Thursday 20. June 2019

Österreichs einzige Frau am Steuer eines Rallyeautos

Viktoria Hojas

Viktoria Hojas ist die einzige Fahrerin im österreichischen Rallyesport. Mit ihrer Beifahrerin Daniela Reiterer bildet sie außerdem das einzige Frauenteam. Ein Gespräch über die Faszination für Geschwindigkeit, was Fairness im Wettkampf bedeutet und wie der Glaube helfen kann.

Sport allgemein

 

Welche Sportarten betreiben Sie und in welcher Intensität?

 

Motorsport; Sparte Rallye. Seit 2015 fahre ich im Opel-Corsa-OPC-Cup und generell in der Österreichischen Rallye Staatsmeisterschaft. Westernreitsport; Sparte Reining: Reitertreffen und Turniere, aber hauptsächlich als Ausgleich und zum Freizeitvergnügen.


Warum machen Sie Sport?

 

Schon als Kind waren es diese beiden Bereiche, die mich fasziniert haben. Ehrlich gesagt erbot sich dann im Rallyesport die erste Chance, die ich ergriff, um mich zunächst als Co-Pilot in ein Cockpit zu setzen. Die Faszination und Verankerung in meinem Leben ist derart groß, dass ich mir die Frage des Warums bisher nicht gestellt habe. Sie lässt sich vermutlich am besten mit Leidenschaft für die Geschwindigkeit beschreiben.

 

Viktoria Hojas ist die einzige Fahrerin im österreichischen Rallyesport. © Marco Mayrhofer; rallye-impressions.at

 

Wettkampf & Fairness

 

Warum messen Sie sich und Ihr Können gerne im Wettkampf mit anderen?

 

Wahrscheinlich bin ich einfach ehrgeizig und möchte mich selbst weiterentwickeln und nach meinen Maßstäben verbessern. Da kommt ein Wettkampf gegen andere als Indikator ganz gelegen.

 

Wie gehen Sie damit um, wenn jemand besser ist als Sie?

 

Da ich noch sehr neu im Rallyesport bin (selbst fahre ich seit 2015) und auch keinerlei motorsportliche Fahrerfahrung wie Kartfahren, Rundstrecke etc. habe, gibt es sehr viele bessere Fahrer als ich es bin. Einerseits ergibt sich daraus für mich nicht der Anspruch sämtliche anderen Fahrer „zu schlagen“, sondern zuerst auf mich selbst und meine Fortschritte zu achten. Andererseits sehe ich es als große Chance, von befreundeten Mitbewerbern und deren Erfahrung und Können zu lernen.

 

Wie beeinflusst Sport, Leistung und Wettkampf Ihre Persönlichkeit?

 

Ich war schon immer ein Mensch, der intrinsisch motiviert ist, Dinge die er macht so gut als es mir möglich ist, zu machen. Daher würde ich behaupten, dass Wettkämpfe meiner Persönlichkeit entgegenkommen. Was ich aber gelernt habe ist, dass es nicht ausschließlich die Leistung ist, die einen Menschen ausmachen. Gerade im Rallyesport ist für mich Teamfähigkeit eine der wesentlichsten Eigenschaften für Erfolg im Wettkampf. Die Harmonie zwischen meiner Co-Pilotin und mir und die Kommunikation mit unseren Mechanikern und meinem Papa als Teamchef ist maßgeblich für meine Leistung und für meine Sonderprüfungszeiten auf den Rallyes verantwortlich.

 

Welche Aspekte des Sports zählen für Sie zu den wichtigsten (Sieg, Gemeinschaft, Fairness …)

 

Die Gemeinschaft im Team, Fairness gegenüber den Gegnern, der Spaß an der Sache selbst stehen natürlich ganz oben auf meiner Prioritätsliste. Dennoch ist auch der sportliche Erfolg ein sehr wesentlicher Punkt. Rallyefahren kostet sehr viel Geld, das wir nur dank unserer Sponsoren aufstellen können und gerade da möchte man sich dann steigern.

 

Sport soll natürlich fair sein. Was bedeutet für Sie Fairness in Ihrem Sport?

 

Fairness bedeutet für mich einerseits, sich an die Regeln zu halten. Ich fahre in einem Cup, in dem alle Autos gleich sind. Also wäre es nicht fair, Veränderungen vorzunehmen, die mir fahrerisch Vorteile verschaffen könnten (als Beispiel könnte man einen größeren Restriktor oder eine andere Motorensoftware nennen). Andererseits bedeutet Fairness für mich, meinen Mitstreitern zu helfen und ihnen keine Steine in den Weg zu legen.

 

In diesem blitzblauen Opel Corsa fuhr Viktoria Hojas bei der Wechsellandrallye 2016 auf den 4. Rang im Opel-Corsa-Cup. © HQ Superphoto

 

Sport & Rituale

 

Führen Sie (religiöse) Rituale vor einem Wettbewerb durch?

