Samstag 23. Juni 2018

Krankenhausseelsorge: Wichtiger Teil eines ganzheitlichen Gesundheitskonzepts

Die gute Kooperation zwischen oö. Krankenhäusern und katholischer bzw. evangelischer Krankenhausseelsorge wurde am 15. Februar 2018 bei einer Begegnung aller VerantwortungsträgerInnen im Linzer Bischofshof vertieft.

Bei der Veranstaltung wurden den Vorständen und GeschäftsführerInnen die neuen gemeinsamen Dokumente „Berufsbild“ und „Mindeststandards in der Krankenhausseelsorge“ überreicht.

 

 

In ökumenischer Verantwortung für kranke Menschen da

 

Krankheit bedeutet oft einen massiven Einschnitt im Leben von Betroffenen und ihren Angehörigen. Für kranke Menschen wird die eigene Endlichkeit plötzlich schmerzhaft erfahrbar. Angst, Ohnmacht und Verunsicherung können die Folge sein. Die eigene Existenz wird in Frage gestellt. In dieser Situation braucht es eine ganzheitliche professionelle Betreuung und Begleitung. Diese schließt neben der medizinisch-pflegerischen Betreuung auch die konkrete Zuwendung zum Menschen unter Beachtung seiner spirituellen Bedürfnisse mit ein.

 

Krankenhausseelsorge, die in Oberösterreich in guter ökumenischer Zusammenarbeit geschieht, leistet hierzu ihren spezifischen Beitrag. Während der Grundauftrag, Kranke zu besuchen und zu heilen, gleichgeblieben ist, hat sich das Berufsbild der KrankenhausseelsorgerInnen in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt. Durch entsprechende Qualifikationen, Standards und Qualitätsanforderungen sind die SeelsorgerInnen heute anerkannte Mitglieder multiprofessioneller Teams, die einem ganzheitlichen Heilungsauftrag verpflichtet sind. Besonders in den Bereichen Psychiatrie, Onkologie, Palliative Care und auf Intensivstationen ist die Präsenz und die Mitarbeit der Krankenhausseelsorge ein selbstverständlicher Bestandteil.

 

Krankenhausseelsorge: Zuhören, mit aushalten, begleiten, hilfreiche Rituale anbieten.
KrankenhausseelsorgerInnen sind heute selbstverständlicher Teil multiprofessioneller Teams.

© Krankenhausseelsorge Diözese Linz / © Frauenkommission

 

In Oberösterreich gibt es 21 Krankenhäuser, von denen 8 in kirchlicher Trägerschaft sind. In Oberösterreich arbeiten derzeit 68 hauptamtliche KrankenhausseelsorgerInnen, von denen 59 PastoralassistentInnen und 9 Priester sind. Sie alle haben eine den Standards der katholischen bzw. evangelischen Kirche entsprechende theologische Ausbildung und eine auf humanwissenschaftlichen Grundlagen basierende Seelsorge-Ausbildung absolviert und bilden sich kontinuierlich weiter. Die hauptamtlichen SeelsorgerInnen werden von 75 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen unterstützt, die für ihren Dienst ausgebildet und beauftragt wurden.

 

Die Organisation der katholischen Krankenhausseelsorge geschieht in der Zusammenarbeit der Abteilung Pastorale Berufe der Diözese Linz (Personalreferent: Mag. Alois Mayer) und dem Fachreferat Krankenhauspastoral im Pastoralamt (Fachreferentin Mag.a Christiane Roser). In der evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich ist Pfarrer Mag. Martin Brüggenwerth Diözesanbeauftragter und Ansprechpartner für Krankenhausseelsorge. Die ökumenische Zusammenarbeit ist unverzichtbar und wird in den Krankenhäusern sehr geschätzt.

 

Krankenhausseelsorge erfährt die Notwendigkeit, in das Gespräch mit anderen Religionen zu treten. Pflegende in den Krankenhäusern und Krankenhaushausleitungen erwarten von der Seelsorge eine hilfreiche Verständigung mit den Mitgliedern verschiedener Religionen.

