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Do. 05.03.26

Frauen tragen mehr, als sichtbar ist

Frauen sind engagiert, belastbar, solidarisch – und dennoch oft am Limit

Der Internationale Frauentag lädt dazu ein, genauer hinzusehen: auf das, was Frauen täglich leisten, auf das, was sie trägt – und auf das, was trotz aller Fortschritte noch immer nicht selbstverständlich ist. 

 

Die Realität vieler Frauen ist geprägt von Mehrfachbelastungen: Erwerbsarbeit, Care- und Sorgearbeit, mentale Organisationsarbeit, Ehrenamt – und der ständigen Erwartung, dabei ruhig, kompetent und verlässlich zu bleiben. 

 

Gerade die unsichtbare Carearbeit hält unsere Gesellschaft im Hintergrund stabil. Und doch wird sie selten als das anerkannt, was sie ist: echte Arbeit. Frauen wissen, was es bedeutet, aus Verantwortungsgefühl und Solidarität „einfach weiterzumachen“ – auch dann, wenn Grenzen längst überschritten sind. Diese innere Zerrissenheit begleitet viele von uns durch den Alltag: Wir wissen, dass wir gebraucht werden, und gleichzeitig spüren wir, wie wenig dieser Einsatz gesehen wird. 

 

Erschöpfung ist kein Einzelfall – sie ist ein Muster 
Die Kulturwissenschaftlerin Franziska Schutzbach beschreibt, dass viele Frauen im Spannungsfeld zwischen Leistungsdruck, prekären Vereinbarkeitsstrukturen und gesellschaftlichen Erwartungen schlicht erschöpft sind. 

In dieser Überforderung entsteht eine Sehnsucht nach Einfachheit. Rechte Ideologien bieten dafür ein scheinbar klares Gegenmodell: traditionelle Rollen, überschaubare Ordnungen, die Rückkehr der sogenannten Tradwives-Ideale. Sie suggerieren Entlastung, Zugehörigkeit und Eindeutigkeit – auch wenn dahinter letztlich alte Abhängigkeiten stehen. 
  

Doch Frauen brauchen keine Rückkehr zu veralteten Rollen! 
Sie brauchen faire Arbeitsbedingungen, verlässliche Strukturen, partnerschaftliche Verantwortung – und echte politische Schritte, die Carearbeit nicht nur benennen, sondern neu verteilen. 

Arbeitswelt: Frauen leisten mehr, als Verträge abbilden 
Frauen tragen in fast allen Branchen die Hauptlast der emotionalen und organisatorischen Zusatzarbeit. Sie übernehmen Vermittlung, Konfliktmanagement, Zusammenhalt, Teamkultur – Tätigkeiten, die entscheidend für gelingende Zusammenarbeit sind, aber in keiner Jobbeschreibung vorkommen. 

Gleichzeitig wirken strukturelle Benachteiligungen weiter: 

  • Lohnunterschiede

  • gläserne Decken 

  • ungleiche Teilzeitverteilung 

  • fehlende Kinderbetreuung 

  • stereotype Rollenerwartungen 

  • Care-Verantwortung, die automatisch Frauen zugeschrieben wird 

Viele Frauen jonglieren diese Anforderungen, obwohl sie wissen, dass ein Leben am Limit keine nachhaltige Option ist. 
Und dennoch: Sie halten zusammen, organisieren, erleichtern, stabilisieren – oft im Verborgenen. 

 

Spannungsfelder 
Ob in Unternehmen, sozialen Einrichtungen, Gemeinden oder Vereinen: Frauen sind tragende Säulen. Und gleichzeitig oft diejenigen, die überlegen, ob sie unter den aktuellen Bedingungen weitermachen können oder wollen. 

Auch innerkirchlich zeigen sich diese Spannungsfelder: 
Beim KAB-Frauenstudientag in Linz diskutierten Frauen aus fünf Diözesen mit Maria Moser, Direktorin der Diakonie, darüber, was sie in ihren Kirchen hält – und was sie zu gehen bewegt. Sie engagieren sich mit großem Herzblut, erfahren dabei aber immer wieder Spannungen zwischen Selbstwirksamkeit und Ausschluss, zwischen Kirche als „Kampf-Ort“ und „Schutz-Zone“, zwischen Institution und Bewegung. 

Viele von ihnen tragen eine innere Zerrissenheit: Sie setzen sich ein, obwohl ihnen bewusst ist, dass echte Gleichstellung der Geschlechter innerkirchlich noch in weiter Ferne liegt. 

Und doch bleiben viele – weil sie Gemeinschaft erleben, weil sie Hoffnung schöpfen, weil sie an Veränderungen glauben und weil sie Kirche nicht rechten Kräften überlassen wollen. 
Maria Moser mahnt: Wenn Frauen gehen, könnten Kirchen zu einem Hort des Antifeminismus werden – mit starken Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. 
 

Was wäre, wenn Frauen einen Tag lang die Arbeit niederlegen? 
Was wäre, wenn Frauen kollektiv – wie die Frauen in Island – sagen würden: 

Heute legen wir die Arbeit nieder. 
Nicht nur die bezahlte, sondern auch die unbezahlte. 

  • Niemand organisiert das Familienleben. 

  • Niemand übernimmt die emotionale Arbeit im Team. 

  • Niemand plant vor, denkt mit, springt ein. 

  • Niemand gleicht aus, tröstet, beruhigt, rettet Situationen. 

  • Niemand füllt die Lücken, die Systeme hinterlassen. 

Island hat gezeigt: 
Wenn Frauen streiken, steht ein Land still. 
Und plötzlich wird deutlich, wie wichtig diese Arbeit ist. 

Vielleicht ist es Zeit, sich diese Frage auch bei uns zu stellen. 
Nicht aus Trotz – sondern aus Bewusstsein. 
Aus Verantwortung. 
Aus Selbstachtung. 

 

Martha Stollmayer

Betriebsseelsorgerin Treffpunkt mensch & arbeit Linz-Mitte

 

Zum Weiterlesen & Vertiefen 

  • Franziska Schutzbach: Warum wählen Frauen rechts? – direkt-magazin.ch 

  • Katharina Moser in Die Furche: Christlicher Nationalismus – eine Versuchung – furche.at 
     

  • Bleiben oder Gehen - Was hält Frauen in ihren Kirchen?  
    Rückblick KAB Frauenstudientag 2026 

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