Bibelpastorale Studientagung 2026 rund ums Buch der Sprichwörter
Mit der Perspektive der heilsamen Worte und ihrer Verortung im Sprichwörterbuch beschäftigten sich 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit Dr.in theol. Magdalena Lass und Dipl.-Theol.in Viola Weiß in Vorträgen, Workshops, Tischgruppen und liturgischen Feiern.
Zum Auftakt sprachen Dr.in Elisabeth Birnbaum, Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerks, Mag.a Karin Hintersteiner, Teamleiterin des Bibelwerk Linz, und Weihbischof Dr. Anton Leichtfried, Weihbischof in der Diözese St. Pölten und Bibelbischof der Österreichischen Bischofskonferenz, Grußworte. Sie stellten die Weichen für die folgenden Tage und betonten, dass Worte nicht nur Information beinhalten, ein einzelnes Wort schon viel bewirken kann und die Sprichwörter mit Heilkräutern verglichen werden können: wohldosiert wirken sie, wenn man ihnen Zeit lässt, ihre heilsame Kraft zu entfalten.
Lass: Navigationskunst durchs Leben mit Frau Weisheit aus dem Buch der Sprichwörter
Die Alttestamentlerin Magdalena Lass, derzeit Assistenz-Professorin an der KU Linz, stellte in vier Vorträgen mit Textblättern und eingebauten Tischgruppendiskussionen verschiedene Aspekte des Sprichwörterbuchs, anthropologische Themen und den Zusammenhang zur Salutogenese vor.
Das Sprichwörterbuch gehört zur alttestamentlichen Weisheitsliteratur. Seine Einzelsprüche sind bekannt und nicht veraltet, sondern sehr präsent in unserer Umwelt heute. Die unterschiedlichen poetischen Gattungen des Buches arbeiten mit dem Stilmittel des Parallelismus. Weisheitliche Literatur war international: Über den gesamten Alten Orient und Ägypten wurden Sammlungen und Sprüche weitertradiert. Nur die biblische Weisheitsliteratur weist dabei einen expliziten Gottesbezug auf. Die Anwendung von Sprichwörtern in biblischer Zeit ist nicht rekonstruierbar, da dies immer in einer spezifischen Situation geschieht.
Die Weisheit ist kein abstrakter Begriff, sondern zeigt sich in praktischem Lebenswissen und der „Navigationskunst“ als lebenslangem Lernen. In den ersten neun Kapiteln bietet das Sprichwörterbuch sehr unterschiedliche Bilder der lebensdienlichen „Frau Weisheit“.
Das Modell der Salutogenese kann als Zugang zum Sprichwörterbuch hilfreich sein. Die ganzheitliche Einheit des Menschen wird betont. Kommunikation ist ein zentrales Thema des Buches. Außerdem hat die Weisheit neben dem gelingenden Leben eine weitere Auswirkung: Heilung ist die Wirkung von Weisheit. Mit dieser Metapher wird die Macht von Rede und Kommunikation verdeutlicht: Worte können lebensspendend sein.
Sprüche, die falsch verstanden werden, führen auf keinen Holzweg, sondern in die Tiefe: Durch mehrmaliges Durcharbeiten schulen sie das Denken und helfen dabei, sich im eigenen ethischen Wertesystem zurechtzufinden.
Magdalena Lass betonte, schwierige biblische Texte nicht als Gefahr, sondern als besondere Lernchance, sich damit auseinanderzusetzen, wahrzunehmen.
Weiß: Wege zu heilsamen Begegnungen durch die befreiende Kraft des Wortes
Viola Weiß, Krankenhausseelsorgerin in der Diözese Gurk-Klagenfurt und Mitglied im Bibelpastoralen Beirat und im Kuratorium des Österreichischen Katholischen Bibelwerks, führte in zwei Vorträgen vor dem Hintergrund der Salutogenese und ihrer Erfahrungen in der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen in das Spannungsfeld von Gesundheit und Krankheit und die soziale Dimension des menschlichen Lebens ein. Immer wieder lud sie ein, in den Tischgruppen in kurzen Gesprächen das Gehörte zu vertiefen.
Die Salutogenese geht davon aus, dass sich das menschliche Leben zwischen den Polen „gesund“ und „krank“ bewegt. Sie legt das Augenmerk auf die Potenziale des Menschen. Ein zentraler Begriff ist Kohärenz, der sich in Verstehen, Sinn und Machbarkeit der Lebenssituation und des Lebens insgesamt unterteilt. Diese Faktoren sind zentral für die Gesundheit und werden durch eine feste Beziehungsperson in der Kindheit grundgelegt. Menschen sehnen sich nach Stabilität, doch es braucht Bewegung und Energie im Leben. Stillstand blockiert. Die Selbstheilungskräfte können durch soziale Beziehungen, die eigene Lebendigkeit und das Körperempfinden gestärkt werden.