 

 

Krankenhausseelsorge benötigt überprüfbare Qualitätsstandards

 

Am 15. Februar 2018 luden Bischof Dr. Manfred Scheuer, Superintendent Dr. Gerold Lehner und die Verantwortlichen für katholische und evangelische Krankenhausseelsorge in Oberösterreich zu Begegnung und Austausch in den Festsaal des Linzer Bischofshofes. Zu Gast waren die VerantwortungsträgerInnen der Krankenhäuser, Kliniken und Trägergruppen in Oberösterreich, die der Einladung zahlreich folgten. Gekommen waren auch Pastoralamtsdirektorin Mag.a Gabriele Eder-Cakl und die Direktorin von Pastorale Berufe Mag.a Brigitte Gruber-Aichberger, PMM sowie mehrere KrankenhausseelsorgerInnen. Im Rahmen der Veranstaltung wurden den Damen und Herren im Vorstand und in der Geschäftsführung Berufsbild und Mindeststandards der evangelischen und katholischen Krankenhausseelsorge präsentiert und überreicht. Beide Dokumente gelten seit 2016 österreichweit. Diese Übereinkunft ist ein Meilenstein im Bereich der Krankenhausseelsorge.

 

Bischof Manfred Scheuer mit Vorständen der oö. Krankenhäuser.
OBischof Manfred Scheuer mit Vorständen der oö. Krankenhäuser.
Gute Begegnung im Linzer Bischofshof: Bischof Manfred Scheuer, Superintendent Gerold Lehner und die Verantwortlichen der katholischen bzw. evangelischen Krankenhausseelsorge mit den Vorständen und GeschäftsführerInnen der oö. Krankenhäuser.
Broschüre „Berufsbild und Mindeststandards der evangelischen und katholischen Krankenhausseelsorge in Österreich“.
Der evangelische Superintendent Dr. Gerold Lehner (l.) und Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer mit der Broschüre „Berufsbild und Mindeststandards der evangelischen und katholischen Krankenhausseelsorge in Österreich“.

© Diözese Linz / Franz Litzlbauer

 

Die Abendveranstaltung stand unter dem Thema „Zeit.Qualität: Katholische und evangelische Krankenhausseelsorge als verlässliche Partnerin für qualitätvolle Arbeit im Krankenhaus“. In ihrer Begrüßung betonte die Fachreferentin für Krankenhauspastoral, Mag.a Christiane Roser, Krankenhausseelsorge müsse sich einer qualitativen Überprüfung stellen können, um nachvollziehbar und mit anderen therapeutischen Diensten kompatibel zu sein. Wesentlich sei etwa die Frage nach der Qualität der Beziehung – eine wichtige Bedingung dafür, dass Heilsames geschehen könne. Eine weitere Frage: Gelingt es, dass der kranke Mensch durch den seelsorglichen Kontakt sich selbst und seine Lebenssituation besser versteht? Eine dritte Leitfrage sei die Frage nach der spirituellen Perspektive, vor allem bei schwer kranken und sterbenden Menschen: Wenn keine Klärung oder Veränderung möglich sei, brauche es ein Da-Sein und Mittragen, das auch Gottes Mitgehen erfahrbar mache, so Roser.

 

Auch Mag. Alois Mayer, Personalreferent von Pastorale Berufe der Diözese Linz, betonte in seinen einführenden Worten die Vorreiterrolle der Diözese Linz im Bereich Qualitätsentwicklung. Bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren seien hier neue Wege beschritten worden, etwa durch die Formulierung und Weiterentwicklung eines Berufsbildes, durch die Förderung spezifischer Aus- und Weiterbildungen und die fachliche Begleitung. Einen besonderen Beitrag zur Qualitätsentwicklung hätten die Kooperationen mit den Krankenhausträgern geleistet, so Mayer, der den anwesenden Vorständen und GeschäftsführerInnen dafür ausdrücklich dankte. Mayer wörtlich: „Die Einbindung der SeelsorgerInnen in multiprofessionellen Teams und Projekte der Häuser haben die Entwicklung zu einer umfassenden und professionellen Sicht der Seelsorge besonders gefördert.“

