30 Jahre Osthilfefonds: Projektbesuch in Bosnien-Herzegowina und Kroatien
Der Fonds der Diözese Linz zur Finanzierung pastoraler Projekte in Mittel- und Osteuropa wurde 1996 unter dem damaligen Diözesanbischof Maximilian Aichern gegründet. Er unterstützt in Weißrussland (Erzdiözese Minsk-Mogiljew, Diözesen Grodno, Pinsk und Witebsk), Rumänien (Erzdiözese Alba Iulia), Bosnien und Herzegowina (Diözese Mostar) sowie in anderen Regionen Ost- und Mitteleuropas Projekte, die das kirchliche Leben fördern und den Einsatz der Kirche in den Bereichen Bildung, Soziales und Menschenrechte stärken. Die Projekte haben eine längerfristige Wirkung und sind eingebunden in ein pastorales Konzept der jeweiligen Ortskirchen bzw. Ordensgemeinschaften. Alle zu unterstützenden Projekte des Osthilfefonds werden von einem Kuratorium streng geprüft. Der Osthilfefonds wird aus Spenden, Mitteln der Diözese und der Osthilfesammlung der Caritas OÖ finanziert.

Die Delegation aus Oberösterreich:
1. Reihe v. l.): Pfarrer Don Ivan Turudić, Stefan Pimmingstorfer, Dr. don Ante Pavlovic, Bischof Manfred Scheuer, Bischof Petar Palić , Sigried Spindlbeck, Ingrid Trauner, Bettina Stelzer-Wögerer (Unterstützerinnen der Caritas OÖ)
2. Reihe (v. l.): Wolfgang Holzhaider (Unterstützer der Caritas OÖ), Radoslav Dodig (Projektleiter Altenheim Erweiterung), Otto Hirsch (r., Unterstützer der Caritas OÖ)
© Caritas
Besuch in Projekten in der Partnerdiözese Mostar
Von 24. bis 26. September 2026 besuchten Bischof Manfred Scheuer, Osthilfefonds-Koordinatorin Sigried Spindlbeck und Caritas OÖ-Direktor Stefan Pimmingstorfer mit Unterstützer:innen der Caritas Bosnien und Herzegowina. In der Diözese Mostar-Duvno, einer Partnerdiözese von Linz, konnten sie sich davon überzeugen, dass die finanzielle Unterstützung aus Oberösterreich sinnvoll eingesetzt wird. Die Diözesanpartnerschaft zwischen den Diözesen Linz und Mostar besteht auf Initiative von Bischof Maximilian Aichern seit 1992. Zu Beginn war die Nothilfe der Caritas vorrangig, seit 1996 unterstützte der Osthilfefonds die Diözese auch beim (Wieder-)Aufbau kirchlicher Einrichtungen. Kontakte und Partnerschaften bestanden und bestehen bis heute auf verschiedenen Ebenen.
In der Diözese Mostar erhielt die Gruppe Einblicke in die Arbeit der Caritas Mostar und besuchte unter anderem das Altenheim Hl. Familie, das Kinderzentrum SPES und die Pfarre Hl. Johannes in Mostar. Die große Pfarre im Zentrum der Stadt Mostar wurde 1993 gegründet und besteht aus 17.500 Gläubigen. Die Pfarre wurde vom Osthilfefonds bei der Renovierung von Räumen für die pastorale Arbeit und beim Aufbau der Kinder- und Jugendarbeit unterstützt; für die drei Musikgruppen wurden Instrumente und Lautsprecher finanziert. „Die Kinder von damals, als ihr uns geholfen habt, sind heute Eltern und kommen in die Familiengruppen“, erzählte Pfarrer don Ivan Turudic. Der Aufbau des Kinder- und Jugendzentrums SPES wurde ebenfalls aus Oberösterreich unterstützt. Mit Veranstaltungen und Kursen lernen Kinder und Jugendliche, wie sie ein gewaltfreies Miteinander leben und sich vor Gewalt und Missbrauch schützen. Jährlich werden so 500 Kinder und ihre Familien erreicht. Unterstützung und Stärkung von Familien sind ein Schwerpunkt der katholischen Kirche im ganzen Land.
„Partnerschaft, die gegenseitiges Lernen stärkt“
Bischof Manfred Scheuer ist es ein Anliegen, die Kontakte in die Partnerdiözesen im Sinne von Bischof Aichern zu pflegen. Scheuer zeigte sich bei seinem Besuch in Mostar beeindruckt davon, wie sehr die Kirche in dem noch immer von den Folgen des Krieges geprägten Land gesellschaftlich präsent ist. „Internationale kirchliche Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße, sondern eine gegenseitige Partnerschaft. Die Diözese Linz kann von ihren Partnerdiözesen ebenso lernen, wie sie diese unterstützt. Der Osthilfefonds ist in diesem Sinne das Instrument einer langfristigen partnerschaftlichen Zusammenarbeit, die nicht nur materielle Hilfe ermöglicht, sondern auch kirchliches Leben und gegenseitiges Lernen stärkt.“ Der Wert einer Partnerschaft könne nicht in Euro gemessen werden, so Scheuer: „Es geht um Vertrauen, geteiltes Wissen und gemeinsame Initiativen.“
Bischof Petar Palić von der Diözese Mostar-Duvno dankte der Delegation aus Österreich für ihre Unterstützung: „Was Sie in Mostar investiert haben, ist nicht nur Hilfe eines Augenblicks geblieben. Es ist Teil unserer Einrichtungen, unseres Wissens und unserer Kultur des Dienstes am Menschen geworden. Wir sind dankbar für die Jahre des gemeinsamen Weges und gehen mit Zuversicht in die Zukunft."
