Neue Schläuche für jungen Wein
Ein Zitat von Papst Franziskus stand am Beginn seines Vortrages: „Wir erleben nicht eine Ära des Wandels, sondern einen Wandel der Ära.“ Dieser Tatsache muss auch kirchlicherseits Rechnung getragen werden.
Der Autor skizzierte zunächst einen Streifzug durch die Geschichte des Christentums. Europa war jahrhundertelang „konstantinisch“ geprägt. Der Christenverfolgung des Anfangs folgte mit dem Edikt von Kaiser Konstantin das Christentum als Staatsreligion. Nach dem Thesenanschlag Martin Luthers entbrannten im 16. Jh. heftige Glaubenskriege – besonders der 30-jährige Krieg –, die damit endeten, dass der jeweilige Landesfürst die Religionszugehörigkeit seiner Untertanen bestimmte. Nach der Trennung von Staat und Kirche gab es zwar eine Wahl der Konfession, doch immer noch ein Traditionschristentum, in dem man seine „Sonntagspflicht“ erfüllte, sein Kind taufen und Tote kirchlich beerdigen ließ. Dies hat sich in den letzten Jahrzehnten jedoch nochmals verändert. Die Zahl der „Kirchlichen“ geht drastisch zurück. Religiös heißt nicht mehr automatisch auch „kirchlich“. Zugenommen haben auch die Säkularen und Skeptiker.
Wie kann die Kirche diesen Entwicklungen heute begegnen?
P. Zulehner zeigte auf, dass es nicht genügt, die gängigen kirchlichen Strukturen zu erhalten, indem man die Räume vergrößert oder die fehlenden inländischen Priester durch kulturfremde ausländische Priester ersetzt. Diese und ähnliche Strukturreformen greifen nicht wirklich, sondern verzögern das Sterben der Kirchengemeinden nur. Es braucht neue Formen Gemeinden ebenso wie geänderte Zulassungsbedingungen zum Weiheamt, um die verbindende Eucharistie feiern zu können. Vor allem aber braucht es den „jungen Wein“. Dieser muss die Art und Form der „Schläuche“ bestimmen. Mit jungem Wein meint Zulehner Menschen, „welche die Jesusbewegung und deren Vision gut kennen und die zweitens bereit sind, ja fest entschlossen sind, sich dieser Bewegung auch anzuschließen.“ – So lautet ein Zitat aus seinem Buch. Die besten Schläuche helfen nichts, wenn es dafür keinen jungen Wein mehr gibt.
Welche Wege Paul Zulehner hier sieht, um zukunftsfähige Pfarrgemeinden aufzubauen, kann in seinem gleichlautenden Buch „Neue Schläuche für jungen Wein“ nachlesen.
Der Vortrag kann auch auf der Homepage des Autors nachgehört werden: