Predigten der letzten Sonn- und Feiertage
| Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis, 23. August 2026 Pfarrer Hubert Puchberger Thema: Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben. |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben“, sagt Jesus zu Petrus, nachdem dieser sein Bekenntnis zu Jesus Christus abgegeben hat: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Diese Schlüssel sind eng mit dem Papstamt verbunden, ihre Darstellung ist ein Teil des päpstlichen Wappens. Die Schlüssel haben eine hohe symbolische Bedeutung. Sie öffnen und schließen, also beides. In den Märchen spielen sie eine wichtige Rolle in der Erlösung von Menschen. Im Märchen von den Sieben Raben sucht die Schwester nach ihren 7 verzauberten Brüdern und bekommt dafür einen Schlüssel, den sie aber verliert, und so wird ihr kleiner Finger zum Schlüssel. Der Schlüssel ist hier die geschwisterliche Liebe, symbolisiert im abgeschnittenen Finger. Petrus werden die Schlüssel des Himmelreichs übergeben, also zur Vollendung der Welt und des Menschen. Der Hintergrund ist sein Bekenntnis zu Jesus Christus als Sohn des lebendigen Gottes. Dieses Bekenntnis ist also der Zugang zum Himmelreich, zur Vollendung der Welt und des Menschen. Es ist ein Bekenntnis zur Liebe, die Gott zum Menschen und zur Welt hat, weil er Mensch geworden ist. Dieses Bekenntnis ist aber nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern eine Art zu leben, die diese Liebe widerspiegelt. Für Petrus wurde das auch zu einem Schlüsselerlebnis, also zu einem Erlebnis, das sein Leben verwandelte und seine Sicht auf das Leben. Es gehört auch zur Spiritualität eines Christen, sich von Jesus Christus verwandeln zu lassen. Ich kann mich daher selbst fragen: Was passt in meinem Leben zum Bekenntnis, dass Jesus Christus der Sohn des lebendigen Gottes ist und was nicht. Wo würde Jesus zu meinem Leben sagen: Das widerspricht mir total? Vielleicht würde eine solche Frage zu einem Schlüsselerlebnis führen, entweder als Bestätigung oder als Infragestellung. Sie könnte also ein Schlüssel werden, der mir einen Bereich öffnet, der mir bisher verschlossen war. „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiß, »was im Innern des Menschen ist«. Er allein weiß es!“, rief Johannes Paul II. den Menschen bei seiner Amtseinführung zu. Er hat damit auch die Welt verändert. Amen. |
| Predigt am 20. Sonntag im Jahreskreis, 16. August 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Der lernende Jesus – der lernende Gott |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! In einem Buch, das den Titel „Wie Jesus glauben lernte“, trägt, wird Jesus als einer dargestellt, der auch in seinem Glauben als Mensch gewachsen ist und neue Erfahrungen in der Begegnung mit anderen Menschen gemacht hat. Als Beispiel wird dort angeführt, was wir heute im Evangelium gehört haben: Jesus lässt sich von einer Heidin belehren, die mit ihrem Glauben eine Korrektur am Glauben Jesu vornimmt, nämlich dass Gott das Heil aller Menschen will. Das wurde schließlich auch in einem Brief des Neuen Testamentes ausdrücklich bekräftigt: „1 Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, 2 für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können. 3 Das ist recht und wohlgefällig vor Gott, unserem Retter; 4 er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.“ (1 Tim 2, 1 – 4) Das könnte uns verunsichern, weil wir ja von Gott als dem sprechen, der allwissend ist und daher nichts mehr lernen muss, und wir auch von Jesus annehmen, dass er alles weiß und „ihre Gedanken kennt“. Wir könnten aber auch sagen: Gott geht mit den Menschen, nimmt ihre Sorgen und Nöte ernst und gerade dadurch wird die Welt der Menschen auch menschlicher. Die Sorgen der Menschen, also unserer Mitmenschen, ernst nehmen, und so die Welt menschlicher machen, dürfen auch wir dann als Haltung lernen, und wir müssen uns nicht schämen, wenn es uns nicht gleich einfällt. Lernen ist ein menschlicher Prozess, der auch Freude macht. Bereiche entdecken, die wir noch nicht kennen. In der Geographie und in der Astronomie teilen wir diese Freude. Mit Interesse eine Sonnenfinsternis erleben und Sternschnuppen am Himmel zu sehen, ist kein alltägliches Ereignis, und offensichtlich lernen auch heute noch immer die Menschen daraus. Mindestens so wichtig ist das Lernen im Bereich des Zusammenlebens von Menschen und der gegenseitigen Hilfe. Ich glaube, dass der lernende Jesus uns innerlich näher und hilfreicher ist als der allwissende, den wir ohnehin nicht erreichen könnten. Dass es immer wieder Neues und Schönes gibt, ist ansprechender als ein Zustand, in dem alles schon gewusst ist, das würde ewige Langeweile bedeuten. Max Frisch hat ein Theaterstück mit dem Titel „Biographie“ geschrieben. In ihm kommt eine Szene vor, die das Leben der Verstorbenen beschreibt. Sie werden als normale Menschen dargestellt, aber mit einem Unterschied, in ihrem Leben kommt nichts Neues mehr vor, sie können immer nur von der Vergangenheit reden. Da ist die Vorstellung von einem Himmel, in dem es immer Neues und Überraschendes gibt, sicher ansprechender. Amen. |
