Dienstag 26. September 2017
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Resonanz in der Erwachsenenbildung

In den Sozialwissenschaften und den Handlungsfeldern, die auf sozialwissenschaftlichen Grundlagen beruhen, macht seit einigen Jahren ein „neuer“ Begriff die Runde: „Resonanz“.

Der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa hat ihn in die Diskussion eingebracht — durch eine Reihe von Büchern und eine Vielzahl von Aufsätzen. Es ist an der Zeit, die Bedeutsamkeit dieses Begriffes auch für die Bildungsarbeit fruchtbar zu machen. 

 

 

Wer Zeit hat für die ihn umgebende Welt,

kann beflügelt und bewegt werden.

 

Ausgangspunkt von Rosas Überlegungen ist die allgegenwärtige Erfahrung, dass unser Leben immer schneller wird. Beschleunigung erleben wir dabei in ganz unterschiedlichen Bereichen:

  • Zum einen machen technische Entwicklungen alles schneller und die technische Evolution vollzieht sich auch immer schneller: Der Transport von Personen und Waren hat an Tempo gewonnen: ICEs und Railjets ermöglichen z. B. immer kürzere Fahrtzeiten — vom Reisen per Flugzeug ganz zu schweigen (vielfach auch innerhalb des eigenen Landes). 
    Wo früher ein Brief mehrere Tage gebraucht hat, um bei dem/der EmpfängerIn anzukommen, da ist heute eine E-Mail in Sekundenschnelle beim Adressaten — und natürlich wird zumeist auch eine prompte Antwort erwartet. 
    Und auch in der Industrie wird immer schneller produziert: Neue Handys, Tabletts und PCs sind quasi schon Wochen nach der Markteinführung veraltet. 
  • Rosa spricht auch von einer „geistigen Beschleunigung“: Wissensbestände veralten schneller. Was gestern noch gültig war, muss heute schon nicht mehr stimmen. Eine Modewelle löst die andere ab. Nachrichten und Informationen überschlagen sich in den unterschiedlichsten Medien.
  • Und auch soziale Verhältnisse haben sich beschleunigt: Frühere Generationen waren oft lebenslange in einem Beruf bei einem Arbeitsgeber tätig. Heute haben wir es mit Berufsbiografien zu tun, in denen Frauen und Männer regelmäßig ihre Stellen wechseln (müssen). Wer länger als fünf bis sieben Jahre auf einer Stelle oder bei einem Arbeitgeber verharrt, wird heute vielfach schief angeschaut. Politische Positionen und religiöse Ausrichtungen werden rasch aufgegeben. Und auch die zwischenmenschlichen Kontakte und Beziehungen haben an Fahrt aufgenommen. Man spricht dann z. B. vom „LebensabschnittsgefährtInnen“.

Hat sich nicht auch die Bildungsarbeit beschleunigt?

Mit wie vielen Ansätzen und Konzepten haben sich Bildungseinrichtungen in den vergangenen Jahren befasst: Qualitätssicherung, e-learning, Nutzenorientierung u. a.? Kaum war das eine Projekt abgeschlossen, wurde mindestens ein weiteres begonnen. Wie schnell werden in der Erwachsenenbildung die unterschiedlichsten Themen behandelt? Es besteht kaum die Möglichkeit, sich eines Themas einmal länger und vertiefend anzunehmen. Und auch in den Seminaren und Vorträgen soll es möglichst schnell vorangehen: „Lassen Sie einmal die Gruppenarbeit und Spielchen weg — wir wollen lieber, dass Sie uns möglichst viel erzählen!“


Diese vielfältige Beschleunigung in unserer Gesellschaft hat ihren Preis: 

  • Zum einen macht sie uns müde und erschöpft. Hartmut Rosa benutzt hier das Bild abrutschender Hänge: Wir versuchen einen Berg zu besteigen, der ins Rutschen gekommen ist. Wir müssen immer schneller laufen, um zumindest auf der Stelle zu bleiben und nicht mit dem Hang abzurutschen. Wer vorankommen und aufsteigen will, muss sich gar noch mehr anstrengen. Das kostet uns immer Energie und lässt uns ausbrennen. Und Menschen, die aufgrund von Alter, Bildungsrückstand oder Behinderungen nicht mithalten können, werden mit dem Hang in die Tiefe rutschen.
  • Zum anderen entfremden wir uns durch das steigende Tempo der Welt. Wir treten mit ihr immer weniger in Beziehung, weil uns dazu keine Zeit mehr bleibt. Wir rasen beispielweise mit dem Hochgeschwindigkeitszug durch Tunnel und durch die Lärmschutzwände können wir die Landschaft vor dem Fenster nicht mehr genießen. Wir eilen von Termin zu Termin und haben keine Zeit für Dialog und Begegnung. Wir essen schnell etwas im Stehen oder im Gehen und verlieren die Dankbarkeit für die Natur und die Menschen, die uns diese Nahrung zur Verfügung gestellt haben …

