Treffpunkt Bildungsreise 2026
Tag 1
Linz - Zwickau - Dresden
Mit einem voll besetzten Bus – 40 Frauen und Männer – ging es los Richtung Zwickau.
Erste Station: das faszinierende August Horch Museum. Eine Reise durch die Automobil-geschichte, die uns staunen ließ: von eleganten Luxuskarossen bis hin zu den legendären Marken Audi, Horch, DKW und Wanderer – die berühmten „vier Ringe“. Und natürlich durfte auch der Trabant nicht fehlen – der Kult-Kleinwagen der DDR.
Doch es ging nicht nur um Technik und Design: Von damaligen Produktions- und Arbeitsbedingungen bis hin zu den Herausforderungen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit nach dem Ende der Ära
Tag 2
Dresden - Gedenkrundgang - Treffen mit Gewerkschaft - Frauenkirche
Am 2. Tag standen kulturelle Highlights in Dresden am Programm – eine Stadt voller Geschichte, die gleichermaßen beeindruckt und nachdenklich macht.
Von den verheerenden Bombardierungen, die Dresden einst in Schutt und Asche legten, bis hin zum beeindruckenden Wiederaufbau: Zwinger, Semperoper, Kulturpalast, Frauenkirche und viele weitere Wahrzeichen erzählen von Vergangenheit und neuer Stärke.
Doch Dresden bedeutet auch Erinnerung und Verantwortung.
Wir haben uns mit den Bücherverbrennungen auseinandergesetzt, mit Erich Kästner und den Stolpersteinen, die an Menschen erinnern, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden.
Ebenso bewegend war die Auseinandersetzung mit Rassismus – etwa am Beispiel von Jorge aus Mosambik.
Besonders wertvoll war der Austausch mit Vertreterinnen des DGB über aktuelle Herausforderungen: den Umgang mit zunehmend erstarkenden rechten Strömungen und die Bedeutung von Zusammenhalt, Aufklärung und Engagement.
- Alternatives Kultur- und Bildungszentrum ::: AKuBiZ e.V.
Tag 3
Sorben - Bautzen - Willkommen in Bautzen
Heute haben wir uns auf die Spuren der Sorben begeben: eine anerkannte Minderheit in Deutschland mit einer bewegten Vergangenheit und einer lebendigen Kultur. Viele Tausende Menschen wurden im Laufe der Zeit umgesiedelt und verloren ihre Heimat – und doch haben sich beeindruckend viele Traditionen bis heute gehalten, inkl. der Sage vom Krabat.
Bautzen kannten wir bisher vor allem aus den Nachrichten – insbesondere durch die von der AFD organisierten Montagsdemos. Umso spannender war es, eine ganz andere Seite der Stadt kennenzulernen. Das breite Bündnis „Willkommen Bautzen“ setzt hier ein starkes Zeichen für Dialog und Miteinander. Mit kreativen Formaten wie „Happy Monday“ und den Bautzener Reden bringen sie Menschen aus Wirtschaft, Politik und Kunst zusammen, um auch kontroverse Themen offen zu diskutieren. Ihr wichtigstes Ziel: miteinander ins Gespräch kommen. Zuhören. Verstehen.
Miteinander heißt es auch im Dom In Bautzen: Seit 1524 wird er von katholischen und evangelisch-lutherischen Gemeinden gemeinsam genutzt.
Den perfekten Ausklang fand unser Tag schließlich in einem feinen sorbischen Restaurant mit köstlichen Spezialitäten.
Home - Happy Monday Bautzen - WJESOłA PÓNDźELA Budyšin
Tag 4
Chemnitz - Fritz Heckert Gebiet - Liturgie
Der heutige Tag führte uns nach Chemnitz, der früheren Karl-Marx-Stadt. Gelegen auf Hügeln steht die ehemalige Industriestadt, die sich nach dem Niedergang neu organisieren musste - nun mit Unis, Kunst/Kultur und revitalisierten Industriegeländen.
Am ehemaligen Flughafengebiet wurde 1974 für die vielen Arbeitskräfte die Fritz Heckert Plattenbau-Siedlung gebaut - mit 32.000 Wohnungen für 92.000 Bewohner:innen, mit eigener Infrastruktur, S-Bahnverbindung und Schulen. Mit bis zu 11 Stockwerken fanden vor allem viele junge Familien dort ihre Heimat.
Nach der Wende fielen die staatlichen Konzerne weg, Wohnalternativen standen offen und der Ruf der Siedlung verschlechterte sich immer mehr.
Aus der Zeitung erfuhren die Bewohner:innen, dass innerhalb kurzer Zeit viele Wohnblöcke abgerissen werden.
Heute wohnen dort etwa 38.000 Menschen in ca 22.000 renovierten Wohnungen, mit großem Migrant:innen Anteil und vielen Grünflächen zwischen den verbliebenen Blöcken.
Unseren spirituellen Abschluss feierten wir in der versteckten Kirche am Rande des Fritz-Heckert-Plattenbauten, bei der wir Knöpfe der Reiseerinnerungen in unsere Taschentücher knüpften.
Tag 5
Nudelfabrik Riesa - Treffen mit Betriebsrat - Heimfahrt
"Man darf sich nicht ergeben‘"
Jede:r im Osten Deutschlands kennt sie: Nudeln aus Riesa. Doch die 150 Arbeiter:innen und Angestellten merkten, die Kolleg:innen im Westen verdienen viel mehr als sie. Was tun?
Innerhalb eines Jahres wurde ein Betriebsrat gegründet, mehr als 80 % der 150 Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert und ein Tarifvertrag für das Unternehmen Teigwaren Riesa abgeschlossen. Gefolgt von Verhandlungen, 24h Warnstreiks und schließlich einem sieben-wöchigen (!) Streik.
Ein mitmachendes Beispiel für Dranbleiben und Solidarität zeigen!
Und ja, auch die Werksführung war spannend und wir haben viele Nudeln eingekauft!
Das Wetter hat trotz Prognosen bis heute durchgehalten, und jetzt fahren wir mit viel ‚Guter Laune‘ im Regen heimwärts mit vielen Eindrücken und Erfahrungen reicher.
Anja Reisky vom Betriebsrat bei Teigwaren Riesa im Gespräch mit AufbruchOst