| Predigt am Fest Mariä Aufnahme in den Himmel, 15. August 2026 Pfarrer Hubert Puchberger; Thema: Maria, Urbild der Kirche. Hoffnung auf ewige Vollendung mit Leib und Seele |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Ich sehe dich in tausend Bildern Schreibt der romantische Dichter Novalis. Eines von diesen Bildern stellt uns die Offenbarung des Johannes vor, nicht lieblich ausgedrückt, sondern einer Frau ,die sich in Bedrängnis befindet und gerettet wird. Sie befindet sich in Geburtsnöten und wird. Sie wird entrückt und dadurch gerettet. Aber sie wird auch dargestellt als Frau mit der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen, einen Kranz von 12 Sternen auf dem Haupt Diese hier beschriebene Frau wird in der Kunst und in der Spiritualität tals Gottesmutter Maria gedeutet, ist aber zunächst ein Bild für die Kirche. Schließlich wurde Maria als Urbild der Kirche gesehen. Eigenschaften, die ihr zugeschrieben werden, sind auch Eigenschaften der Kirche, der Gemeinschaft der Glaubenden. Die Nöte und Bedrängnisse waren zur Zeit der Abfassung der Geheimen Offenbarung groß auf Grund der Verfolgungen, sie sind aber auch heute nicht kleiner geworden. Die Kirche befindet sich in vielfacher Bedrängnis und die Gläubigen in ihr ebenso. Viele werden auch bis auf den Tod verfolgt. Aber auch die Rettung dieser Frau wird zum Urbild der Kirche. Von Maria feiern wir heute ihre Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele, also auch mit dem Leib, mit dem, was wir als unser Ich erleben. Wir erleben nicht nur den Geist als unser Ich, sondern auch den Leib. Die Kirche wird also gerettet, aber besonders die, die die Kirche ausmachen, also die Gläubigen in ihr. Sie, wir, dürfen diese Rettung und Vollendung erwarten und hegen diese Erwartung und Hoffnung für alle Menschen. In diesem Umkreis werden auch andere Symbole und Zeichen bedeutsam. Die Kräuter, die heute geweiht werden, sind Zeichen „blühenden“ Lebens, wie wir auch sagen. Die Legende erzählt, die Apostel hätten im Sarg Mariens, duftende Kräuter. In Bezug auf diese Legende ist das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele ein Fest unserer Hoffnung. Auch dort, wo unser Leben welk und schlaff wird und wo es schließlich leiblich stirbt, soll die Hoffnung auf „blühendes“ Leben wach bleiben. Diese Hoffnung selber soll aber auch blühen und lebendige Hoffnung sein, das ist schließlich der Sinn von Kirche, Trägerin dieser Hoffnung in allen Bedrängnissen des Lebens zu sein und damit das Leben auch lebenswert zu erhalten. Amen. |
|
Predigt am 19. Sonntag im Jahreskreis, 9. August 2026. Thema: Wo ist nun dein Gott? Ps. 42,4. Wo ist denn ihr Gott? Ps 115, 2 |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Die Schilderung des Seeszene ist spannend. Wie wird das ausgehen? Wir wissen es aus dem Evangelium, aber die Jünger, die mitten drin waren, wussten es nicht. Zur Angst auf Grund des Windes kam auch noch die gespenstische Erscheinung Jesu: Sie schrien vor Angst. Jesus beruhigt sie und schafft so großes Vertrauen, dass Petrus sich sogar auf das Wasser hinauswagt, dort aber wieder Angst bekommt. Diese Geschichte ist nicht nur spannend, sondern auch berührend. Sie hat viele Momente unseres Lebens, besonders unseres Glaubenslebens an sich. Die Stürme des Lebens machen vor niemandem Halt. Sie lassen uns sagen: Von Zweifeln ist mein Leben übermannt. Die Psalmen sprechen auch von diesen Zweifeln. Dort wird Gott gebeten, sich zu erkennen zu geben. Man sagt zu mir den ganzen Tag: Wo ist nun dein Gott, oder: Die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott? Als Jesus sich den verängstigten Jüngern nähert, erkennen sie ihn gar nicht. Vorübergehend fassen sie Vertrauen – sogar großes – aber es dauert nicht lange. Petrus beginnt auf Grund des starken Windes zu zweifeln und beginnt im Wasser zu sinken. Der Prophet Elija, der große Prophet Israels, ist auch in eine Situation geraten, die ihm sein Selbstvertrauen und sein Vertrauen zu Gott, dem er so unablässig dient, nimmt. Er wird von der heidnischen Königin Jezabel mit Hass verfolgt und möchte auf seinem Weg zum Gipfel des Gottesberges lieber sterben als weitergehen. In beiden Fällen tritt Gott in das Leben dieser Menschen ein. Elija vernimmt das Wort Gottes durch ein beredtes Schweigen. Er bekommt dort die großen Aufträge seines Lebens. Petrus und den anderen Aposteln begegnet Jesus mitten in der Bedrängnis, auch mitten in der Nacht - und sie meinen, er sei ein Gespenst. Beide Male wird Vertrauen gestiftet, aber im Fall des Petrus steht es auch wieder in Frage. Wir kennen das: Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt? Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen, dürfen wir singen und beten. Amen. |
| Predigt am 18. Sonntag im Jahreskreis, 2. August 2026 Pfarrer Hubert Puchberger. Thema: Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt. |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Lesung und Evangelium des heutigen Gottesdienstes sprechen von einem Grundbedürfnis des Menschen, nämlich zu essen. Wir müssen essen, um zu überleben, d.h.wir müssen von anderen Lebewesen deren Lebenskraft in uns aufnehmen, wir können nicht nur aus eigener Kraft leben. Was braucht der Mensch zum Leben? Wir brauchen Essen und Trinken, wir brauchen Luft zum Atmen, wir brauchen menschliche Nähe, und wir brauchen auch geistige Nahrung, die uns den Sinn unseres Lebens erschließt. Wir wollen wissen, wofür wir leben, also was unser Leben für einen Sinn hat. Unser Glaube spricht davon und regt uns an, das was uns oft in Alltäglichkeit nicht bewusst ist, zu bedenken. Einseitige Nahrung macht den Menschen krank, ebenso falsche. Die Lesung spricht vor allem von einer falschen geistigen Nahrung: Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt. Das ist vor allem auf die Gottesverehrung in Babylon hin gesprochen. Dort wurden die Gestirne als Götter verehrt, das hat zwar zu einer Kenntnis der Gestirne geführt, aber davon kann der Mensch weder geistig noch körperlich leben. Der Teil des Buches Jesája, aus dem wir die Lesung gehört haben, steht auch noch unter dem Eindruck der Verbannung des Volkes in Babylon. Die Verehrung der Gestirne als Götter hatte etwas Verführerisches an sich, demgegenüber mahnt das Buch Jesája: Prüft nach, ob euch das geistig nährt oder ob es nur intellektuelle Spielerei ist. In der Lesung aus dem Buch Jesája hören wir den Satz: Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt. In einer Erklärung dieses Satzes wird darauf hingewiesen, dass