Dienstag 19. Februar 2019

„Stille Nacht, heilige Nacht“: Ein Lied geht um die Welt

„Stille Nacht, heilige Nacht“ ist das wohl beliebteste Weihnachtslied der Welt. Aber wie fand es seinen Weg von Oberndorf bei Salzburg in die Welt? Eine Spurensuche.

Man geht davon aus, dass „Stille Nacht, heilige Nacht“ von rund 2 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt mehr als 300 Sprachen und Dialekten gesungen wird: von Afrikaans bis Walisisch und – in besonders stiller und ästhetischer Weise – auch in Gebärdensprache. In vielen Sprachen gibt es sogar mehrere Übersetzungsvarianten – so existierten im Englischen etwa 40 Versionen! Von den ursprünglich sechs Strophen werden in Österreich übrigens meist die erste, zweite und sechste Strophe gesungen. 2011 wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.

 

Von Oberndorf nach Amerika

 

Wie verbreitete sich nun „Stille Nacht, heilige Nacht“ vom beschaulichen Ort Oberndorf aus in die ganze Welt? Interessant ist, dass das Lied in der näheren Umgebung seines Entstehungsortes erst viel später zum Durchbruch gelangte, als es schon seinen Weg nach Tirol, Europa und Amerika gefunden hatte. In seiner Heimat Salzburg wurde es erst 1866 in ein „offizielles“ Kirchenliederbuch aufgenommen …

 

Wie und wann das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ ins Tiroler Zillertal kam, ist nicht belegt. Überliefert ist, dass ein Orgelbauer aus Fügen im Zillertal wesentlich dazu beigetragen hat. Karl Mauracher erhielt 1821 den Auftrag, die Orgel in der Kirche St. Nikola in Oberndorf zu reparieren bzw. sie in der Folge (1825) neu zu bauen. In dieser Zeit, aber vielleicht auch schon bei Arbeitseinsätzen in Oberndorf davor dürfte er das Lied kennengelernt und mit in seine Heimat gebracht haben.

 

Orgelbauer Karl Mauracher aus dem Zillertal

Durch den Tiroler Orgelbauer Karl Mauracher dürfte das Lied ins Zillertag gelangt sein. 

© Stille Nacht Gesellschaft/Heimatverein Fügen i. Zillertal

 

Aus dem Zillertal nach Europa „exportiert“ wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ von den Sängerfamilien Rainer aus Fügen und Strasser aus Laimach. Bereits 1819 sollen die Ur-Rainer-Sänger das Lied in der Christnacht in der Fügener Kirche zum Besten gegeben haben. Überliefert wird auch, dass ebenfalls die Rainer 1822 im Schloss des Grafen Dönhoff in Fügen „Stille Nacht, heilige Nacht“ vor hohem Besuch sangen: vor Kaiser Franz I. von Österreich und Zar Alexander I. von Russland. In den Jahren 1824 und 1825 führen Konzertreisen die Rainer nach Deutschland und England – ob sie dabei das Lied im Repertoire hatten, lässt sich nicht mehr nachverfolgen.

 

Heimatmuseum Fügen mit einer ausführlichen Dokumentation zu den Rainer-Sängern

Das Heimatmuseum Fügen mit einer ausführlichen Dokumentation zu den Rainer-Sängern. © Stille Nacht Gesellschaft/Heimatverein Fügen i. Zillertal

 

Belegt ist die Aufführung des Liedes durch die Geschwister Strasser aus Laimach für den 15. Dezember 1832 in Leipzig, von der das Leipziger Tagblatt berichtet. Die Strassers waren fahrende Händler, die handgefertigte Produkte aus der Heimat während der Wintermonate auf Märkten in zum Kauf anboten. Das Singen von Tiroler Liedern erhöhte die Aufmerksamkeit möglicher KäuferInnen, die Ware verkaufte sich besser. Unter den „Verkaufsschlagern“ der Geschwister Strasser war auch das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“.

