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Eine lebendige Pfarre ist das größte Geschenk

P. Winfried Egler CMM aus Südafrika

Als ich im Jaenner nach Port St. John’s versetzt wurde, habe ich noch nicht gewusst, dass es Ende des Jahres schon das Ende sein wird fuer mich hier. 

Port St. John’s

frwegler@gmail.com

 

20. Dezember 2019

 

Die Landschaft ist ja wunderbar, viel Busch und Gruenes.  Auch das Wetter ist angenehm.  Im Winter viel waermer als in Mthatha, 100 km weiter im Landesinneren.  Aber es gibt Dinge, die man nicht vorausplanen oder sehen kann.  Wie zum Beispiel das Altern und was es mit sich bringt.  Gesundheitlich geht es mir relativ gut.  Aber die Augen lassen nach.  Und bevor das „Licht“ ausgeht, moechte ich noch die zwei Aufgaben abschliessen, die mir der Bischof uebergeben hat.  Das ist zum Ersten das Computer Programm fuer jede der 23 Pfarren.  Darin sollen  festgehalten werden  alle Taufen, Firmungen,Eheschliessungen, Sterbedaten und sonstige Informationen.  Wenn alles „up to date“ ist, klickt man einige Tasten und schon sieht man, wie viele Katholiken sind in der ganzen Pfarre oder wie viele in einer bestimmten Aussenstation usw.  Heut zu Tage muss ja alles sofort abrufbar  sein. 

 

Die zweite Aufgabe ist die Chronik der Dioezese und jeder einzelnen Pfarre.  Da muss viel in Pfarrregistern, Dokumenten und Papieren nachgeschaut werden.  Das heisst fuer mich, dass ich frei bin, um zu den Pfarren fahren zu koennen, um Informationen zu sammeln.  Ich habe Unterschlupf gefunden in Mthatha.  Das liegt mehr zentral.  

 

Ich werde also keine Pfarre mehr haben.  Fuer mich ist natuerlich der Weggang von Port St. John’s und keine Pfarre mehr haben, ein wichtiger Einschnitt und Änderug in meinem missionarischen Leben.  Ich bin dankbar fuer die 52 Jahre, die ich in verschiedenen Pfarren verbringen konnte.  Es waren vor allem 3 Pfarren, die mich in meinem missionarischen Leben begleitet haben. Nicht ich habe sie begleitet, sondern sie haben mich begleitet und mir immer wieder Kraft gegeben. Die erste Pfarre war Qumbu, meine erste Liebe.  Eine aufstrebende und lebendige Pfarre mit buchstaeblich hunderten von Katechumenen.   Ich hatte das Glueck, dass mich ein Schweizer Mitbruder sehr gut in die Sprache, Sitten und Braeuche und die Missionsarbeit eingefuehrt hat.  Alles war neu und fremd fuer mich.  Ich habe gelernt, eine Pfarre aufzubauen.  Nicht nur Kirchen auf Aussenstationen zu bauen, sondern auch fuehrende Menschen auszubilden, die Aufgaben in der Pfarre uebernommen haben wie Religionsunterricht fuer Kinder, Vorbereitung der Muetter fuer die Taufe der Babies, Leitung von Begraebnissen und Sonntagsgottesdienste ohne Priester, Vorbereitung von Erwachsenen fuer die Taufe.  Man kann priesterliche Arbeit nicht vergleichen mit Seelsorge drueben in Europa. 

Die zweite Pfarre was St. Patrick’s.  Wahrscheinlich die liebste Pfarre, die mir am meisten Freude und ein Erfolgserlebnis gegeben hat.  Dort war ich zwei Mal, insgesamt 22 Jahre. 

Die dritte Pfarre war Libode.  Auch dort war ich zwei Mal.  Dort war fuer mich auch der Abschluss meiner missionarischen Arbeit.  Den Menschen in all diesen Pfarren bin ich dankbar fuer die Unterstuetzung und Mitarbeit, die ich dort erfahren habe.  Eine lebendige Pfarre ist das groesste Geschenk, das man sich als Priester wuenschen kann.  Dann kann man auch Einsamkeit wie hier in der Mission,  wo man eigentlich immer ein Fremder bleibt, Misserfolg und Probleme leichter ertragen.