sich dieser Satz auf des Exil des Volkes Israel in Babylon bezieht, also die Jahre, in denen viele aus dem Volk Israel nicht im eigenen Land, sondern in der Verbannung in Babylon leben mussten und dort sich auch religiös in einer fremden Welt befanden, in denen Gestirne als Götter verehrt wurden. Dass wir Nahrung zum Leben brauchen und dass das auch von Jesus so gesehen wird, zeigt uns das Evangelium. Jesus kümmert sich um das leibliche Wohl der Menschen. Er heilt Kranke und bietet auch menschliche Nähe, er hat Mitleid mit den Menschen. Dass von einem Wunder der Brotvermehrung erzählt wird, weist uns darauf hin, dass die Schöpfung genug an Nahrung bietet, aber den Menschen nicht vorenthalten werden darf: Gebt ihr ihnen zu essen, haben wir gehört. Die rein leibliche Versorgung wäre aber zu wenig. Jesus spricht einen Lobpreis Gottes, die leibliche Nahrung steht also in einem größeren Zusammenhang, zu dem auch menschliche Beziehung und das Lob Gottes gehören. Leibliche und geistige Nahrung braucht jeder Mensch, hat aber nicht jeder Mensch, das wird uns heute in Erinnerung gerufen. Amen. |
| Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis, 26. Juli 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Bitte um Weisheit |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Ein König, ein Regierungschef, der zugibt, nicht aus und ein zu wissen, ist bemerkenswert und selten, das ist aber der Beginn der Weisheit. Der junge König bittet daher um ein hörendes Herz, das Gut und Böse zu unterscheiden vermag. Im Buch der Weisheit steht der Satz: Der Beginn der Weisheit ist die Furcht des Herrn, also die Anerkennung, dass der Mensch, der weisesein will, in erster Linie, die Ohren des Herzens öffnen muss, also ein hörendes Herz braucht. Zur Weisheit gehört also auch die Demut. „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz“, heißt es in einem Sprichwort, und im Buch der Weisheit: Frau Torheit ist unruhig, eine Verführerin, das ist alles, was sie versteht. Die Bitte um ein hörendes Herz steht aber nicht nur Politikern gut an, sondern jedem Menschen, der einen weisen Weg gehen möchte. Der heilige Ignatius spricht im Exerzitienbuch von der Unterscheidung der Geister, also von dem, worum der König Salomo bittet, das Gute vom Bösen unterscheiden zu können. Das weise Herz ist also ein hörendes Herz. Das ist der Sinn des Gebetes, ein hörendes Herz zu gewinnen und sich in Demut führen zu lassen. „Herr, zeige uns die Wege dein und lehr mich deine Pfade, ganz nahe lass dein Wort uns sein, voll Wahrheit und voll Gnade“, singen wir heute. Zur Weisheit gehört aber auch, den Weg des Herrn zu gehen, und das bedeutet, auf andere Wege zu verzichten. Der Mann, der die kostbare Perle fand, verkaufte alles, was er hatte, um diese kostbare Perle zu besitzen, und die Fischer verwerten nicht alles, was sie gefangen haben, sondern trennen sich von dem, was nicht gut ist. Diese Weisheit ist nicht selbstverständlich. Auch von Salomo wird berichtet, dass er im Alter nicht weise gehandelt hat. Sie trägt unser Leben, ist aber auch ein Segen für die Welt. Wir können sie für uns selbst suchen und für die Welt darum beten – nach dem Vorbild des Königs Salomo. Amen. |
| Predigt am 16. Sonntag im Jahreskreis, 19. Juli 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Gewaltlosigkeit – Stärke der christlichen Botschaft |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Was wäre aus dem Christentum geworden, wenn es in den ersten Jahrhunderten nicht römische Staatsreligion geworden wäre? Wäre es verschwunden oder hätte es an Glaubwürdigkeit gewonnen. In unserer Zeit sind die Erinnerungen an Gewalttaten der christlichen Botschaft schädlich. Argumente gegen die Botschaft der Liebe sind die gewaltsame Sachsenbekehrung durch Kaiser Karl den Großen, die Kreuzzüge, die Ketzerprozesse und Zwangsbekehrungen. Auch der Anspruch der Kirche als allein seligmachender Weg zu Gott spricht gegen die Glaubwürdigkeit einer Botschaft der Liebe und der Toleranz. Auch die gegenseitigen Bannflüche innerhalb der christlichen Konfessionen sind eine Infragestellung der kirchlichen Botschaften der Liebe und des Friedens. Eigentlich sind das alles Themen, die uns an einem radikalen kämpferischen Islam missfallen – und zwar zu Recht. Heute werden wir durch die Lesung aus dem Buch der Weisheit und durch das Evangelium von der Wirkmächtigkeit des Wortes Gottes zurückgeführt auf den Ursprung des christlichen Glaubens. Offensichtlich hat es schon am Beginn der Verbreitung dieser Botschaft Probleme gegeben. Die Erweiterung des Evangelium von der selbstwachsenden Saat durch die Warnung davor, Unkraut auszureißen, weil sonst auch der gute Same Schaden leidet dürfte ein Hinweis darauf sein. Jesus erzählt auch die Geschichte vom Sauerteig, der alles durchsäuert, als Bild für die Wirksamkeit des Wortes Gottes. Papst Benedikt erzählt in seiner Enzyklika über die Liebe vom Kaiser Julian Apostata, der nach einer Reihe christlicher Kaiser wieder das Heidentum im römischen Reich einführen wollte, weil er angewidert war von den Gewalttaten, die damals auch christliche Kaiser verübten. In seiner Familie waren auch Mitglieder Opfer solcher Gewalttaten, aber von einem war er beeindruckt, von der Liebestätigkeit der Christen. Gott braucht keine Gewalt, weil seine Kraft der Liebe dazu beiträgt, dass eine schöne bewundernswerte Welt entsteht, und diese Kraft der Liebe bewirkt dort Umwälzungen, wo Menschen sich davon anstecken lassen. Eine Geschichte erzählt von einer alten Frau aus dem Libanon, die am Grenzzaun israelische Soldaten um Hilfe gebeten hat, die ihr auch gewährt wurde. Dieser offene Zaun wurde zu einem Symbol. Ob er es noch ist, weiß ich nicht. Aber es gibt einen anderen offenen Zaun, das Altersheim der Oberösterreicherin Sr. Hildegard Enzenhofer in Beit Emmaus, wo auf israelischem Gebiet arme palästinensische Frauen eine Zuflucht und Betreuung finden und wo eine akademische Pflegeschule entstanden ist. Dort ist der Same des Wortes Gottes auf sehr guten Grund gefallen und wirkt der Sauerteig der Botschaft Jesu in der gespaltenen israelisch – palästinensischen Gesellschaft. Amen. |
