Fastenkrippen
Fastenkrippen – die Leidensgeschichte im Kleinformat
Fastenkrippen (auch Passions- oder Osterkrippen genannt) sind im Gegensatz zu den Weihnachtskrippen heute meist in Vergessenheit geraten. Dargestellt werden verschiedene Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu, etwa der Einzug in Jerusalem, das Letzte Abendmahl, die Kreuzigung und schließlich die Auferstehung. In Österreich wurden Fastenkrippen im 17. Jahrhundert zur Zeit der Gegenreformation populär. Insbesondere Jesuiten und Franziskaner förderten das Brauchtum, um die Vermittlung von religiösen Inhalten anschaulich für das einfache Kirchenvolk zu gestalten. Wie auch die Weihnachtskrippe war die Fastenkrippe aber nicht nur in der Kirche beheimatet, sondern häufig auch im privaten, bäuerlichen Umfeld.
Ebenso wie die Heiligen Gräber wurden auch Fastenkrippen durch Kaiser Joseph II. (1765 - 1790) verboten, erst in den letzten Jahren erwachte vermehrt wieder das Bewusstsein für dieses Brauchtum. Im Fachbereich Kunst der Diözese Linz weiß man von einigen Exemplaren, die in Pfarrdepots auf ihre Wiederverwendung warten. Andere Pfarren und Pfarrgemeinden pflegen diese Tradition inzwischen wieder ganz bewusst.
Die einzige mechanische Fastenkrippe
Eine außergewöhnliche, weil bewegliche Fastenkrippe ist in der Philippsbergkirche in Schlatt bei Schwanenstadt zu finden. Es ist die einzige mechanische Fastenkrippe im mitteleuropäischen Raum. Auf einer Drehbühne ziehen in zwei Ebenen bemalte Figuren aus Holz oder Blech an den Betrachter:innen vorbei, angetrieben von einem Uhrwerk aus dem Jahr 1712. Sie zeigen die Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes. Die Fastenkrippe kann am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr besichtigt werden.
Die jüngsten Fastenkrippen
Erst 2019 wurde eine Fastenkrippe für die Pfarrkirche Eberstalzell angefertigt (zu besichtigen von Aschermittwoch bis Pfingsten), zwei Jahre später entstand jene der Pfarrgemeinde Oftering (75 Figuren in 15 Stationen, in der Kirche aufgestellt). Zu besichtigen sind weitere in der Pfarrkirche Buchkirchen bei Wels, sowie in der Kirche der Pfarrgemeinde Traun/St. Martin (nach den Gottesdiensten im Vorraum der Sakristei). Junge Anfertigungen gibt es auch in Regau und in Form einer Kastenkrippe in Oberneukirchen. Im Pfarrhof Linz-Ebelsberg sind Weihnachts- und Fastenkrippe in einer Kastenkrippe zusammengefasst.
1500 Stunden Arbeit: Die Osterkrippe von Timelkam
Seit dem Palmsonntag 2026 ist die Pfarrkirche von Timelkam um ein Highlight reicher: Am 29. März wurde die neue, 4,5 Meter breite und 1,5 Meter tiefe Osterkrippe eingeweiht. Ein etwa 50-köpfiges Team um die beiden geprüften Krippenbaumeister Hans-Peter und Petra Kastinger hat sie in 1500 ehrenamtlichen Stunden angefertigt.
Die Initialzündung für das Projekt hatte Kastinger bereits im Jahr 2018, er wollte für seine Pfarrgemeinde eine Osterkrippe bauen. Schon früh war klar, dass der Bau ein echtes Gemeinschaftsprojekt werden sollte: von Timelkamern für Timelkam. Nach der Planung und der Erstellung der Bauskizzen begann 2019 die Umsetzung, die jedoch 2020 durch die Corona-Pandemie jäh ausgebremst wurde.
Erst im Herbst 2025 wurde wieder Hand angelegt. Sämtliche Arbeiten erfolgten zu 100 Prozent ehrenamtlich. Lediglich die Ausstattung mit Figuren wurden über Spenden finanziert. Etwa 100 Figuren konnten damit von der Firma Heide aus Südtirol angeschafft werden. Im März 2026 wurde das Projekt schlussendlich mit dem Unterbau, der Beleuchtung und dem Hintergrund finalisiert.
Quellenangabe:
Judith Wimmer/Fachbereich Kunst
Renate Enöckl