Saturday 19. October 2019

Die Berufung auf den Platz

Zweimal wöchentlich trainiert Elisabeth Siegl mit der Damen-Fußballmannschaft Vöcklabruck. Es geht ihr um den körperlichen Ausgleich, die Freude an der Bewegung und am Teamsport. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, aber: Sie ist Ordensschwester.

Für ihre Mitschwestern war es zunächst „Neuland“, wie die Don-Bosco-Schwester sagt, doch ihr Fußball-Hobby ist im Orden abgesprochen und willkommen. „Don Bosco war selbst ein Sportspielfan, also ist es im Grunde sehr salesianisch, was ich da mache“, ist Sr. Elisabeth überzeugt. Selbstverständlich haben die Ordenstermine Vorrang, der Mannschaftssport ist phasenweise zeitintensiv. Immerhin spielt der VBSC in der Meisterschaft, das bedeutet im Frühling und Herbst fast jedes Wochenende ein Spiel. „Man hat nicht immer Zeit und andere Prioritäten. Aber wenn es sich gut ausgeht, freut es mich“, erklärt die im Verein „Lisbeth“ genannte Fußballerin. Ihr Ordensleben ist dort Nebensache, so wie allgemein Herkunft, Beruf, soziale Schicht der Spielerinnen weniger eine Rolle spielen.

 

Zweimal wöchentlich trainiert Schwester Elisabeth mit der DamenFußballmannschaft des VBSC.
Foto: Don-Bosco-Schwestern 

 

„Ich wurde gefunden“

 

Die Fußballbegeisterung scheint der 41-Jährigen in die Wiege gelegt: Schon als Kind kickte Elisabeth mit ihren Cousins, mit dem Vater besuchte die Klosterneuburgerin oft den Fußballplatz. Wie er und der Großvater bleibt sie der Lieblingsmannschaft treu: „Ich bin und bleibe Rapid-Fan, das wird sich nicht ändern.“ Mit 22 spielte sie im Hobbyverein St. Andrä-Wördern, später beim USC Landhaus. Mit ihrem Ordenseintritt sechs Jahre später sah sie ihre Fußballlaufbahn beendet. Doch es kam anders. Ihre Rückkehr zum Fußball ähnelt einer Berufungsgeschichte: Nach dem Ablegen der Ewigen Profess 2012 meldete sich der sportliche Leiter des SC Schwanenstadt-Ladies, der von der Fußballbegeisterung der Ordensschwester gehört hatte. „Es war unglaublich: nicht so, dass ich auf die Suche gehen musste – ich wurde praktisch gefunden“, schwärmt die DonBosco-Schwester. Die damals 37-Jährige folgte der Einladung: „Natürlich bin ich nicht mehr so jung und laufe so spritzig wie eine 20-Jährige, aber ein bisserl mithelfen kann man immer im Team, mir hilft die Routine.“

 

Die Ordensberufung hatte einen ähnlichen Charakter, stellt Sr. Elisabeth fest: „Das habe nicht ich mir ausgesucht, sondern ich habe das Gefühl gehabt, Gott will mich, er bietet mir diesen Platz an, um glücklich zu sein. Ich habe die Freiheit, Ja oder Nein zu sagen.“

 

Vergleich Orden – Fußball

 

Gerne vergleicht die DonBosco-Schwester das Ordensleben mit dem Teamsport: „In beiden Bereichen brauchen wir einander, um Erfolg zu haben, der Alleingang funktioniert nicht. Man gewinnt und verliert gemeinsam, kann sich austauschen und kreativ sein, ist in der Offensive oder in der Defensive. Oder gar nicht am Ball, macht leere Meter – doch auch die sind wichtig. Es ist jeder gleich viel wert – auf die gemeinsame Sendung kommt es an. Du hast einen einzigartigen Platz in der Gemeinschaft, den nur du ausführen und deine Talente einbringen kannst. Ich vergleiche das gerne mit der Rückennummer am Leiberl.“ Denn diese gibt es nur einmal am Feld. Als Trikotnummer hat sich die als Libero spielende Ordensfrau übrigens bewusst die Nummer 3 gewählt: „Sie steht für Dreifaltigkeit und ist die göttliche Zahl, mit der gehe ich auf den Platz.“

 

„Selbstverständlich“ wird die Don-Bosco-Schwester die Fußball-EM verfolgen. „Ich halte natürlich zu Österreich“, so Elisabeth, die Spieltermine der Nationalelf stehen bereits im Kalender. Ihr Tipp: „Mit den Deutschen muss man immer rechnen, aber ich freue mich über Außenseitersiege.“ Sr. Elisabeth blättert das Fußball-Sticker-Heft durch und ist sich sicher: „Es wird spannend!“

 

Lisa Schweiger-Gensluckner lisa.schweiger-gensluckner@ komm.kirchen.net

Quelle: Moment (Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung), Nr. 134 - Mai 2016

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