| Predigt am 15. Sonnntag im Jahreskreis, 12. Juli 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Wo höre ich Gottes Wort? |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! „Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; 2 am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, …er trägt das All durch sein machtvolles Wort“, mit diesen Worten beginnt der Hebräerbrief. Gott spricht zu den Menschen. Wir sagen auch: Er offenbart sich. Er lässt sich erkennen und tritt mit uns Menschen in Kontakt. Das geschieht in vielfacher Weise: in der Natur, in der Kunst, in jedem Menschen, der seine Nähe sucht. Seine bevorzugtes Medium ist aber die menschliche Kommunikation durch die Sprache, durch sein Wort. Dieses Wort ist so menschlich, dass es Mensch wird: Das Wort ist Fleisch geworden. Jesus Christus ist das Wort Gottes an uns, und daher ist das, was Jesus spricht eine besondere Botschaft an uns Menschen. Daher halten wir auch die Bibel so hoch. In ihr ist das Wort Gottes an die Menschen festgehalten, inspiriert vom Heiligen Geist. Wir glauben, dass die Bibel Wort Gottes an uns st, das in besonderer Weise von ihm autorisiert ist. Wenn uns ein Mensch etwas Wichtiges mitteilt, fragen wir auch, ob er dazu autorisiert ist. Die wichtigste Botschaft, die Jesus uns verkündigt, ist das Reich Gottes und seine Nähe. Trotz aller in Frage Stellungen durch Kriege, Terror und Bosheit von Menschen, behält diese Ankündigung ihre Gültigkeit. Jesus drückt das mit dem Gleichnis vom Samenkorn aus, das in verschiedensten Situationen sich nicht entfalten kann, und dennoch ist die Ernte noch hundertfach. Er möchte damit Mut machen. Denn der Mut lässt die Dinge entstehen, die wir erwarten und erhoffen, die Verzagtheit würde sie verhindern. Wenn wir dieses Evangelium hören, soll auch uns Mut gemacht werden, wenn es gar nicht danach aussieht, dass das Reich Gottes nahe ist und das Wort Jesu hundertfache Frucht bringt. Gerade dort, wo das Reich Gottes am weitesten weg zu sein scheint, ist es auch ganz nahe, aber nicht so greifbar wie Waffengetöse. Wir erfahren sehr selten, wie viel Reich Gottes im Chaos und in der Zerstörung gelebt wird, wenn Menschen einander helfen, Trost zusprechen, mithelfen, wieder Fuß fasse zu können. Aber auch bei uns ist dieses Reich Gottes oft sehr verborgen, aber es gibt mehr Reich Gottes, als wir vermuten. Das Wort Jesu und das Wort Gottes ist nicht einfach Gerede, sondern es bewirkt das, was es aussagt. „Es kehrt nicht leer zu mir zurück, Und auch das Wort Gottes hören, bedeutet nicht, etwas zu hören und es zu übergehen, sondern bei aktivem Hinhören bewirkt es etwas. Wir kennen das von unserem menschlichen Hören, da kann es sein, dass mich etwas ergreift und verändert. Amen. |
| Predigt am 13. Sonntag im Jahreskreis, 28. Juni 2026 Pfarrer Hubert Puchberger,Thema: Religion als willkommener Gast in der Gesellschaft |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Im Evangelium des heutigen Sonntags werden viele Themen angeschnitten. Für uns am auffälligsten die Forderung einer Nachfolge, die auf vieles verzichtet, was uns als wertvoll erscheint. Das Familienleben scheint nicht besonders geachtet zu sein, wenn die Forderung aufgestellt wird, Jesus Christus mehr zu lieben als seine Familienangehörigen. Wir können diese Forderung aber auch so sehen: Auch eine Familie kann vereinnahmend sein. Die Forderung, Jesus Christus mehr zu lieben, ist dann die Ermunterung, auch über den Horizont einer Familie hinauszublicken und dadurch auch der Familie und ihren Mitgliedern mehr zu dienen. Weniger auffällig ist die Forderung, Jesus Christus und Propheten und Gerechte aufzunehmen, das heißt der Religion und dem Glauben Gastfreundschaft zu gewähren. Diese Gastfreundschaft verspricht gute Folgen. Der Glaube ist auf diese Gastfreundschaft angewiesen. Wo er mit Gewalt durchgesetzt wird, widerspricht er sich selbst. Eine Gesellschaft, die ihm die Gastfreundschaft verwehrt, schließt sich ab und wird von einer offenen zu einer geschlossenen Gesellschaft und damit zu einer Gesellschaft, die der österreichische Philosoph, der nach England auswandern musste, nämlich Sir Karl Popper, in seinem Werk die offene Gesellschaft und ihre Feinde beschreibt. Eine Gesellschaft, die dem Glauben Gastfreundschaft gewährt, ist eine menschenfreundliche offene Gesellschaft, in der Menschen einander gerne begegnen und gemeinsam arbeiten, feiern und leben und einander beistehen. Aus diesem Grund sind die Gottesdienste auch mit einer Agape verbunden. Diese Art, Gemeinschaft zu pflegen, hat die katholische Kirche wieder von der orthodoxen lernen müssen. Wenn ich das hier in der Kirche sage, hören es Menschen, die ohnehin dem Glauben Gastfreundschaft bieten, sonst wären sie nicht hier. Es soll daher als Ermutigung verstanden werden, auch in diesem Sinn dem Glauben Gastfreundschaft zu gewähren. Diese Haltung gibt ihm auch ein menschliches und menschenfreundliches Gesicht. Amen. |
