
Eine große Glasplatte –
unregelmäßig gebrochen und wieder zusammengesetzt, die Bruchlinien vergoldetet
– gehalten von vier Holzwürfeln mit der Flächengröße der Kreuzwegtafeln: Das
ist das Auferstehungsbild der Kirche von Treffling.
Auch wenn wir es gerne so hätten:
Das Leben ist nicht glatt wie eine Acrylglasscheibe und die Lebenswege
verlaufen nie so gerade wie ein Strich gezogen mit dem Lineal. Jeder
Lebensentwurf kennt Brüche. Unregelmäßig, unerwartet, ungeplant brechen
hoffnungsvoll begonnene Weg urplötzlich ab. Unberechenbar entwickelt sich
kaum Beachtetes zum unüberwindbaren Hindernis. Scherben gehören dazu zum
„Bauplatz Leben“.
Freilich zeigen wir das nicht
gerne her. Wir vertuschen das lieber, weichen aus, verhängen die Brüche mit
diesem und jenem, lenken davon ab. Unser Auferstehungsbild konfrontiert uns
mit der Brüchigkeit des Lebens in glasklarer Deutlichkeit. Da gibt es kein
Entfliehen. Ganz markant ziehen sich die Bruchlinien wie tiefe Furchen durch
das geglättete Kunstglas.
Doch das Bild liefert auch einen
gläubigen Hoffnungsstrahl mit: Der, der den Holzbalken hinaus getragen hat
nach Golgotha, hält unser gefährdetes Leben. Wie im weit aufgespannten Kreuz,
umfängt er es liebevoll. Nichts ist mehr verloren. Nichts ist umsonst und
wertlos. Die Brüche sind dadurch weder vertuscht noch verharmlost. Aber sie sind
im Letzten vom Kreuz der Liebe umfangen.
Und ganz kühn fügt der Künstler
noch hinzu: gerade in den Bruchlinien des Lebens leuchtet das Gold der
Vollendung durch – das Gold auf den Bruchlinien ist das einzige Gold im ganzen
Kirchenraum! Gerade die schweren Zeiten können zu Wegstrecken besonderer Tiefe
und inneren Wachstums werden.