Duft des Glaubens
Ihre Inspiration findet die leidenschaftliche Gärtnerin nicht nur in der Pflanzenwelt, sondern auch in alten Fundstücken, die sie kreativ neu gestaltet. So entsteht ein Ort voller Ästhetik, Funktionalität und Naturverbundenheit, der gleichermaßen inspiriert und zur Ruhe einlädt. Im Interview spricht sie über ihre Liebe zu Rosen, ihren Glauben und das Zusammenspiel von Natur und Spiritualität.
Frau Rebhan, Sie sind Mesnerin und leidenschaftliche Rosengärtnerin. Wo begegnen sich diese beiden Welten in Ihrem Alltag?
Für mich spiegelt der Rhythmus der Jahreszeiten den Ablauf des Kirchenjahres wider. Das Erwachen der Rosen im Frühling erinnert mich an die Osterfreude, während ihr Vergehen im Herbst eine stille Parallele zur Besinnlichkeit des Advents zieht.
Das heißt, Natur und Glaube sind für Sie eng miteinander verwoben?
Ja, ganz stark. Beides folgt einem inneren Rhythmus, der mich durch das Jahr trägt.
Was fasziniert Sie persönlich an der Rose – und was kann sie uns lehren?
Die Rose beeindruckt mich durch ihre Vollkommenheit. In ihr vereinen sich Gegensätze: zarte, fast zerbrechliche Blüten und zugleich wehrhafte Dornen. Das ist wie im Leben – Freude und Leid liegen oft dicht beieinander. Die Schönheit und der Duft stehen für Glück und erfüllte Momente, während die Dornen an schwere Zeiten wie Krankheit, Sorgen oder Verlust erinnern.
Ist das auch ein Grund, warum die Rose eine so starke symbolische Kraft hat?
Ganz bestimmt. Sie spricht uns auf einer sehr tiefen menschlichen Ebene an.
In Ihrem Garten wachsen über 250 Rosensorten. Haben Sie eine Lieblingsrose?
Ja, besonders am Herzen liegt mir die Rosa Gallica Officinalis, die sogenannte Apothekerrose. Ich schätze sie vor allem wegen ihrer heilenden Wirkung. Ihr Duft ist betörend, und sie wächst bei mir neben dem Bildstock der heiligen Hildegard.
Wofür findet sie Anwendung?
Die Blütenblätter werden traditionell bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, zur Unterstützung der Wundheilung sowie bei Verdauungsproblemen, etwa leichtem Durchfall, eingesetzt. Typische Zubereitungen sind Rosenwasser, Rosenöl, Tees oder Aufgüsse aus den Blütenblättern. Ich nutze sie außerdem gerne zur Herstellung von Rosensirup oder Rosengelee.
Ihr Garten umfasst auch einen Hildegard-von-Bingen-Heilgarten. Wie ist dieser entstanden?
Ich habe 40 Jahre als Diplomkrankenschwester bei den Barmherzigen Schwestern im Krankenhaus Ried im Innkreis gearbeitet. Eines Tages lud ich die Ordensfrau zur Rosenblüte in meinen Garten ein. Als Dank schenkte mir die Oberin eine Statue der heiligen Hildegard und bat mich, ihr einen würdigen Platz zu geben.
Mein Mann und ich errichteten daraufhin einen Bildstock, um den herum ich einen Kräutergarten anlegte. Für Hildegard waren Heilpflanzen Ausdruck der „Viriditas“, der göttlichen Grünkraft, die Leib und Seele stärkt.
Gibt es Rosen, die Sie besonders mit Kirche oder Liturgie verbinden?
Im Christentum stellt die einfache Wildrose das Blut Christi dar. Ihre fünf Blütenblätter stehen für die Wundmale Christi, die gelbe Mitte für die Auferstehung, und die Dornen erinnern an das Leiden – auch an das Mitleiden Mariens.
Auch in der Kirche begegnet uns die Rose häufig: auf Beichtstühlen als Zeichen der Verschwiegenheit oder in Form von Fensterrosetten, die das Rad des Lebens und die Ewigkeit symbolisieren. Wenn Sonnenlicht durch diese Rosetten fällt, wird das göttliche Licht im Kirchenraum spürbar.
Und nicht zuletzt das Rosenkranzgebet: Ursprünglich stellte man sich vor, jedes „Ave Maria“ sei eine Rose, die zu einem geistigen Kranz gebunden wird.
Warum gilt die Rose als besondere Blume Mariens?
Maria wird oft als Rosa Mystica – geheimnisvolle Rose – dargestellt. Die dornenlose Rose steht für ihre Reinheit und die unbefleckte Empfängnis. Der Legende nach erhielt die Rose ihre Dornen erst nach dem Sündenfall. Da Maria ohne Erbsünde empfangen wurde, nennt man sie auch „Rosa sine spina“ – die Rose ohne Dornen, die den paradiesischen Zustand bewahrt hat.
Welche Bedeutung haben Blumen generell im Kirchenraum?
Blumen bringen die Schönheit der Schöpfung direkt in den Altarraum. Sie erinnern uns daran, dass Gott der Ursprung allen Lebens ist.