In herausfordernden Situationen kommt der Kommunikation eine wichtige Rolle zu. Das gelingende Leben äußert sich in einem sozialen Netz, erfüllten Sehnsüchten und der Versöhnung mit der eigenen Lebensgeschichte. Dazu gehören auch viele Lebensübergänge. Leid ist eine Seite jedes Lebens und wird in der heutigen Gesellschaft sehr ausgeklammert. Der sterbende Mensch bestimmt, wann er geht. Bereits seit dem sechsten Jahrhundert werden Sterbebettvisionen beobachtet: Die Sterbenden lassen ihre Angst vor dem Tod zurück, weil sie erwartet werden. Die meisten schwerkranken Menschen wollen nicht kürzer leben. Sie wollen bis zum letzten Moment leben. Dank der fortgeschrittenen Palliativmedizin können heute Menschen in Würde und Ruhe gehen. Es ist eine Situation, in der nonverbale Kommunikation eine wichtige Rolle einnimmt.
In ihren Abschlussplädoyer betonte Viola Weiß die wichtigste Aufgabe der Krankenhausseelsorge: Dableiben, dem Menschen Zeit schenken und ihn auf seinem Lebensweg begleiten. Dabei tut biblische Sprache den Menschen gut, besonders wenn die Umstände sprachlos machen. Kranke suchen sie aktiv als Orientierungshilfe auf. Es geht um Beziehungen und Bindungen, die halten, wenn es um das Existenzielle, Leben und Tod, geht.
Workshops: Von Bibel-Spa bis Bibliosyst
Am Freitag konnten die Teilnehmenden aus insgesamt neun Workshops wählen, die von in der Bibelpastoral Tätigen aus allen österreichischen Diözesen geleitet wurden. Die Auswahl für zwei Workshops fiel einigen sehr schwer, da das Angebot von biblischer Weinverkostung, Textarbeiten, kreativen und meditativen Workshops breit gefächert war. Mario Bachhofer aus der Diözese Eisenstadt lud ein zu Weisheit dekantiert – Heilsames aus Bibel & Wein mit Nachklang, Markus Ferstl aus der Diözese St. Pölten stellte unter dem Motto „Ich bin das Licht der Welt!“ – Eine Heilungsgeschichte mit Bibliosyst erschließen einen methodischen Ansatz vor. Pia Hecht aus der Erzdiözese Wien entführte Teilnehmer:innen ins Bibel-Spa (Kreatives und Entspannendes im Bibel-Spa), Karin Hintersteiner aus der Diözese Linz wiederum widmete sich dem Thema Vom „Hören“ in biblischen Texten. Inge Lang aus der Diözese Graz-Seckau wandte sich unter dem Titel Das Heilende des Sprechens und Hörens der Wirksamkeit von Worten in Begegnungen zu, Elena Mizrachi aus der Diözese Innsbruck erschloss das Buch der Sprichwörter als Kraftquelle für Leib und Seele in den alttestamentlichen Sprichwörtern. Mit dem PubQuiz: Dem Buch der Sprichwörter auf der Spur stellte Lisa Stockhammer vom Österreichischen Katholischen Bibelwerk das Wissen der Teilnehmer:innen auf die Probe, Heinrich Wagner aus der Erzdiözese Salzburg wiederum tauchte in Neue Methoden der ganzheitlichen Bibelarbeit ein. Und Hermann Wilhelmer aus der Diözese Gurk-Klagenfurt erkundete heilsame Begegnungen mit sich selbst und anderen unter dem Motto „Wer auf das Wort achtet, findet Glück ...“ (Spr 16,20) – Sprache und Begegnungen.
Rahmenprogramm: Poetisch-Musikalisch-Clowneskes, Kulinarisches und Informatives
Mit einem Programm aus Poesie, Musik und Clownerie führten Katharina Kovacevic und Edouard Raix von den CliniClowns am Donnerstagabend in eine andere Welt, in der Kommunikation sehr viel Leichtigkeit erfährt. Der zweite gemeinsame Abend lockte mit einem Festbuffet zum gemütlichen Beisammensein. Die Buchhandlung Buch & Segen der Diözese Linz lud mit einem breiten Angebot am Büchertisch zum Erkunden, Schmökern, Informieren und Kaufen biblischer (und spiritueller) Bücher und Geschenke ein.
Liturgische Feiern: Begleitet durch den Tag
Liturgische Feiern rundeten die Tage ab. Jede einzelne Feier war atmosphärisch sehr dicht und eine besondere Erfahrung für jede und jeden Teilnehmer:in.
Text: Magdalena Görtler | Fotos: Stefanie Petelin
