der Gründung im Jahr 1745, online unter: Geschichte seit 1745 | Ordensklinikum Linz (07.07.2026 um 19:26).
Martin Ohst, Elisabeth von Thüringen in ihrem kirchengeschichtlichen Kontext, in: Zeitschrift für Theologie und Kirche, Dezember 1994, Vol. 91, Nr. 4.
Joachim Schäfer, Elisabeth von Thüringen, online unter: Elisabeth von Thüringen - Ökumenisches Heiligenlexikon (07.07.2026 um 11:04).
Joachim Schäfer, Konrad von Marburg, online unter: Konrad von Marburg - Ökumenisches Heiligenlexikon (07.07.2026 um 10:47).
Brigitte Stark, Elisabeth von Thüringen. Die Entdeckung individueller Züge in der Biographie einer Heiligen, in: Jan A. Aertsen (Hg.), Individuum und Individualität im Mittelalter, Band 24, Berlin 1996.
Sylvia Weigelt, Quellen zur Geschichte Thüringens. Elisabeth von Thüringen in Quellen des 13. Bis 16. Jahrhunderts, Erfurt 2008.
[1] Vgl. Martin Ohst, Elisabeth von Thüringen in ihrem kirchengeschichtlichen Kontext, in: Zeitschrift für Theologie und Kirche, Dezember 1994, Vol. 91, Nr. 4, 424.
[2] Vgl. Friedhelm Debus, Die biblische Elisabeth und Elisabeth von Thüringen im Spiegle der deutschen Namengebung, in: Kathrin Dräger, Fabian Fahlbusch, Damaris Nübling (Hg.), Heiligenverehrung und Namengebung, Berlin/Bosten 2016, 68.
[3] Vgl. Ohst, Elisabeth von Thüringen, 424.
[4] Vgl. Brigitte Stark, Elisabeth von Thüringen. Die Entdeckung individueller Züge in der Biographie einer Heiligen, in: Jan A. Aertsen (Hg.), Individuum und Individualität im Mittelalter, Band 24, Berlin 1996, 707.
[5] Vgl. ebd., 709f.
[6] Vgl. ebd., 710-712.
[7] Vgl. Stark, Elisabeth von Thüringen, 712.
[8] Vgl. ebd., 713.
[9] Vgl. Ohst, Elisabeth von Thüringen, 424f.
[10] Vgl. ebd., 438.
[11] Vgl. ebd., 437.
[12] Vgl. ebd., 438.
[13] Vgl. ebd., 439.
[14] Vgl. Joachim Schäfer, Konrad von Marburg, online unter: Konrad von Marburg - Ökumenisches Heiligenlexikon (07.07.2026 um 10:47).
[15] Vgl. Debus, Die biblische Elisabeth und Elisabeth von Thüringen, 69.
[16] Vgl. Schäfer, Konrad von Marburg, (07.07.2026 um 10:52).
[17] Vgl. Ohst, Elisabeth von Thüringen, 428.
[18] Vgl. Schäfer, Konrad von Marburg, (07.07.2026 um 11:02).
[19] Vgl. Joachim Schäfer, Elisabeth von Thüringen, online unter: Elisabeth von Thüringen - Ökumenisches Heiligenlexikon (07.07.2026 um 11:04).
[20] Vgl. Debus, Elisabeth von Thüringen, 69.
[21] Vgl. Sylvia Weigelt, Quellen zur Geschichte Thüringens. Elisabeth von Thüringen in Quellen des 13. Bis 16. Jahrhunderts, Erfurt 2008, 7.
[22] Vgl. ebd., 7.
[23] Vgl. Schäfer, Elisabeth von Thüringen, (07.072026 um 12:45).
[24] Vgl ebd., (07.07.2026 um 12:58).
[25] Vgl. ebd., (07.07.2026 um 16:16).
[26] Vgl., N.N., Ordensklinikum Linz Elisabethinen. Entwicklung und Wirken seit der Gründung im Jahr 1745, online unter: Geschichte seit 1745 | Ordensklinikum Linz (07.07.2026 um 19:26).
[27] Vgl. ebd., (07.07.2026 um 16:36).