 

Nun aber zur Politik, die auch zum taeglichen Leben  gehoert, aber oft nicht viel Freude bereitet.  Im Gegenteil, man kann oft den Mut verlieren und die Hoffnung aufgeben.  So erging es am 23. Oktober Mussi Maimane, dem jungen Parteivorsitzenden der Opposition. Er hat abgedankt und ist auch aus der Partei ausgetreten. Grund:  schlechte Resultate bei der letzten Nationalratswahl im Mai.    Der DA (Demokratische Allianz)  hat gegen alle Erwartungen viele Stimmen verloren.  Warum?  Streitereien um die Richtung der Partei fuer die Zukunft.  Aber im Hintergrund steht doch das Rassenproblem Schwarz gegen Weiss.  Hellen Zille, die fruehere Vorsitzende, eine Weisse,  wollte wieder an die Macht kommen. 

 

Innerparteiliche Streitereien gibt es auch im ANC (Regierungspartei oder Mandela Partei) .  Aber hier geht es um zwei Schwarze:  Zuma, den abgewaehlten Presidenten und Ramaposa, den gegenwaertigen Presidenten.  Hier geht es um Korruption oder nicht-Korruption. Als gewoehnlicher Buerger kann man nur froh sein, dass man nicht alles weiss, was verheimlicht und vertuscht wird.  Aber das, was an die Oeffentlichkeit kommt,  ist genug, um die Hoffnung aufzugeben.  Man hoert immer oefters den Spruch:  „Enough is enough“, „Genug ist genug“.  Aber anscheinend geht es doch immer weiter.

 

Ein Lichtblick oder Lichtschimmer fuer Suedafrika war am 2. November  der Weltmeistertitel in Rugby.  Ein in Oesterreich  und Deutschland  unbekannter Sport.  Aber hier in SA die Domaene der Weissen.  Ein Kraftsport.  Das Ziel ist, mit einem eierfoermigen Ball unter dem Arm ueber die Torlinie zu laufen.  Es ist erlaubt, die Gegenspieler brutal aus dem Weg zu raeumen.  Ein Symbol fuer das Problem in SA.

Es wurde  gefeiert im ganzen Land.  Man erinnert sich an das Wort von Mandela:  „Sport kann die Nation vereinen“.  Aber das ist nicht passiert.  als SA zum ersten mal nach der politischen Einigung in 1994 Weltmeister wurde.  Und das wird auch diesmal nicht der Fall sein.  Der gemeinsame Sieg von Schwarz und Weiss wird bald vergessen sein und die vielen ungeloesten Probleme werden weiterhin die Rassen spalten. Das interessante ist, dass der Kapitaen ein Schwarzer ist, wo doch lange dagegen gekaempft wurde, dass Schwarze an diesem „weissen“ Sport teilnehmen koennen.  Dieser Sport zeigt deutlich, dass es um die Macht geht, die Kontrolle und Beherrschung einer Rasse gegen die andere.  Jetzt noch nach 25 Jahren wird gekaempft um die Nationalflagge, die alte und die neue, um die Nationalhymne, in der vier  Sprachen verwendet werden und um die Macht an der Spitze, politisch und wirtschaftlich. Aber was das Land immer mehr in den Morast sinken laesst, ist nicht Aids. Obwohl es taeglich etwa 700 neue Ansteckungen gibt.  Was das Land moralisch zugrunde richtet,  ist Korruption.  Und die kennt keine Hautfarbe.  Schlimm, sehr schlimm. Darin ist SA wahrer „Weltmeister‘. 

 

In wenigen Tagen schreiben wir 2020.  Aber vorher ist noch Weihnachten.  Dieses Fest ist ein Fest der Hoffnung.  Und die brauchen wir alle. Ob Afrika oder Europa, ob Schwarz oder Weiss. 

 

Das wuensche ich uns allen und Gottes Segen und Begleitung im neuen Jahr

 

Herzliche Gruesse

P. Windfried Egler CMM

 

 

(ar) 23.12.2019

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