 

Der Aufführung in Leipzig folgte der Erstdruck, vermutlich 1833 durch den Verlag A. R. Friese (Dresden und Leipzig). Im Notenheft mit dem Titel "Vier ächte Tyroler Lieder" findet sich auch „Stille Nacht, heilige Nacht“ – allerdings als Tiroler Volkslied und ohne die Namen der beiden Urheber. 2016 tauchte in einem Wiener Antiquariat ein bislang unbekannter Druck des Liedtextes von „Stille Nacht, heilige Nacht“ auf. Es dürfte sich dabei um den Text-Erstdruck aus der Zeit vor 1832 handeln, der von Buchdrucker Joseph Greis aus Steyr hergestellt wurde. Der Text ziert die letzten beiden Seiten eines Bändchens mit dem Titel „Vier schöne neue Weihnachts-Lieder“. Auch hier wird „Stille Nacht, heilige Nacht“ als Volksweise angegeben, die beiden Schöpfer des Liedes werden nicht genannt.

 

Erster Stille-Nacht-Textdruck in Steyr vor 1832 bewiesen

Der erste Stille-Nacht-Textdruck stammt aus Steyr. © Stille Nacht Gesellschaft

 

Dass Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber heute als Urheber bekannt sind, ist König Friedrich Wilhelm IV. zu verdanken. Seine Königlich-Preußische Hofkapelle erbat 1854 vom Benediktinerstift St. Peter eine Abschrift des Liedes. So stieß man auf Franz Xaver Gruber, der zu dieser Zeit in Hallein lebte. Dieser verfasste daraufhin seine „Authentische Veranlassung“, in der er die Entstehungsgeschichte von „Stille Nacht, heilige Nacht“ festhielt.

 

1839 brach die nächste Generation der „Rainer-Sänger“ zu einer vierjährigen Konzertreise nach Amerika auf. Mit im Repertoire: das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Dessen Aufführung in der „Neuen Welt“ ist für den Weihnachtstag 1839 überliefert: in New York, vor dem Alexander Hamilton Memorial im Friedhof der Trinitiy Church am Ende der Wall Street.

 

Gemälde zur Aufführung von 'Stille Nacht, heilige Nacht' in New York durch die Geschwister Strasser.

Ein Gemälde zeigt die Aufführung von „Stille Nacht, heilige Nacht“ in New York. 

© Stille Nacht Gesellschaft/Heimatverein Fügen i. Zillertal

 

Ein Lied, das Völker und Kontinente verbindet

 

Zur Jahrhundertwende wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“, verbreitet durch katholische und protestantische Missionare, bereits auf allen Kontinenten gesungen. Im Ersten Weltkrieg wurde es 1914 in Flandern, rund um das belgische Städtchen Ypern, quer über die Schützengräben hinweg von verfeindeten Soldaten an der Westfront gesungen. Und zu Weihnachten 1941, wieder in Kriegszeiten, sangen Franklin D. Roosevelt, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, und Winston Churchill, Premierminister des Vereinigten Königreiches, gemeinsam „Stille Nacht, heilige Nacht“ im Garten des Weißen Hauses.

 

In Zeiten von Social Media verbreiten sich Wissenswertes rund um DAS Weihnachtslied und seine Varianten in allen Sprachen und Musikstilen natürlich noch viel schneller. Sucht man auf Google nach „Stille Nacht, heilige Nacht“, erhält man mehr als eine Million Einträge; auf YouTube sind es über 200.000 Einträge – Tendenz steigend.

 

200 Jahre nach seiner Uraufführung in Oberndorf erreicht das „Wiegenlied“ im 6/8-Takt für das Kind in der Krippe, den menschgewordenen Sohn Gottes, Menschen in den entlegensten Gebieten der Erde. Es rührt auf ganz besondere Weise das Herz an und verbindet Menschen auf der ganzen Welt am Heiligen Abend miteinander – in ihrer Sehnsucht nach Heil-Sein, Liebe und Frieden.

 

(be)

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Gitarre und Noten sind bereit für „Stille Nacht, heilige Nacht“

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