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Christlich geht anders

Solidarische Antworten auf die soziale Frage

Das Katholische Bildungswerk OÖ unterstützt die Initiative „Christlich geht anders. Solidarische Antworten auf die soziale Frage“ und setzt bereits seit langem Zeichen im Sinne dieser Initiative. 

Neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte hat einen Prozess in Gang gesetzt, der bei vielen Menschen Zukunftsangst provoziert hat. Der steigende Reichtum einer kleinen Oberschicht - national wie global - und zunehmend prekäre Beschäftigungsverhältnisse, bedrohten staatliche Absicherung bei Armut und Krankheit sowie die vermehrten Abstiegsängste auch bei Mitgliedern der Mittelschicht erzeugten wachsende Unsicherheit in allen Teilen der Bevölkerung. Hoffnungslosigkeit und Wut steigt bei immer mehr Menschen, die sich um ihre Chancen und die ihrer Kinder gebracht fühlen und (oft auch zu Recht) finden, dass sie „zu kurz kommen“. In Europa sind politische Parteien und Bewegungen des rechten bzw. rechtsextremen Spektrums im Vormarsch, welche diese Gefühle gezielt ansprechen und verstärken. „Die“ Flüchtlinge oder „die“ Muslime werden zu „Sündenböcken“ erklärt und dadurch zur Zielscheibe diffuser Ängste und Wut. Dialog und Pluralität, Solidarität und Demokratie werden zunehmend abgewertet, ausgehöhlt und durch scheinbar einfache Lösungen ersetzt. 

 

Bewusstsein für sozialen Zusammenhalt fördern

In unserer Gesellschaft und auch in unseren christlichen Gemeinschaften muss der soziale Grundwasserspiegel wieder steigen. Die noch junge ökumenischen Initiative „Christlich geht anders. Solidarische Antworten auf die soziale Frage“ hat sich zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein für den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft und für organisierte Solidarität in Form eines gut ausgebauten Sozialstaates zu stärken. Auf dem Spiel steht nichts weniger als der menschenrechtliche Grundkonsens, der gleichzeitig ein Kristallisationspunkt der christlichen Botschaft ist: Alle Menschen haben die gleiche Würde! Die Glaubwürdigkeit von ChristInnen wird aber daran gemessen, wie sie sich zu Armgemachten und Fremden stellen (vgl. Mt. 25,40). Auch die Qualität einer Gesellschaft bemisst sich daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Die alte jüdisch-christliche Frage nach Gerechtigkeit und Frieden ist heute eine Frage von Zugang zu und Verteilung von Gütern und Chancen. 

 

Solidarische Lösungen anstreben

„Christliche geht anders. Solidarische Antworten auf die soziale Frage“ zielt auf eine soziale Erneuerung ab. Jeder/jedem Einzelnen geht es dann besser, wenn wir uns am Gemeinwohl und am Anderen orientieren und solidarische Lösungen anstreben: eine gerechte Verteilung von Einkommen, gerechte Steuern, eine Gesellschaft, in der Pluralität geschätzt wird und ein Sozialstaat, der weiterhin dazu beiträgt, Armut zu vermeiden. Schon 2003 formulierte das Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich: „Die Kirchen treten ein für eine den heutigen Herausforderungen entsprechende Weiterentwicklung des Sozialstaates und deshalb für eine breite Diskussion aller gesellschaftlichen Kräfte darüber, wie eine grundlegende sozialpolitische Absicherung für alle eingerichtet werde kann“ (Nr. 225).

 

Gefordert wird außerdem eine Rückbesinnung und Umkehr von politischen AkteurInnen, die uns WählerInnen oftmals mit Ausweichmanövern beschäftigen. Denn: Wussten Sie, dass in Österreich gleich viele MillionärInnen leben wie AsylwerberInnen? Wussten Sie auch, dass die Ausgaben für die Mindestsicherung nur ca. 0,8% aller Sozialstaatsausgaben in Österreich ausmachen? Das Bild, das in der Öffentlichkeit gezeichnet wird spricht eher die Botschaft: „Wir kümmern uns um Eure Probleme — geht es Euch nicht gut, dann sorgen wir dafür, dass es auch Anderen nicht gut geht.“ Ablenkungs- und Täuschungsmanöver vonseiten politischer AkteurInnen werden die Auseinandersetzungen wohl auch der nächsten Jahre bestimmen: zentrale humanitäre und christliche Werte werden zwar im Wort geführt, faktisch jedoch zunehmend ausgehöhlt werden.