| Predigt am 12. Sonntag im Jahreskreis, 21. Juni 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Jeremia, ein Prophet des Gottvertrauens |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Der Prophet Jeremia, aus dessen Buch wir heute die Lesung gehört haben, ist ein Prophet des Gottvertrauens. Die Propheten des Alten Testamens, des 1. Bundes Gottes mit seinem Volk, sind fromme Menschen mit einem hellen Blick auf die Zustände ihrer Zeit und der sich daraus ergebenden Zukunft. Sie werden damit auch die kritischen Stimmen in ihrer Zeit, und damit erregen sie Widerstand. Jeremia hatte diesen hellen Blick und er erregte den heftigen Widerstand des Königs und seiner auf eigenen Vorteil bedachten Berater. Vorweg muss gesagt werden: Hätten sie auf Jeremia gehört, wäre ihnen und dem ganzen Volk Israel viel Unheil erspart geblieben. Jeremia wurde misshandelt und verachtet. Es wäre kein Wunder gewesen, wenn er sich gerächt hätte. Aber Jeremia fühlte sich von Jugend an berufen, Gottes Wort zu hören und weiterzusagen: Niederzureißen und aufzubauen, war in der Berufungsvision seine Aufgabe. Daher wurde er zum Propheten des Gottvertrauens, obwohl seine Lebensgeschichte kein spektakulär gutes Ende nahm. Das Volk Israel wurde auf Grund der verfehlten Politik der Könige in die babylonische Verbannung geschickt, und wir wissen nicht, ob Jeremia in die Verbannung mitging. Wahrscheinlich zwang man ihn, nach Ägypten mitzuziehen, einer Auswanderung, vor der er selbst gewarnt hatte. Man nimmt an, dass er dort starb. Jeremia hat seine Rechtfertigung nicht mehr erlebt, aber er selbst blieb dem ihn anvertrauten Wort treu. Er war großen Anfeindungen ausgesetzt und legte seine Rechtfertigung in die Hände Gottes. Obwohl Jeremia, menschlich gesprochen, keinen Erfolg hatte, wurde er zum Vorbild für ein Vertrauen auf einen Gott der Zukunft. Das gilt für jedes persönliche Leben und auch für die Zukunft der menschlichen Gesellschaft. In diesem Vertrauen wurde das Leben des Propheten zu einem geglückten Leben, in dem es glückliche Momente gab. Die glatten Lösungen, die wir oft haben möchten, gibt es nicht. Jeremia wird damit zu einem Vorbild für uns: Wir haben das Glück und das Heil nicht in Händen, aber wir dürfen darauf vertrauen, dass es uns geschenkt wird. Jeremia wird auch zu einem Vorbild, wie wir das Leben Jesu sehen können, der selbst mit diesem Vertrauen lebte und seine Mitmenschen dazu ermunterte. „Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt,“ fragt Huub Oosterhuis in seinem Lied: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr, und er fügt hinzu: Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen. Diese Bitte entspricht der Haltung des Propheten Jeremia: Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen. Franz Werfel beendet seinen Roman mit der folgenden Szene: Jeremia geht durch die Trümmer der zerstörten Stadt Jerusalem, da blinkt ihm eine Scherbe in der Abendsonne entgegen, auf ihr steht: … damit sie leben. Amen. |
| Predigt am 11. Sonntag im Jahreskreis bei der Mundart- und Feldfrüchtemesse am 13. Juni 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Was sind die Aufgaben des Christen? |
|
Liebe Schwestern und Brüder! Jesus sendet seine Jünger aus und gibt ihnen Aufträge mit. Wir haben sie gehört: Kranke heilen. Tote aufwecken, Aussätzige rein machen, also heilen und gesellschaftsfähig machen, Dämonen austreiben, also kranke Gemüter heilen. Wie das konkret ausgesehen hat, können wir schwer ergründen, aber auf jeden Fall sollten sie in ihrer Gesellschaft versöhnend und heilend wirken, und zwar dort, wo sie sich befinden, also in ihrem Umfeld. Es wird besonders begabte Menschen geben, die spektakuläre Heilungen erzielen, aber das ist nicht die Hauptaufgabe, sondern im eigenen Umfeld eine menschliche Atmosphäre zu schaffen. Dazu sind Christen in der Taufe und Firmung berufen, und das ist unser Auftrag in der Welt. Dazu gehört auch das, was wir heute tun, nämlich um eine gute Ernte bitten. Wir brauchen die Technik und die modernen Hilfsmittel, um eine gute Ernte zu erzielen und sind auch dankbar dafür, dass es sie gibt. Aber einen Pilgerweg gehen, auf dem um das Lebensnotwendige gebetet wird, zeigt auch an, dass es uns zu wenig ist, nur die Technik einzuschalten. Wir machen die Natur, aus der unsere Lebensmittel kommen, zur Partnerin, indem wir ihr nahe sind und sie erleben, den Sonnenschein und den Regen spüren, riechen, was sie an Duft ausströmt, uns am Wachstum freuen und so auch spüren, dass uns das alles geschenkt ist und wir daher dafür auch dankbar sind. Auch dass Menschen zusammenhelfen müssen, um entsprechen ausreichende Mittel zum Leben, also Lebensmittel, zu haben, kommt zum Ausdruck durch das gemeinsame Gehen und auch dadurch, dass Menschen auf verschiedenen Wegen zusammenkommen. Der heilige Paulus spricht von Christus, der nicht nur im Namen Gottes predigt und ermahnt, sondern selbst sein Leben einsetzt, wo es gefährdet ist. Nicht nur weise Vorschriften, sondern der eigene Einsatz des Lebens, retten die Welt, ist die Botschaft des heiligen Paulus. Aber nicht der Tod rettet die Welt, sondern das unendliche Vertrauen des Menschen Jesus Christus. Dieses Vertrauen tragen Christen in die Welt hinein. Das Gebet um das Gedeihen der Feldfrüchte ist Ausdruck dieses Vertrauens und lässt alle Menschen teilhaben am Genuss der Früchte dieser Erde, nicht nur Getreide und Äpfel und Birnen, sondern an allem, was das Leben lebenswert macht. Niemand muss fürchten, zu kurz zu kommen. Amen. |
| Predigt bei der gemeinsamen Jubelhochzeitsfeier, 7. Juni 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Stufen. „Aus Liebe wird Barmherzigkeit – aus Barmherzigkeit wächst neue Liebe“ |
|