Posthume Unterstützung durch verstorbenen Altbischof Maximilian
Aufgrund des großen Bedarfs an Pflegeplätzen für ältere, alleinstehende Menschen in der gesamten Region erweitert die Caritas Mostar mit einem Umbau im Zentrum Hl. Familie in Mostar ihr Angebot auf 80 Pflegeplätze in der Stadt. Dieses Projekt wird von der Caritas OÖ unterstützt und wurde von der oö. Delegation besucht. Hier gibt es einen besonders berührenden Brückenschlag zum im Jänner verstorbenen Altbischof Maximilian Aichern: Beim Requiem für Bischof Aichern wurden seinem Wunsch gemäß die Spenden, die beim Gottesdienst gesammelt wurden, dem Osthilfefonds zur Verfügung gestellt. Die Spenden kamen der Erweiterung des Altenheims Hl. Familie zugute.
Modellprojekte für die Region
Danach führte die Projektreise zum Altenheim Betanja im Stadtzentrum von Čapljina. Neben klassischer Altenpflege bietet das Haus eine Palliativpflege und Hospizbetreuung sowie einen eigenen Bereich für Menschen mit Demenz. Vor einigen Jahren wurde die Unterstützung pflegender Angehöriger mit der Hilfe der Caritas OÖ gestartet und vor allem in Pfarren durchgeführt. Caritas OÖ-Direktor Stefan Pimmingstorfer erklärt: „Wenn man hier vor Ort sieht, was aus der Unterstützung über viele Jahre gewachsen ist, bekommt Partnerschaft ein Gesicht. Besonders beeindruckt mich, dass Erfahrungen nicht an einem Ort bleiben: Was hier etwa für Menschen mit Demenz und ihre Familien entwickelt wurde, wird heute auch in anderen Ländern der Region genutzt. Genau darin liegt die Stärke dieser Zusammenarbeit – wir teilen Wissen, lernen voneinander und entwickeln gemeinsam Angebote weiter.“
Besuch im Friedensdorf MIR
Die letzte Station führte die Delegation nach Split, wo der Erzbischof von Split-Makarska Zdenko Križić von der Situation in seiner Erzdiözese berichtete. Danach besichtigte die Gruppe das Friedensdorf MIR. Die Initiative MIR entstand 1993, nachdem der Linzer Unternehmer Otto Hirsch vom Schicksal schwer beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher erfahren hatte, die während des Kroatienkriegs vertrieben worden waren und unter menschenunwürdigen Bedingungen in Split lebten. Mit Unterstützung des kroatischen Staates, zahlreicher Spenderinnen aus Oberösterreich sowie der Diözese Linz entstand nahe Split das Friedensdorf MIR, das 1996 eröffnet wurde. Es bietet Menschen mit Behinderungen unabhängig von Herkunft, Religion oder Nationalität ein sicheres Zuhause, medizinische und therapeutische Begleitung sowie die Möglichkeit zu einem möglichst selbstbestimmten Leben. In den folgenden Jahren entwickelte sich MIR zu einem international anerkannten Modellprojekt für Inklusion und Friedensarbeit: Das Therapiezentrum gilt heute als Leuchtturm für die gesamte Region, Bewohner:innen finden Zugang zu Wohngemeinschaften und Arbeitsplätzen, und Freiwillige aus aller Welt engagieren sich im Dorf. Bis heute bleibt MIR seinem Grundsatz treu, Menschen in Not Schutz, Förderung und Zukunftsperspektiven zu bieten.
So unterstützt der Osthilfefonds konkret
In den Jahren 1996 bis 2026 wurden insgesamt 1.213 Projekte und Programme mit 8,7 Millionen Euro unterstützt, etwa die Hälfte der Mittel wurde für Projekte und Programme in Belarus verwendet, jeweils etwa ein Viertel für die Unterstützung in Bosnien und Herzegowina und Rumänien. Die Hilfe geht in 7 Partnerdiözesen in vier Ländern mit 1.175 Pfarren und insgesamt rund 2, 4 Millionen Katholik:innen. „Es ist uns ein Anliegen, gezielt und ganzheitlich zu helfen, also auch die Seele nicht zu vergessen“, sagt Osthilfefonds-Verantwortliche Sigried Spindlbeck.
Als jüngstes Beispiel der gelungenen Zusammenarbeit mit den Partnerdiözesen nennt Spindlbeck Einführung und Weiterentwicklung des SelbA-Programms („Selbständig und Aktiv“) für Menschen ab 55 Jahren nach dem Vorbild des Katholischen Bildungswerks OÖ. Dabei handelt es sich um ein ganzheitliches Trainingsprogramm für Senior:innen zur Förderung der geistigen und körperlichen Fitness und für mehr Lebensqualität im Alter. Im 1. Halbjahr 2026 wurde in Bosnien und Herzegowina eine SelbA-Ausbildung durchgeführt, wodurch Multiplikator:innen in den Partnerdiözesen Mostar und Banja Luka (Partnerdiözese von Graz-Seckau) qualifiziert werden konnten. Damit entsteht ein besonderer doppelter Nutzen der Zusammenarbeit: Das in Oberösterreich entwickelte und erprobte Know-how wird an die Partnerdiözesen weitergegeben und dort an die lokalen Bedürfnisse angepasst; gleichzeitig fließen die Erfahrungen aus Bosnien und Herzegowina in die Weiterentwicklung des Programms und den internationalen Austausch zurück. Das kroatische SelbA-Programm soll ab 2027 für die Arbeit in Oberösterreich nutzbar gemacht werden.

2026 wurde in Bosnien und Herzegowina eine SelbA-Ausbildung durchgeführt. © Caritas