 

Pluralität schätzen und solidarische Lösungen anstreben

 

Es braucht mutige Menschen

Heute braucht es mehr denn je ChristInnen, die sich in ihren Handlungsbereichen — in der Gemeinde, in der Pfarre, im Betrieb, in der Blasmusik, am Golfplatz oder wo auch immer — dafür einsetzen, dass Nächstenliebe in einem starken Sozialstaat strukturell verankert bleibt; dass wir alle — mit Papst Franziskus — die Sorge um das gemeinsame Haus wachhalten und uns besonders den Menschen an den Rändern einer Gesellschaft zuwenden müssen. Dass wir als ChristInnen die Sehnsucht nach dem guten Leben für alle auch in die Politik hineintragen: „Sich in die Politik einzubringen ist für einen Christen ein Muss. Wir müssen uns in die Politik einmischen, denn die Politik ist eine der höchsten Formen der Nächstenliebe, denn sie sucht das Gemeinwohl. Und Laien müssen sich in der Politik einsetzen“ (Papst Franziskus, 2013 auf Radio Vatican).

Die ökumenische Initiative „Christlich geht anders. Solidarische Antworten auf die soziale Frage“ sorgt sich darum, den „sozialen Grundwasserspiegel“ zu heben. Die entstehende soziale Bewegung, die aus den christlichen Kirchen kommt, aber darüber hinausgehen soll, hat zum Anliegen die soziale Erneuerung der Herzen, des Denkens, des Redens und des Tuns in Zivilgesellschaft, Wirtschaft und wie auch der Politik zu bewirken. Es geht darum, in der breiten Bevölkerung die „Kultur der Gleichgültigkeit“ durch eine „Kultur der Solidarität“ (Papst Franziskus) zu ersetzen. Dafür braucht es engagierter BürgerInnen (gerade auch ChristInnen) die auf solidarische Lösungen, einen aktiven Sozialstaat, gerechte Steuerpolitik und damit auf echte, menschenwürdige Lösungen für die soziale Frage von heute pochen. Es braucht mutige Menschen, die aufklären und mit Entschiedenheit auf rote Linien im politischen Gespräch und in den politischen Entscheidungen aufmerksam machen, wenn es darum geht, die Würde von Menschen zu schützen. 
Auch wenn nicht alle Lösungen schon zur Hand sind, auch wenn diese Bewegung nicht friktionsfrei ablaufen wird: Es braucht den Dialog und den Willen, gemeinsam danach zu streben, dass ein gutes Leben für alle Realität wird.

 

Dr.in Magdalena M. Holztrattner M.A.,

Theologin, Armutsforscherin, Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreichs

 


 


 

 

Die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe steht im Zentrum des christlichen Glaubens. Sie wird gelebt durch den Einsatz für Mitmenschen und für Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Wer sich auf den christlichen Gott beruft und dabei auf den Nächsten vergisst, verkehrt die christliche Botschaft in ihr Gegenteil.


Christlicher Glaube macht Mut und Hoffnung. Wer Ängste schürt und Menschen gegeneinander ausspielt, zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt.


ChristInnen sind solidarisch mit den Schwachen. Die Liebe zu Gott ist untrennbar mit der Sorge um die Armen verbunden. Wie wir den Geringsten einer Gesellschaft begegnen, so begegnen wir Gott selbst (Mt. 25,40). Wer Arme bekämpft, bekämpft das Christentum.


Kirchen fordern einen aktiven Sozialstaat. Ein Sozialstaat ist organisierte Solidarität. Gegenseitig schützen wir uns so vor den Grundrisiken des Lebens: Erwerbslosigkeit, Prekarisierung, Armut und Not. Angriffe auf den Sozialstaat sind immer auch Angriffe auf uns alle, verstärkt aber auf jene, die einen starken Sozialstaat besonders brauchen.


Ein gerechtes und soziales Steuersystem ist im Sinne der Kirchen. Wir lehnen daher eine Steuerpolitik ab, die viele übermäßig belastet, Vermögen und hohe Einkommen aber schont.


Als ChristInnen fordern wir ein gutes Leben für alle in Frieden und sozialer Gerechtigkeit. Dafür bilden wir ein wachsendes Bündnis von engagierten ChristInnen gemeinsam mit anderen, gerade auch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen.

 

Bitte jetzt unterschreiben unter www.christlichgehtanders.at 
 

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