Liebe Hochzeitsjubilare! Von Hermann Hesse, dem Autor von Dichtungen und Romanen, der einmal viele Jugendliche sehr begeistert hat, stammt auch das Gedicht: Stufen. In ihm befinden sich die bekannten Verse: Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Diese Stufen feiern wir heute, sie sind zunächst je 25 Jahre hoch, 50, dann werden sie niedriger auf 10 Jahre und auf 5 Jahre und schließlich auf 2 ½ Jahre, aber immer sind es Stufen. Sie markieren auch jeweilige Veränderungen und Neuorientierungen. Über unserer Feier steht heute der Satz: Aus Liebe wird Barmherzigkeit, aus Barmherzigkeit wird neue Liebe. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, das ist bei jeder Hochzeit zu spüren. Diesem Zauber könnt ihr heute wieder nachspüren, der vor 65, 60, 50 und 25 Jahren eurer Hochzeit innewohnte. Der Satz aus Liebe wird Barmherzigkeit deutet aber auch an, dass dieser Zauber eine innere Verwandlung mitmacht und Belastungen aushält und Menschen zusammenhält. Wenn aus Liebe Barmherzigkeit wird, dann heißt das, dass 2 Menschen einander tragen, aber auch ertragen und dass daraus ein neuer Zauber wird, der in etwas intensiveren Farben leuchtet, und wie es dann heißt wieder zur Liebe wird, die jetzt auch in intensiveren Farben leuchtet, die vielleicht etwas dunkler sind, aber nicht weniger schön. Wir haben heute eine Lesung aus dem Propheten Hosea gehört. Er ist der Prophet der Liebe Gottes, auch wenn die Antwort der Menschen unvollkommen ist. „Mit menschlichen Fesseln zog ich sie an mich, mit Ketten der Liebe“, spricht der Prophet im Namen Gottes. „An Liebe habe ich Gefallen“, haben wir heute gehört, und Jesus zeigt mit seinem Verhalten, dass Gott das Unvollkommene mehr liebt, als herzlose Vollkommenheit, das ist die Botschaft des heutigen Evangeliums. Menschen, die miteinander gehen und miteinander und voneinander lernen, sind liebende Menschen. Wir freuen uns heute mit euch, dass ihr solche Wege miteinander gegangen seid, und wir wünschen euch, dass ihr solche Stufen noch immer steigen könnt, auch wenn die Stufen niedriger werden müssen. Das steckt in dieser Überschrift: Aus Liebe wird Barmherzigkeit, aus Barmherzigkeit wächst neue Liebe. Ihr habt auf den Stufen eures Lebens, die ja nicht nur nach Jahren, sondern auch an einschneidenden Ereignissen gemessen werden, viel Schönes erlebt: Kinder, Enkel, Urenkel, gemeinsame berufliche Erfolge, Stufen an gemeinsamer Geborgenheit, familiäre Ereignisse, und wahrscheinlich auch Schweres. Gott wandle sie in Segen, bitten wir im Anschluss an ein Kirchenlied: Meine engen Grenzen … wandle sie in Weite, und meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit, … wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich. Amen. |
| Kurze Ansprache zu Fronleichnam am 4. Juni 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. |
|
Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird. Jesus ist für uns da und geht mit uns, das feiern wir heute, und das zeigen wir auch. |
|
Predigt am Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, 31. Mai 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Gott ist Liebe |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Das Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist das Fest der Liebe Gottes. Obwohl es in Religionen, auch im Judentum, ein Bilderverbot gibt, wird die Heiligste Dreifaltigkeit immer wieder dargestellt. Hier in der Kirche haben wir mehrere Darstellungen Gottes, als des Dreieinigen. Die uns bekannteste stellt Gott als uralten, aber energiegeladenen Mann vor, der die Welt mit ausgebreiteten Armen regiert, daneben Jesus Christus als junger Mann mit dem Kreuz und darunter der Heilige Geist in Gestalt einer Taube, die sich in Richtung Erde zu den Menschen bewegt. Es gibt aber auch eine andere Darstellung, nämlich Gott Vater auf dem Thron, der seinen gekreuzigten Sohn präsentiert und aus dieser Präsentation wird der Heilige Geist auf die Menschen gesandt. Sie wird auch "Gnadenstuhl" genannt. Diese Darstellung entspricht viel mehr dem, was wir heute in der Lesung gehört haben: Der Herr ist der Herr, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue. Der Name Gottes wird nur in einer Wiederholung genannt: Der Herr ist der Herr. Er braucht also keine Beschreibung, weil er über aller Beschreibung steht und nicht mit einem Namen versehen werden soll außer dem, den er sich selbst gibt: Ich bin der Ich bin. In dieser Offenbarung Gottes spüren wir die große Ehrfurcht Gott gegenüber. Er beschreibt sich selbst als „barmherzig und langmütig und reich an Huld und Treue. Wenn also Gott über sich selber spricht, dann zeigt er sich als Gott der Liebe. Er ist im buchstäblichen Sinn die Liebe selbst, weil die drei göttlichen Personen einander so lieben, dass sie eine Einheit bilden und wir von Diese Liebe ist nicht selbstsüchtig. Gott genügt sich nicht selbst, sondern seine Liebe strahlt aus. Er wird Mensch aus Liebe und macht die Menschen zu seinen Partnern, indem er sie vergöttlicht, also sie mit seinem Heiligen Geist ausstattet. Wo Menschen Gott so verehren, wird diese Liebe auch erfahrbar, weil Menschen einander auch in Liebe begegnen, und wo das nicht der Fall ist, können sie sich nicht auf Gott berufen. Kriege können nicht im Namen Gottes geführt werden, Menschen können nicht im Namen Gottes gedemütigt werden und können einander nicht im Namen Gottes vernachlässigen, also zu Gott beten und daneben Mitmenschen leiden lassen. Wir handeln oft im Namen des dreieinigen Gottes, also „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", und in all dem muss etwas von der Liebe Gottes spürbar werden, sonst geschieht es nicht "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." Das Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist daher das Fest der Liebe Gottes und des Vertrauens des Menschen in ihn und daher ist es ein freudiges Fest. Amen. |
