„Sonntag der Völker“ 2026 im Linzer Mariendom
Am 27. September 2026 um 10.00 Uhr wurde auf Einladung der Fremdsprachigen Seelsorge der Diözese Linz und des Fachbereichs Beratung und Hilfe der Caritas im Linzer Mariendom ein Festgottesdienst zum „Sonntag der Völker“ gefeiert. Das Motto des diesjährigen Sonntags der Völker greift ein Wort aus dem Matthäusevangelium auf: „Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.“ (Mt 18,5) Mit den verschiedenen muttersprachigen Gruppen und deren Seelsorgern feierten Bischof Manfred Scheuer und Ernest Szabó, Leiter der Fremdsprachigen Seelsorge, sowie Diakon Alexander Niederwimmer.
Bischof Manfred Scheuer: „Kirche lebt von der Vielfalt ihrer Mitglieder“
Bischof Manfred Scheuer erinnerte in seiner Predigt an das von Papst Leo XIV. gewählte Motto „Auch nur eines dieser Kinder“. Angesichts der weltweiten Migrationsdebatte betone der Papst, dass jedes Kind, unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Aufenthaltsstatus, vor Gott unendlich wertvoll sei. Wenn von Migration die Rede sei, gehe es nicht zuerst um Zahlen, Statistiken oder politische Debatten, sondern um Menschen, so Bischof Scheuer: „Wir sprechen über Kinder, Jugendliche und Familien. Über Hoffnungen und Ängste. Über den Wunsch nach Sicherheit, Zukunft und Zugehörigkeit.“
Kinder mit Fluchterfahrung würden Hoffnungen, Begabungen und Zukunftspotenzial mitbringen. „Damit sie diese Chancen entfalten können, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, Zugang zu Bildung und echte Möglichkeiten zur Teilhabe. Es ist eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Gesellschaft, Kirchen und allen Menschen guten Willens, dazu beizutragen, dass jedes Kind mit Würde, Sicherheit und Zuversicht seinen Platz in unserer Gesellschaft und finden kann“, betonte der Bischof.
Auch die kirchliche Gemeinschaft sei gefordert, Vielfalt als Schatz wahrzunehmen und anzuerkennen. Bischof Scheuer: „Der Sonntag der Völker erinnert uns daran, dass die Kirche von Anfang an international war. Sie lebt von der Vielfalt ihrer Mitglieder. Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, Traditionen und Sprachen bereichern das kirchliche Leben und Bringen neue Perspektiven ein. Deshalb geht es heute nicht nur darum, Migrantinnen und Migranten wahrzunehmen, sondern auch darum, dankbar anzuerkennen, was sie in unsere Pfarrgemeinden und in unsere Gesellschaft einbringen.“ Gerade muttersprachliche Gemeinden würden ein Stück kultureller und religiöser Heimat und Räume schaffen, in denen Menschen Unterstützung und Zusammenhalt erfahren, unterstrich der Bischof.
Sprachlich-musikalische Vielfalt
Die Vielfalt der verschiedenen muttersprachlichen Gemeinden wurde nicht nur durch die bunten Landestrachten sichtbar, sondern auch bei den Texten und Liedern im Festgottesdienst hörbar: Die Texte zum Bußakt wurden in verschiedenen Landessprachen gelesen, ebenso die Fürbitten. Die Lesungen wurden auf Polnisch und Englisch gelesen, das Evangelium auf Deutsch und Kroatisch. Mehrere hundert Mitfeiernde beteten und sangen in ihrer jeweiligen Muttersprache mit. Musikalische Akzente setzten Liedbeiträge der afrikanischen, ungarischen, polnisch, kroatisch, slowakischen Gemeinden. Kantor war Christoph Niemand, Jean Matau musizierte an der Orgel. Bei der Gabenbereitung kamen Vertreter:innen aus unterschiedlicher Volksgruppen nach vorn und überreichten Bischof Manfred Scheuer landestypische Geschenke.
Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Das anschließende Begegnungsfest auf dem Domplatz lud bei Sonnenschein mit Musik und Tanz zum geselligen Miteinander und vielen Begegnungen ein. Musikalisch-tänzerische Beiträge kamen von den ungarischen, ukrainischen, kroatischen, philippinischen, afrikanischen, tschechisch/slowakisch, polnisch und lateinamerikanischen/ spanischsprachigen, vietnamesischen Gemeinden. Auch kulinarisch konnten die Besucher:innen verschiedenste Länder „bereisen“ und deren Spezialitäten verkosten.
Fremdsprachige Seelsorge in Oberösterreich
In der Katholischen Kirche in Oberösterreich gibt es Seelsorge für 16 fremdsprachige Gemeinden: afrikanisch-englischsprachige, albanisch-katholische, arabische und chaldäische, ukrainisch-griechisch-katholische, kroatische, rumänisch-griechisch-katholische, philippinisch-katholische, polnische, lateinamerikanische / spanischsprachige, tschechisch -slowakische, türkische und persische, ungarische sowie vietnamesische. Es gibt auch eine persisch-afghanische Gemeinschaft. Am „Sonntag der Völker“ wird diesen Gruppen besondere Wertschätzung zuteil. Ernest Szabó, Leiter der Fremdsprachigen Seelsorge der Diözese Linz, sowie Michaela Haunold von der Abteilung Beratung und Hilfe der Caritas OÖ sind als Organisator:innen wesentlich für das Gelingen des Festes verantwortlich.
112. Welttag der Migranten und Flüchtlinge
Der katholische Welttag des Migranten und Flüchtlings findet in diesem Jahr zum 112. Mal statt. Ausgerufen hatte ihn Papst Benedikt XV. (1914-1922) im Jahr 1914.
In Österreich wird der Welttag des Migranten und Flüchtlings als „Sonntag der Völker“ gefeiert, der in den Diözesen Österreichs am 27. September 2026 begangen wurde. An diesem Tag macht die Kirche auf die Vielfalt der Nationen in der römisch-katholischen Glaubensgemeinschaft aufmerksam. Das Thema dieses 112. Tages, »Auch nur eines von diesen Kindern«, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Minderjährigen, die unmittelbar von der Erfahrung von Migration und Flucht betroffen sind, auf die Sorge für sie und auf das Versprechen des Herrn: »Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf« (Mk 9,37).
Papstbotschaft zum 112. Welttag des Migranten und Flüchtlings 2026:
In seiner Botschaft zum 112. Welttag der Migranten und Flüchtlinge 2026 rückt Papst Leo XIV. besonders Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt, die von Flucht und Migration betroffen sind. Unter dem Leitwort „Auch nur eines von diesen Kindern“ erinnert er daran, dass jeder Mensch eine unveräußerliche Würde besitzt und nicht auf Zahlen oder Statistiken reduziert werden darf. Der Papst ruft Kirche, Politik und Gesellschaft dazu auf, die Rechte und den Schutz von geflüchteten Kindern konsequent in den Mittelpunkt zu stellen, ihre Integration zu fördern und ihnen mit Solidarität, Menschlichkeit und konkreter Hilfe zu begegnen.
Botschaft des Heiligen Vaters zum 112. Welttag des Migranten und Flüchtlings 2026