Nachruf auf Bischof emeritus Maximilian Aichern OSB
Die Osthilfe war für Bischof Aichern nie ein Randthema, sondern ein Herzensanliegen. Von Beginn an setzte er sich dafür ein, Brücken zwischen West- und Osteuropa zu bauen – nicht aus einer Haltung des Gebens von oben herab, sondern getragen von echter Partnerschaft auf Augenhöhe. Dieser Zugang bestimmte sein Denken und Handeln bis zuletzt: zuhören, ernst nehmen, gemeinsam Verantwortung tragen.
Als Benediktiner lebte er die Werte von Maß, Beständigkeit und Respekt vor der Würde jedes Menschen. In seiner besonderen Verantwortung für Slowenien und Kroatien brachte er diese Haltung konkret ein – mit großer Sensibilität für historische Erfahrungen, kulturelle Eigenheiten und die Lebensrealitäten der Menschen vor Ort.
Eng damit verbunden ist seit dem Beginn der 1990er Jahre der Aufbau und die Pflege tragfähiger kirchlicher Partnerschaften. Die Zusammenarbeit mit den Partnerdiözesen in Rumänien (Alba Iulia), Bosnien und Herzegowina (Mostar), in Tschechien (Budweis) sowie mit den vier Diözesen in Weißrussland war ihm ein zentrales Anliegen. Diese Partnerschaften waren für ihn keine formalen Vereinbarungen, sondern lebendige Beziehungen, getragen von persönlichem Kontakt, Vertrauen und gegenseitigem Lernen. Viele dieser Verbindungen zeigen bis heute Wirkung und bestehen weiter – als Ausdruck seines langfristigen Denkens und seiner Beziehungsarbeit.
Im Zentrum seines Wirkens standen stets die Menschen. Bischof Maximilian Aichern war überzeugt davon, dass nachhaltige Hilfe dort ansetzt, wo Menschen gestärkt, ausgebildet und informiert werden. Sein oft zitierter Leitsatz, „Wir investieren in Beine und nicht in Steine“, bringt diese Haltung prägnant auf den Punkt. Bildung, Begegnung, Selbstständigkeit und Verantwortung waren ihm wichtiger als reine Infrastruktur. Dieser Grundsatz prägt bis heute die Arbeit des Osthilfefonds und ist ein bleibender Maßstab für verantwortungsvolle Solidarität.
Bischof Maximilian Aichern hat die Osthilfe nicht nur mitbegründet, sondern ihr auch eine klare Haltung mitgegeben: Solidarität bedeutet Begegnung, und Hilfe beginnt dort, wo gegenseitiger Respekt gelebt wird. Dieses Vermächtnis bleibt Auftrag und Ermutigung zugleich.
Wir verneigen uns in Dankbarkeit vor einem Menschen, der Kirche als dienende Gemeinschaft über die Grenzen der eigenen Diözese hinaus verstanden und gelebt hat. Sein Wirken lebt in der Arbeit der Osthilfe und in den gewachsenen Partnerschaften weiter.