| Predigt am Pfingstsonntag 2026, 24. Mai Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält. Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt. |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Pfingsten das Fest des Heiligen Geistes ist im Rang der Feste Nummer 2. Nummer 1 ist Ostern, das Fest der Auferstehung und des Lebens. Es spricht von Jesus Christus, dem Erstgeborenen der Schöpfung und dem ersten Menschen, der leiblich zur Fülle des Seins gelangen durfte. Pfingsten ist das Fest der Menschen, die durch den Heiligen Geist zur Vollendung geführt werden, also zu dem, was Jesus Christus schon ist, ein vollendeter Mensch. Wir Menschen leben noch immer in einer Welt, in der noch vieles nicht vollendet ist und zusammengefunden hat. In den Hymnen, in denen um den Heiligen Geist gebetet wird, ist auch die Rede vom Zusammenführen der Gegensätze. In der so genannten Pfingstsequenz, also einem Gesang, der zwischen Lesung und Evangelium vorgesehen ist, wird von diesem Zusammenführen der Gegensätze gesprochen: Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt. … In der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, wird da gesungen und gebetet. Im Gotteslob ist der Text unter GL 344 zu finden. Dieser Hymnus Primas der englischen Kirche um 1216, Stephen Langton. Er hatte viele Auseinandersetzungen mit dem König und war beteiligt in der Magna Charta libertatum, also der Formulierung der Freiheitsrechte der Kirche und der Menschen gegenüber dem König. Sie ist heute noch Grundlage der englischen Verfassung. Sie ist eine Verwirklichung des Gedankens, dass gegensätzliche Kräfte zusammenfinden zu einer schöpferischen Einheit. Die Sendung des Heiligen Geistes am Pfingsttag ist eine Gegenerzählung zum Turmbau zu Babel, dort wurde durch menschliche Hybris die Sprache verwirrt, am Pfingstfest wird sie den Menschen mit offenem Herzen und offenem Geist zusammengeführt, nicht vereinheitlicht, aber die Menschen begannen, einander zu verstehen. In den Tagen vor Pfingsten bitten wir um das Wirken des Heiligen Geistes, zu Pfingsten danken wir auch dafür und für die Wirkung des Heiligen Geistes, wo Menschen einander verstehen lernen. Aber noch ein anderer Aspekt ist wichtig: Im Menschen selbst gibt es widersprüchliche Bestrebungen, die einander hemmen. Zu Pfingsten danken wir dafür, dass es auch Momente gibt, in denen Menschen zu sich selbst finden und sich darüber freuen. Wo Menschen gar nicht zu sich selbst finden, wird das zur Krankheit, zur Schizophrenie. Wir müssen also neben dem Gebet um Frieden auch für diese Menschen und solche Entfremdungen beten, sie mögen zu sich selber finden können. Die große Versöhntheit wird ein Werk des Heiligen Geistes sein. In jeder Eucharistiefeier beten wir: … lass uns eins werden durch den Heiligen Geist. Wir beten heute darum, danken aber auch dafür, dass der Geist Gottes in der Schöpfung, in Sehern und Propheten, in Jesus Christus und in der Kirche, die das Pilgerkleid Jesu Christi ist, wenn er durch die Zeit schreitet. Amen. |
| Predigt am 7. Sonntag der Osterzeit, 17. Mai 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Das hohepriesterliche Gebet Jesu |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt ist die Zeit des gemeinsamen Gebetes um den Heiligen Geist, den Jesus nach seinem Weggang von der Erde den Seinen versprochen hat. Der Geist Gottes ist der schöpferische Geist Gottes. Er schwebte über den Wassern, dem Chaos, am Beginn der Schöpfung und er ist die Kraft, die die Schöpfung und den Menschen hervorbringt zu einem freudvollen schöpferischen Dasein: Komm Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein, erfüll uns all mit deiner Gnad, die deine Macht erschaffen hat“, haben wir gesungen. Dieser schöpferische Geist möge in all unseren Gedanken, Worten und Werken wirken. Um diesen Geist haben die Jünger gemeinsam mit der Mutter Jesu gebetet, und um diesen Geist beten auch wir. Unsere Welt und unsere Gesellschaft haben ihn bitter nötig. Wir haben heute aber auch noch ein anderes Gebet gehört, nämlich das Gebet Jesu vor seinem Tod, bei seinem Abschied von den Jüngern. Dieses Gebet wird auch das „hohepriesterliche Gebet“ Jesu genannt. Er ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen, und er bittet vor allem für die Seinen, und zu diesen Seinen dürfen wir uns zählen. Er bittet darum, dass die Seinen die Herrlichkeit Gottes erkennen und wissen, dass sie mit Jesus Christus dazu berufen sind, die Schönheit und Kraft zu erleben. Ausdruck dieser Herrlichkeit Gottes ist aber die von seinem Geist erfüllte Welt. Papst Benedikt sagte: Allein die schönen Werke der Musik – wir dürfen dazu sagen: der Kunst, die durch den Glauben entstanden sind und entstehen, sind schöpferisches Wirken Gottes in seiner Welt, aber auch alle Bemühungen um Frieden und Eintracht und alle Bemühungen darum, dass Menschen gut miteinander leben können: Sorge für die Jugend, die Alten, die Kranken, für die Menschen, die den rechten Weg verloren haben. Jesus bittet für die Seinen im Gegensatz zur Welt. Das klingt widersprüchlich, aber die Gemeinde des Johannes, also des Verfassers des 4. Evangelium sieht sich im Gegensatz zu einer Welt, der Gott und Jesus Christus nichts bedeuten. Für die zerstörerischen Kräfte dieser Welt möchte Jesus nicht beten, sehr wohl aber darum, dass der schöpferische Geist Gottes sie verwandelt. „Sendest du aus deinen Geist, so wird alles neu geschaffen, und du wirst das Antlitz der Erde erneuern“, heißt es in einem Gebet um den Heiligen Geist. Wir haben es im Petrinum als Schulgebet gebetet. Um diese äußere und innere Erneuerung der Welt und von uns selbst beten wir in diesen Tagen vor Pfingsten, auch im Bewusstsein, dass schon das Gebet allein ein Teil dieser erneuerten Welt ist, weil Menschen einander nicht verurteilen und bekämpfen, sondern füreinander beten. Amen. |
| Ansprache am 3. Bitttag, Vorabend von Christi Himmelfahrt, 13. Mai 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: "ankommen" |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! Wir haben in der Kirche eine Kreuzwegstation mit der Aufschrift „angekommen“. Sie bezieht sich auf Franz Jägerstätter. Er ist „angekommen“, und zwar nach einem langen Leidensweg, auch seine Gattin Franziska Jägerstätter ist im 101. Lebensjahr angekommen. Wir feiern morgen Christi Himmelfahrt: Jesus ist angekommen, angekommen beim Vater, sein Leben ist vollendet. Aber er lässt die Seinen nicht allein. Er sendet seinen Heiligen Geist, die Kraft der Liebe, die alle verbindet. Wir beten auch für die Familien, jenen Ort, an dem Menschen ankommen und sich geborgen wissen dürfen. Er sagt auch: Ich lasse euch nicht als Waisen zurück und „ich bin bei euch alle Tage… Mit dieser Zuversicht dürfen wir Christi Himmelfahrt feiern. |