Wo sehen Sie die Grenze zwischen würdigem Blumenschmuck und bloßer Dekoration?
Liturgischer Blumenschmuck soll das Wesentliche unterstreichen, nicht davon ablenken. Er darf nicht überladen oder aufdringlich wirken. Dekoration hingegen möchte oft um ihrer selbst willen bewundert werden.
Ich persönlich schätze saisonale und regionale Blumen sehr. Ein einfacher Wiesenstrauß oder ein Arrangement aus dem eigenen Garten kann genauso schön – oft sogar stimmiger – sein als exotische Gestecke.
Welche Blumen bewähren sich im liturgischen Alltag besonders gut?
Rosen sind ein Klassiker: edel, symbolträchtig und dezent im Duft.
Lilien stehen für Reinheit, wirken sehr erhaben – man muss nur mit dem Blütenstaub vorsichtig sein.
Nelken sind langlebig und erinnern symbolisch an die Nägel des Kreuzes.
Gerbera bringen klare Farben in die verschiedenen liturgischen Zeiten und sind sehr robust.
Und Grün aus dem Garten – etwa Kirschlorbeer, Efeu oder Farne – sind ideale Begleiter, die Beständigkeit symbolisieren und den Blumen Halt und Rahmen geben.
Worauf sollten Mesnerinnen und Mesner besonders achten?
Weniger ist oft mehr. Echte Blumen, zurückhaltend eingesetzt, wirken würdevoller als üppige Arrangements mit Kunstblumen. Die Würde liegt in der Vergänglichkeit und Echtheit des Lebens, das wir Gott darbringen.
Außerdem darf der Blumenschmuck nie das liturgische Geschehen verdecken. Er soll den Altar begleiten, nicht verhüllen.
Hochzeiten sind besondere Momente. Wie gestalten Sie diese floristisch?
Bei uns in Gaspoltshofen übernimmt das Brautpaar selbst die Gestaltung. Kleine Blumengebinde an den Kirchenbänken, abgestimmt auf Altarschmuck und Brautstrauß, begleiten das Paar symbolisch auf seinem Weg zum Altar.
Viele alte Gegenstände finden in Ihrem Garten einen neuen Platz. Was inspiriert Sie dazu?
Ich sehe darin eine Art „visuelle Predigt“. Alte Fliesen vom Kirchenpflaster habe ich beispielsweise als Wegekreuz verlegt, mit drei farblich abgesetzten Platten als Symbol der Dreifaltigkeit.
Es geht mir darum, dem Alten eine neue Würde zu geben. Diese Dinge werden Teil des Gartens Gottes, in dem nichts verloren geht. Gezeichnet vom Leben, mit Ecken und Kanten, aber in der richtigen Umgebung werden sie Teil eines wunderschönen Gesamtbildes.
Gibt es Möglichkeiten für Interessierte, Ihren Garten selbst zu erleben?
Ja, sehr gerne. Ich öffne meinen Garten regelmäßig für Besucherinnen und Besucher, die sich für Gartenkultur interessieren. Es kommen auch immer wieder Busgruppen, die im Rahmen von Gartenreisen Halt bei mir machen. Mir ist dabei besonders wichtig, dass dieser Ort nicht nur Freude schenkt, sondern auch etwas Gutes bewirkt: Das Geld aus den Besichtigungen spende ich der St. Anna Kinderkrebsforschung.
An welchem Ort spüren Sie die Nähe Gottes besonders?
Ja, in meinem Rosengarten. Wenn ich zwischen den Blüten stehe, fühle ich mich Gott besonders nahe. In der Schönheit der Rosen und der Heilkraft der Kräuter wird Gottes Wirken für mich greifbar.
Diese Arbeit ist für mich eine Form von Gottesdienst im Alltag – und zugleich eine Quelle der Kraft für meinen Dienst in der Kirche.
Anna Rebhan (63), Mesnerin in Gaspoltshofen (OÖ)
„Ärgere dich nicht, dass der Rosenstrauch Dornen trägt, sondern freue dich, dass der Dornenstrauch Rosen trägt.“
#Gedankenwelt
Rosen sind für mich ein Symbol für …
… Liebe, Hingabe, Reinheit, Verschwiegenheit und Dankbarkeit.
Der Duft der Rosen erinnert mich an …
… die Gegenwart Mariens, die Kostbarkeit des Augenblicks und die Fülle des Lebens.
Beim Berühren einer Rose spüre ich …
… die Verbindung zwischen Schöpfung und Menschsein.
Rosen öffnen mir den Blick für …
… das Wesentliche im Leben.
Wenn zwei Menschen vor Gott ihr Ja sagen, …
… ist das für mich wie das Anlegen eines Gartens. Der Boden muss vorbereitet werden, damit Wurzeln wachsen können. Es braucht Geduld, Wärme und gegenseitige Unterstützung, um Stürme zu überstehen. Am Ende steht die Belohnung: eine reiche Blüte.
Wenn die Kirche festlich erstrahlt, …
… empfinde ich tiefe Dankbarkeit. Es ist die Gewissheit, dass unser Leben ein Geschenk ist – und unser Tun, vom Rosengarten bis zum Anzünden der Kerzen, ein Lobpreis Gottes.