Port St. John’s
Der Bischof meinte, ich soll nicht mehr mit dem „Intercity“ fahren. Der geht zu schnell, lässt kaum Zeit zum Verschnaufen und Ruhe. Es ist besser, wenn ich auf den „Regionalzug“ umsattle. Der geht viel langsamer, bleibt öfters stehen und gibt Zeit, auch die vorbeiziehende Landschaft zu beobachten.
Seit Mitte Jänner bin ich in Port St. John’s. Port St. John’s war eine Hafenstadt vor mehr als 100 Jahren. Jetzt ist Port St. John’s ein kleiner Ort, ziemlich abgeschnitten und verlassen. Während dem grossen politischen Umschwung in den 70er Jahren, als das erste schwarze Homeland Transkei unabhängig wurde und es in der Transkei noch viele Weiße gab, wurde Port St. John’s als kleine Enklave vor allem für ältere Leute ausgehandelt. Aber während dem zweiten politischen Umschwung in den 90er Jahren von Apartheid zu Demokratie hatte Port St. John’s als weisse Enklave kein Existenzrecht mehr. 2 Hotels gab es hier für die hauptsächlich weissen Touristen während der Urlaubszeit aus dem Landesinneren und auch aus Europa. Aber die sind schon lange in Ruinen verfallen. Die Landschaft, das Meer, der Fluss, der hier mündet, haben sich nicht verändert. Aber die Aussichten auf Entwicklung, vor allem für Touristen, haben sich schnell zerschlagen. Es mangelt an Sicherheit, Infrastruktur, vor allem wetterfeste Strassen, Wasserversorgung, Strom. Jetzt dient Port St. John’s als Geschäftszentrum für die Bevölkerung aus der näheren Umgebung.
Die katholische Gemeinschaft ist auch viel kleiner im Vergleich zu Libode, wo ich 9 Jahre war. Dort gibt es 11 Aussenstationen, hier sind es nur 3. Und die bestehen aus einer handvoll Gläubigen. Eine Pfarre wie „gemacht“ für einen Pensionisten. Aber von Pension, das heisst: Ruhe, weniger Arbeit, Zeit haben, um vom Arbeitszimmer auf das Meer zu schaun, habe ich noch nichts gesehen.
Im Gegenteil, was mich auf Trap hält jeden Tag, ist die Wieder-in-Standstellung der Wasserversorgung für das Pfarrhaus und die Untermieter. Mit einer „Eimerwirtschaft“ für die Toilette, einem Eimer für die grosse Schüssel zur täglichen „Dusche“, bisschen Wasser fürs Kochen usw. kann ich es nicht bleiben lassen. Die alten Gewohnheiten, dass Wasser aus der Wand kommt, möchte ich nicht vermissen. Das Problem ist, dass der Ort nicht genug Druck hat in der Wasserleitung, um es 60 Meter höher zu pumpen, damit es auch ins Pfarrhaus rinnt. Das ist nur eines der Dinge, die sich in den vergangenen Jahren verschlechtert haben.
Zum Glück gibt es Strom hier. Aber auch da happert es. Seit einigen Wochen haben wir im ganzen Land, nicht nur in Port St. John’s, von Kapstadt bis Pretoria, „Load shedding“ . Ein schönes Wort, das man anscheinend nur in Südafrika kennt. Das heisst: die Stromversorgung oder Nicht-versorgung wird verteilt. Jedes Gebiet kommt dran, jeden Tag gleich einige Stunden. SA hat nicht genug Strom. Die wirtschaftliche Entwicklung seit 1994 ist enorm weitergegangen. Aber die Planung für die Zukunft um Energieversorgung ist vergessen worden. Es gab zu viele schlechte Dinge aus der Apartheidzeit, mit denen die Regierung beschäftigt war, wie Schulwesen, Gesundheit, Strassen, Krankenhäuser usw. Man hat ganz auf den Strom vergessen. Jetzt muss gespart werden. Jeder kommt dran, ob Haushalt, Betriebe, Geschäfte, Krankenhäuser, Industrie, Bergwerke ... Was das heisst, wenn es täglich stundenlang keinen Strom gibt, kann sich ein Europäer gar nicht vorstellen. Z. B. Kein Licht in den Zimmern, der Ofen in der Küche bleibt kalt, kein heisses Wasser für Kaffee, der Computer geht nicht, auch das Radio und TV nicht, das Handy kann nicht aufgeladen werden. Da hilft nur eine Kerze und meditierend auf den Indischen Ozean schauen.
In dieser „Pension“ hat mir der Bischof noch zwei Aufgaben übertragen: die Taufregister aller Pfarren in ein Computer Programm einzutragen. Das heisst: ich sitze jeden Tag 4 – 5 Stunden am Computer. Die 2. Arbeit betrifft die Chronik der Diözese und aller 23 Pfarren. Aber nur von 1980 bis jetzt.
Was gibt es Neues in der „weiten Welt“ ausserhalb von Port St. John’s? Die Wahlen stehen an am 8. Mai. Seit 1994 hat die Regierungspartei ANC stetig an Stimmen verloren. Es sieht so aus, als ob jetzt der grosse „Durchbruch“ kommen wird, dass der ANC unter 50% kommt. Das wäre eine gute Lektion für echte Demokratie. Der ANC hat den Oppositionsparteien genug Wahlmaterial geliefert. Z. B. Der Stromausfall, die miserablen Dienstleistungen in den Städten. Seit Monaten ist eine Kommission an der Arbeit, um die Machenschaften von hohen und höchsten Parteimitgliedern und Politikern zu untersuchen. Die Untersuchung, die auch im Fernsehen übertragen wird, nennt sich „State capture“, Es geht um Milliarden Rand, die der Staat verloren hat und gestohlen wurden. Es wurden in den letzten 9 Jahren der Regierung von Jacob Zuma systematisch Parteimitglieder in höchste Regierungsposten manövriert, um leichter an die Quellen zu kommen. Die Forderungen werden immer lauter, dass eine Untersuchung nicht genügt. Die Schuldigen müssen vor Gericht kommen. All das wird sich sicher in der kommenden Wahl negativ für den ANC auswirken.
Nun wünsche ich allen ein gesegnetes und frohes Osterfest.
P. Winfried Egler CMM
(ar) 25.04.2019