| Predigt am 6. Sonntag der Osterzeit, 10. Mai 2026 Pfarrer Hubert Puchberger Thema: Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt. |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, Bei uns heißt es oft etwas einfacher: Sei bereit, dich zu deinem Glauben zu bekennen, also auch zur Kirche, zur Gemeinschaft der Glaubenden. Abgesehen von vielen Kirchenaustritten, ist das oft eine Herausforderung, wenn es darum geht, sich als gläubiger Mensch zu bekennen. Es ist oft nicht ganz einsichtig, warum diese Scheu besteht. Gründe waren bei uns oft politischer Art, Angst vor Verfolgung und Nachteilen, Angst davor, als rückständig und unselbständig zu gelten, Angst als „Frömmler“ dazustehen, der mit verdrehten Augen zum Himmel blickt und auf seine Mitmenschen vergisst oder Angst vor ihnen hat. Genau besehen, müsste es aber als Auszeichnung gelten, für eine Hoffnung zu stehen, die uns beseelt, Natürlich muss die Hoffnung begründet sein, sonst wird sie wirklich zum frommen Geschwätz. Es scheint oft einfacher zu sein, in den Tag hineinzuleben und zu sagen. Ich lege mich nicht fest, die Dinge kommen ohnehin so, wie sie kommen. Es ist auch einfacher, aber es ist auch eine Eigenart der Menschen, über die eigenen Grenzen hinauszuschauen und zu fragen, Wer das macht, übt eine menschliche Fähigkeit aus, die doch einmalig ist und die Welt auch menschlicher macht. Hoffnung zu suchen und sich von Hoffnung anstecken zu lassen, ist also nicht eine primitive Geisteshaltung, sondern eine menschliche Fähigkeit, auf die wir stolz sein können. „Nichts Gewisses weiß man nicht“, ist zunächst einsichtiger, der vornehme Agnostiker ist eigentlich schlau, denn er legt sich nicht fest und kann sich schließlich doch anhängen. Wir sollen Rechenschaft von der Hoffnung geben, die uns erfüllt. Menschen, die keine Hoffnung haben, geben sich selbst auf, aber auch eine Gesellschaft, die keine Hoffnung mehr hat, gibt sich selbst auf. Der hl. Paulus zitiert in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth ein Lied, das zu seiner Zeit gesungen wurde: Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot. Es ist schon beim Propheten Jesája zu finden. Diese Haltung ist uns nicht fremd, aber sie zerstört eine Gesellschaft. Schon der Prophet Jesája schreibt dazu: Nicht durch einen Bogenschuss getötet, habe ich einen gefunden. Die damalige Gesellschaft hat sich selbst ausgeliefert. Der Muttertag ist ein Tag der Zukunft und der Hoffnung, denn Mütter haben Freude daran, das Leben weiterzugeben und sich darum zu sorgen. Aus Dankbarkeit dafür ist der Muttertag entstanden. Gebt Rechenschaft von eurer Hoffnung, ist eine Aufgabe im Dienst an der Menschheit. Amen. |
| Predigt am 4. Sonntag der Osterzeit, 26. April 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Ich bin die Tür. |
|
4. Sonntag der Osterzeit Eine Tür öffnet und schützt. Liebe Schwestern, liebe Brüder! Der 4. Sonntag der Osterzeit ist der Tag der Geistlichen Berufe, weil an ihm das Evangelium von Jesus, dem Guten Hirten gelesen wird. Nach dem Vorbild Jesu, des Guten Hirten, sollen also auch Seelsorger und Seelsorgerinnen sich um die Menschen kümmern. Früher war es der Tag, an dem um Priesterberufe gebetet wurde. Mittlerweile gibt es auch Seelsorgerinnen und Seelsorger, die nicht Priester sind und sich dennoch um Menschen und Ihre Beziehung zu Gott und Jesus Christus kümmern. Im Evangelium nennt sich Jesus selbst die Tür zu den Schafen. Die Schafe, also die Menschen, die sich von Jesus führen lassen, werden auch durch eine Tür geschützt. Jesus ist diese Tür, durch die niemand gehen soll, der den Menschen innerhalb schadet. Menschen, die zu Jesus gehören, sollen nicht durch falsche Versprechen und Ideologien verführt werden. Welche Folgen Ideologien haben, kennen wir aus der Geschichte und auch unsere Zeit ist nicht gesichert davor. Zeugnisse dafür haben wir genug. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger sind Türöffner. Das sind sie für die, für die die Tür zu schwer aufgeht und auch für die, die die rechte Tür noch finden müssen. Das bedeutet für die Seelsorgerinnen und Seelsorger, um die wir beten, dass sie selbst dir richtige Tür finden und sie verantwortungsvoll öffnen oder schließen. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass jeder Mensch für den anderen Verantwortung trägt, also Seelsorger für seine Mitmenschen ist, das gilt für die Eltern, die Lehrerinnen und Lehrer, für Menschen, die auf dem Arbeitsplatz zusammenkommen und auch für die, die die Freizeit gemeinsam gestalten. Wir beten also um Menschen, die sich verantwortungsvoll mit dem Leben und mit Jesus Christus, der Tür zum Leben, auseinandersetzen. Das ist für die einzelnen Menschen wichtig, aber auch für eine Gesellschaft und Gemeinschaft, deren Mitglieder einen guten gemeinsamen Weg gehen möchte. Gemeinsam beten wir darum, dass wir die richtige Tür finden, der in eine gute gemeinsame Zukunft führt. Amen. |
| Predigt am 3. Sonntag der Osterzeit, 19. April 2026 Pfarrer Hubert Puchberger, Thema: Ihr wisst, dass ihr aus eurer nichtigen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, … |
|
Liebe Schwestern, liebe Brüder! … losgekauft von einer nichtigen Lebensweise dürfen sich Christen sehen. Es gibt also eine nichtige ererbte Lebensweise, nicht nur zur Zeit der Abfassung des 1. Petrusbriefes, sondern auch heute. Die Welt braucht eine ständige Erneuerung und ebenso das Leben jedes einzelnen Menschen. Wo es bei uns „In jener Zeit“ heißt, steht im fortlaufenden Evangelium „danach“. Für einen geistlic |