Schönes und Bewegendes
Heute ist Mitte September und ich habe Sie schon lange warten lassen um wieder Nachrichten aus
unserem Missionsleben zu berichten. Der Frühling umgibt unser Land und wir sind dankbar für den
regenreichen Winter. Nicht überall in unserem Land sind die Menschen so froh, denn es gibt
Regionen, die noch stets auf Regen warten.
In unserem Haus - das ein „Place of Safty“ ist - haben wir Zuwachs bekommen. lm Jänner hat eine
Schwester nachdem sie „Hausbesuch“ machte, ein zweijähriges Mädchen mitgebracht. Die 20-jährige
Mutter hatte das Kleinkind sehr vernachlässigt aufgrund von Drogen. Da niemand in der
Familie zu finden war, der/die sich um die Kleine besser sorgen könnte, haben wir beschlossen, Lisa
bei uns aufzunehmen. Sie hat sich sehr schnell eingewöhnt. Tagsüber geht sie in den Kindergarten,
wo sich Lisa in einer Gruppe von 2-3jährigen wohlfühlt. Am späten Nachmittag kommt sie zurück
und bleibt mit den andern Mädchen im Haus.
Seit Juli haben wir eine 17-jährige Mama bei uns aufgenommen. Sie ist elternlos und ihre
Großmutter hatte das kleine Haus schon voll mit Kindern und Enkelkindern. So haben wir das
Mädchen mit ihrem neugeborenen Baby vom Krankenhaus in Paarl zu uns gebracht ... und wir
verfolgen das Wachstum des Kindes Meneé wie auch das Wohlbefinden der jungen Mutter.
Nun möchte ich Ihnen etwas aus unserer Schule erzählen. Es ist eine Kath. Volkschule mit staatlicher
Anerkennung. Deshalb werden die Lehrer/innen vom Staat bezahlt. Wir als Eigentümer der Schule
haben die Freiheit, um das Ethos auszuleben und zu fördern. Deshalb gibt es in unserer Schule
Religionsunterricht und kirchliche Festtage werden gefeiert. lm Übrigen gleicht die Schule jeder
anderen im Land. Zurzeit ist Sr. Lucie die Direktorin, es sind 30 Lehrer/innen angestellt und mehr als
850 Kinder von 6-15 Jahren kommen täglich zur Schule.
Von zwei besonderen Kindern will ich lhnen berichten:
Zuerst Caroline: Sie ist 8 Jahre alt und ist das 3. Jahr an der Schule. Sie kommt von einer Farm, wo ihre Eltern in der Landwirtschaft arbeiten. Caroline konnte bisher nicht sprechen. Obwohl sie ein
aufgewecktes, freundliches Mädchen ist, und in allen Fächern der Klasse mitmachte, wussten alle,
dass sie einfach nicht sprechen kann. Nun hat die Lehrerin mit der Direktorin es so weit gebracht,
dass Caroline dieses Jahr eine Spezialoperation im Staatshospital in Kapstadt erhalten konnte. Sie
wurde einige Male dorthin gebracht ... auch die Eltern, die so scheu und zurückhaltend sind, mussten
von den Ärzten befragt werden. Die Organisation "Operation Smile" hat dann dafür gesorgt, dass
Caroline diese teure Operation an der Kehle erhalten konnte. Nun ist sie zurück in unserer Schule und beginnt langsam - aber mit Fortschritten - zu sprechen. Welche Freude für die Lehrerin und alle Mitschüler; ganz besonders aber für die Familie und für Caroline selbst.
Nun von Misokohle: Ein Xhosa-Mädchen, 11 Jahre alt und in der 5. Klasse. Weil sie von ihrer
ursprünglichen Heimat in Ostkap ( das mehr als 900km von Koelenhof ist) mit ihren Eltern nach
Stellenbosch gekommen ist, durfte sie in den Sommerferien zu ihrer Großmutter zurückfahren.
Dieses Jahr hat es aber etwas Besonderes gegeben. Die Großmutter wollte das Mädchen in der
traditionellen Weise erziehen- und ohne der Zustimmung der Eltern hat die Oma sie unter den
Einfluss der Sangomas (Medizinmänner) gebracht. Man gab ihr verschiedenes zu trinken worauf das
Mädchen krank wurde. Zuerst wusste niemand was geschehen war. Die Ferien waren zu Ende und
Misokohle kam zurück in unsere Schule in Koelenhof. Ihr Zustand war erbärmlich: Sie wurde in der
Klinik behandelt und als es nicht besser wurde, kam sie auch zur Observation ins Krankenhaus. Die
Tests ergaben, dass sie medizinisch normal sei - also nicht der Körper, sondern der Geist war krank. In
der Schule ist ein "Care-Team" das sich mit Gebet und Beratung der Kinder annimmt, die Hilfe
benötigen. Zusammen mit Misokohle haben sie gebetet - und auch andere ums Gebet gebeten.
Misokohle hörte dann innere Stimmen, die ihr befahlen den Rosenkranz zu brechen, den Sr. Lucie ihr
gab und auch andere christliche Gegenstände zu vernichten. Aber sie hatte großes Vertrauen in die
Gruppe und wollte gern bei Sr. Lucie bleiben. Auch die Eltern des Mädchens kamen zur Schule und
arbeiteten zusammen, um dem Kind innere Heilung zu ermöglichen. Es sind nun einige Monate
vergangen, aber wir begleiten Misokohle weiter auf ihrem Weg zur vollständigen Genesung.
Solche "Geisterbeschwörungen" kommen in unserem Land nicht selten vor, bes. bei den Afrika-
Stämmen. Diese stehen im Gegensatz zur christlichen Tradition und Lebensweise. Wie schwer
haben es viele junge Menschen, um aus solchen Kreisen loszubrechen.
Mit diesen paar Zeilen beende ich meinen "Besuch " bei Ihnen und wünsche Ihnen alles Gute für
Ihre weitere Mithilfe in unserer Missionsarbeit.
Mit Dank, im Gebet verbunden
Sr. Franziska-Antonia
(ar) 23.09.2016