Wir müssen uns um mehr Schatten kümmern
Heuer ist mir auch zu Weihnachten mehr nach Schatten als nach Licht.
Wie Ihr wisst, bin ich fromm (wenngleich, zu wenig). So fällt mir auf, dass Weihnachten mit einem heiligen Schatten beginnt, der Maria trifft (Lk 1,35).
Vor einigen Jahren traf ich auf einen gewissen Zé Domingo in der Hochebene des Gerais. Eine Truppe war als Wurzelklauber ausgesetzt worden. Für einen sehr geringen Lohn sammeln sie das Kleinholz ein, welches nach Rodung und Ackerung auf den Feldern geblieben ist. Zé Domingo besorgte im erbärmlichen Unterstand die karge Kost; das Wasser war trüb, die Vorräte fast erschöpft.
Ich war entsetzt; in meiner Verlegenheit fragte ich Zé, was das schlimmste sei an dieser Misere. Seine Antwort wird mir immer nachgehen: „Das Schlimmste ist, sich den ganzen Tag um die Hölzl zu bücken und keinen tellergroßen Schatten zu finden, um ein bisschen zu rasten.“
Ich erzähl Euch das, weil wir alle uns um mehr Schatten kümmern müssen. Die äußeren Wüsten wachsen vor allem dort, wo die inneren Wüsten (Indifferenz, Faulheit, Gier) größer werden.
Papst Franziskus hat wichtige Worte an die Welt gerichtet, für das gemeinsame Haus, die Vielfalt der Arten und schützenden Schatten zu sorgen. Er legt uns das Beispiel seines Namensvetters von Assisi nahe.
Deshalb haben wir bei der heurigen Preisverleihung „Pequi de Ouro“ (als Anerkennung für Leute, die sich für den Naturschutz im Cerrado einsetzen), den Heiligen Franz auf ein Floß über dem (immer seichteren) Rio Grande geladen.
Hier schickte er sein stilles Beispiel aus. Zeitweis blickten mehr Leute auf den dunklen Fluss als auf die hellerleuchtete Bühne an seinem Ufer.
Frohe Weihnachten wünsch ich uns! Viel Licht und viel Schatten!
Und eine glückliche Zukunft, 2016 und immer!
Dankbar für unsere Freundschaft,
Euer
Mayr
(ar) 23.12.2015