 

Mag. Martin Brüggenwerth, Diözesanbeauftragter für Krankenhausseelsorge der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich, unterstrich nochmals die Bedeutung überprüfbarer Standards für die Qualität in der Seelsorge. Durch ein von römisch-katholischer und evangelischer Kirche A. und H. B. gemeinsam erarbeitetes Berufsbild und die Verständigung auf gemeinsame Mindeststandards seien diese Standards auch geeignet, eine wichtige Orientierungshilfe hinsichtlich der zukünftigen Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften zu bieten.

 

Die entsprechenden Dokumente wurden im Rahmen der Veranstaltung von den kirchlichen Verantwortlichen an die Krankenhaus-Vorstände überreicht.

 

Die Verantwortlichen für die Krankenhausseelsorge in Oberösterreich Mag.a Christiane Roser, Mag.a Martin Brüggenwerth und Mag. Alois Mayer mit Superintendent Dr. Gerold Lehner und Bischof Dr. Manfred Scheuer.

V. l.: Die Verantwortlichen für die Krankenhausseelsorge in Oberösterreich Mag.a Christiane Roser, Mag. Martin Brüggenwerth und Mag. Alois Mayer mit Superintendent Dr. Gerold Lehner und Bischof Dr. Manfred Scheuer. © Diözese Linz / Franz Litzlbauer

 

Krankheit als Grenz-Erfahrung braucht auch die Sorge um die Seele

 

Auch Bischof Dr. Manfred Scheuer und Superintendent Dr. Gerold Lehner würdigten die gute Kooperation zwischen Gesundheitsverantwortlichen und Krankenhausseelsorge und dankten den anwesenden VerantwortungsträgerInnen der oö. Krankenhäuser für das Miteinander.

 

Dr. Manfred Scheuer, Bischof der Diözese Linz, stellte Betrachtungen zum Thema Zeit an den Beginn seiner Ansprache. Das Gesetz der Ökonomie heiße Zeiteinsparung bzw. Beschleunigung. Zeit sei jedoch nicht primär metrisch oder physikalisch zu denken, sondern als „dramatisches, dynamisches und offenes Beziehungsgeschehen“, so Scheuer. So werde das Ansinnen, wirtschaftlich Zeit zu gewinnen, mit einem Verlust an Erfahrung erkauft. Ständige Beschleunigung lasse Beziehungen oberflächlich und banal werden. Scheuer wörtlich: „Sinnvolles Leben in Beziehung, in Freundschaft, Ehe und Familie, aber auch sinnvolle Arbeit in der Pflege braucht die Großzügigkeit der Zeit, die nicht vom ökonomischen Rasiermesser her beschnitten und gemessen wird. So tut uns in vielen Bereichen eine Entschleunigung gut.“

 

Scheuer wies darauf hin, dass sich das Gesundheitsverständnis durch die Erfolge der modernen Medizin verändert habe: „Gesundheit wird zu einem verfügbaren Gut, zur verwalteten Lebensressource, auf die ein Anspruch besteht, der von eigens dafür bereitgestellten Spezialisten möglichst ohne eigenes Zutun erfüllt werden soll. Unterbricht eine Krankheit den gewohnten Lebensrhythmus, wird sie zum reparaturbedürftigen Defekt erklärt, dessen Behebung die meisten Menschen in erster Linie vom Arzt und seinen professionellen Helfern und erst in zweiter Linie von sich selbst erwarten.“ PatientInnen wünschten sich einen Therapievorschlag, der ihnen nach kurzer Zeit die Rückkehr in den Kreislauf ermögliche, zu dessen Unterbrechung sie die unverhoffte Krankheit zwinge. In einem erweiterten Gesundheitsverständnis meine Gesundheit jedoch „nicht die Abwesenheit von körperlichen oder seelischen Störungen, sondern die Fähigkeit, die eigenen Lebensaufgaben auch unter Belastungen und Einschränkungen erfüllen zu können“, so Scheuer. Im äußersten Grenzfall, wenn die völlige Wiederherstellung der Gesundheit nicht mehr erhofft werden könne und man sich stattdessen auf das Ertragen empfindlicher Einschränkungen einstellen müsse, könne sogar die Stabilisierung eines chronisch gewordenen Krankheitszustandes von den Betroffenen noch als Mindestmaß an Gesundheit erlebt werden, unterstrich der Diözesanbischof.