Können wir auch diese Aussagen auf die Erwachsenenbildung übertragen? Inwieweit macht die Erwachsenenbildung mit und unterstützt Beschleunigung und Entfremdung? Wie sieht es mit unserer persönlichen Belastung als BildungswerkleiterIn oder BildungsreferentIn aus? Haben wir nicht auch zuweilen das Gefühl, auf abrutschen Hängen zu arbeiten: zwischen thematischen Modewellen und steigenden Ansprüchen, zwischen gesellschaftlichen Herausforderungen und institutionellen Vorgaben? Und wieviel Nähe oder Entfremdung verspüren wir zu unseren Zielgruppen? Haben wir einen guten Kontakt zu ihnen? Inwieweit berühren uns die Themen noch, zu denen wir Seminare und Vorträge anbieten? Inwieweit sind sie zur „Ware“ geworden?

Durch Langsamkeit in Beziehung treten

Der Soziologe Hartmut Rosa empfiehlt sozusagen als Gegenmittel zu Beschleunigung und Entfremdung: Entschleunigung und Resonanz. Wenn wir wieder langsamer planen und leben, dann können wir wieder in Beziehung treten: zu uns selbst (unseren Bedürfnissen und Sehnsüchten) und zu anderen, zur Kultur, Natur sowie auch zum Transzendenten oder Göttlichen. Wer „langsam macht“, kann sich wieder be- und anrühren lassen. Wer entschleunigt, kann sich wieder einlassen und Neues zulassen. Wer Zeit hat für die ihn umgebende Welt, kann beflügelt und bewegt werden. Wer nicht schnell über jemanden oder etwas hinweg geht, macht sich auch verletzlich und kann von der jeweiligen Situation ergriffen werden. 


Wenn wir auf diese Weise mit uns selbst, anderen und anderem in Beziehung treten, dann werden wir verändert aus dieser Begegnung herausgehen. In dieser Wechselwirkung und Resonanz werden wir „gebildet“.


Was bedeutet das für die Bildungsarbeit? Auf welche Herausforderungen und Themen wollen wir uns längerfristig einlassen — jenseits von „Bildungszapping“ und „Seminarnomadentum“? Wo haben die MitarbeiterInnen in der Bildungsarbeit Zeit und Muße, um miteinander in Dialog und Begegnung zu kommen und neue Angebote zu entwickeln? Wie kommunizieren wir mit unseren Zielgruppen? Inwieweit lassen wir uns von den Inhalten berühren oder behandeln wir Themen? Und was bedeutet das alles für die Bildungsplanung und die didaktische Gestaltung von Vorträgen und Seminaren?
Der Verdienst von Hartmut Rosa liegt darin, mit dem Resonanz-Begriff an eine vergessene Dimension des Umgangs mit der Welt erinnert zu haben. Er hat damit auch die Erwachsenenbildung herausgefordert darüber nachzudenken, wie sie Bildungsangebote plant und durchführt. Es wäre zu wünschen, dass das Thema „Resonanz“ nicht — wie so viele andere Themen — mal schnell abgearbeitet wird. Wünschenswert wäre es, dass ErwachsenenbildnerInnen mit dem Thema „Resonanz“ selber in Beziehung treten und längerfristig nachdenken und –spüren, was es für die (kirchliche) Bildungsarbeit bedeuten könnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Hubert Klingenberger,

freiberuflicher Dozent, Buchautor, Coach und pädagogischer Berater

 


Zum Weiterlesen:
Rosa, Hartmut (2016). Resonanz: eine Soziologie der Weltbeziehung (4. Auflage). Frankfurt: Suhrkamp.
Rosa, Hartmut & Endres, Wolfgang (2016): Resonanzpädagogik: wenn es im Klassenzimmer knistert (2., erweiterte Auflage). Weinheim: Beltz.
Trojanow, Ilja (2015). Der überflüssige Mensch: Unruhe bewahren. München: dtv.

 


 

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