 

Scheuer warnte davor, Krankheit auf eine „Fehlleistung der Maschine Mensch“ zu reduzieren und Heilung als die Reparatur eines Defektes zu verstehen oder Pflege rein ökonomisch zu sehen. Scheuer wörtlich: „Für Gesundheit und Gesundung braucht es ein schöpferisches und konstruktives Miteinander von Medizin, Wissenschaft, Technik, Ökonomie, aber auch von Pflege, von Selbstverantwortung der PatientInnen, von der Sorge um die Seele und den Humor. Nicht minder entscheidend ist der wertschätzende Umgang, der Respekt aller Beteiligten untereinander wie auch das professionelle und persönliche Miteinander."

 

Ansprache von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Bischof Dr. Manfred Scheuer

Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer. © Diözese Linz / Franz Litzlbauer

 

Dr. Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich, bezeichnete in seinem Impulsvortrag die Krankenhausseelsorge als „ein gutes und heilsames Element im gemeinsamen Bemühen von Ärztinnen und Ärzten, Krankenschwestern, Pflegerinnen und Pflegern, Verwaltung und Technik, um das Krankenhaus zu einem Ort zu machen, an dem in der Situation der Krankheit Hilfe, Zuwendung und Ermutigung erfahren wird – sodass im Letzten das Krankenhaus mehr ist als das Haus für die Kranken, nämlich ein Ort menschlicher Solidarität in umfassendem Sinn“. Krankheit unterbreche die fraglose Existenz des Menschen und mache sie fragwürdig, so Lehner. Der Superintendent wörtlich: „Selbst bei denen, die auf möglichst schnelle ‚Reparatur‘ drängen, um wieder in die gewohnten Bahnen zurückkehren zu können, gibt es die ‚Nachtgedanken‘ und die damit verbundenen Fragen. Eine Krankheitserfahrung kann alles Mögliche auslösen.“

 

Krankenhausseelsorge biete die Möglichkeit, die Gefühle und die damit verbundenen Fragen zur Sprache kommen zu lassen. Lehner: „Sie kann zulassen, dass über Grenzen gesprochen wird. Sie ermöglicht dem Menschen dadurch einen Raum des Seins, in dem nicht in erster Linie nach Funktionieren und Leistung gefragt wird, sondern danach, wer ich bin – als begrenzter Mensch, auch als Mensch vor der letzten Grenze.“ Krankenhausseelsorge stelle diese Grenz-Erfahrung hinein in einen größeren Raum: in die unbegrenzte Zuwendung Gottes. Das Bild des Menschen von sich werde geweitet, weil „die Reduktion des Menschen auf den gesunden und klaglos funktionierenden Menschen aufgehoben wird“, so Lehner. Diese Integration des Leids könne Stabilisierung und Stärkung bewirken und trage dazu bei, dass todkranke Menschen sich mit dem Ende versöhnen könnten. Krankenhausseelsorge ermögliche dies durch „das Da-Sein eines Menschen, durch das Angebot von Beziehung und Zeit, durch die Möglichkeit des Gesprächs und durch hilfreiche Rituale“.

 

Impulsreferat von Superintendent Gerold Lehner zum Nachlesen

 

Der evangelische Superintendent Dr. Gerold Lehner

Der evangelische Superintendent Dr. Gerold Lehner. © Diözese Linz / Franz Litzlbauer

 

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