 

Ich glaube nicht, dass es ein wirklich religiöses Ritual ist. Aber ich denke immer vor dem Start der ersten Sonderprüfung an meine Großmutter. Ich hatte eine sehr starke Bindung zu ihr und seit ihrem Tod – ich war 12 Jahre alt – hab ich irgendwie die Vorstellung, dass sie da oben mein Schutzengel ist und sie hat letztes Jahr bewiesen, dass sie wirklich schnell fliegen kann.

 

Besitzen Sie einen Talisman, einen Glücksbringer o.Ä. – und wenn ja, was?

 

Im Rallyeauto habe ich einen „Glücksknopf“, den ich von Daniela, meiner Beifahrerin, geschenkt bekommen habe.

 

Wie bereiten Sie sich körperlich auf den Wettkampf vor?

 

Gesunde Ernährung und Sport. Ausdauertraining (Laufen und Bergwanderungen) und etwas Muskeltraining. Auch der Reitsport ist gutes Training für die gesamte Körperspannung.

 

Welche mentalen Vorbereitungstechniken sind Ihr Erfolgsrezept?

 

Ich versuche immer, mein Ziel zu fokussieren. Ich stelle mir vor, wie wir durchs Ziel der Sonderprüfung fahren oder auch wie wir über die Zielrampe fahren. Grundsätzlich bin ich kein nervöser Mensch und daher brauche ich keine speziellen Übungen vor dem Start. Wenn ich jedoch im Laufe eines doch langen Rallyewochenendes merke, dass ich weniger Kraft habe, hilft mir die Entspannungstechnik nach Jacobsen recht gut.

 

Sehen Sie eine Verbindung zwischen mentalem Training und Spiritualität?

 

Dass denke ich auf jeden Fall. Jeder Mensch braucht etwas wonach er sich im Leben orientieren kann. Ich finde, je bewusster man sich dessen ist, woran man im Leben glaubt, desto besser kann man sich selbst auf viele Situationen vorbereiten und sich selbst durchführen.

 

Sprung mit dem Opel Corsa auf der Wechsellandrallye. © ir7.at Harald Illmer

 

Sport & Glaube

 

Ist Sport Ihrer Meinung nach die neue Religion? Warum (nicht)?

 

Die Tendenz dazu kann man in der heutigen Zeit, denke ich, nicht von der Hand weisen. Aber nicht nur Sport an sich, sondern in Kombination mit gesunder Ernährung und generell einem gesunden Lebensstil wird für einige Menschen zur „Religion“. Sich selbst Gutes zu tun, ist sicher positiv und einer der Gründe dafür. Aber auch, dass Sport messbar, anseh- und angreifbar ist im Vergleich zur Religion, die heutzutage schon sehr stark unsere Vorstellungskraft fordert.

 

Haben Sie den Glauben in Ihrer Karriere als Hilfe empfunden?

 

Meinen Glauben habe ich abweichend von der römisch-katholischen Religion entwickelt. Er ist mir in allen Lebenslagen, somit auch im Sport, eine Hilfe – nämlich zu wissen nach welchen moralischen Werten man sich im Leben richtet. Außerdem kann die Vorstellung einer höheren Macht auch eine tröstliche sein.

 

Was verbindet Sport und Glaube, was unterscheidet sie?

 

Gemeinschaft verbindet und Leistung trennt sie meiner Meinung nach.

 

Welche Werte gibt es im Sport, die auch im Glaubensleben hilfreich sind oder sein können?

 

Ich denke, soziale Werte und soziales Handeln wie Gerechtigkeit, Glaube und Hoffnung sind Tugenden, die man bestimmt ummünzen kann.

 

Wie stellt sich die Frage nach dem Sinn im (Leistungs-)Sport?

 

Man kann die Frage nach dem Sinn wahrscheinlich in jedem Lebensbereich stellen. Wenn man bedenkt wie viel Geld das Rallyefahren kostet (wobei Geld im Leben bestimmt nicht alles ist!), ist die Frage nach dem Sinn noch aufdringlicher. Die Bereicherung des Lebens durch den Teamsport mit all seinen Höhen und Tiefen, die persönliche Weiterentwicklung auf sehr vielen Ebenen gibt dem Leistungssport Rallyefahren für mich den Sinn. Und ganz ehrlich: Wenn ich auf der Sonderprüfung bin und fahre – es gibt nichts Tolleres – alle anderen Gedanken sind aus dem Kopf und es macht einfach unheimlich Spaß, dann ich hab total Freude daran. Und was, wenn nicht dieses Gefühl gibt dem Leistungssport seinen Sinn?

 

© Daniel Fessl

 

Sieg & Niederlage

 

Was war Ihr größter sportlicher Erfolg bis jetzt und was möchten Sie noch erreichen?

 

Bei der Wechsellandrallye 2016 konnte ich den 4. Platz im Opel-Corsa-Cup, den 12. Platz 2wd und den 24. Gesamtrang einfahren. Ich hoffe, mich laufend weiterentwickeln zu können und freue mich auf die kommenden Rallyes.

 

Wie gehen Sie mit einer Niederlage um?

 

Das konnte ich im letzten Jahr ausreichend üben – ich hatte 2015 drei Abflüge. Meine Mama, mein Papa und meine Freunde standen mir stark zur Seite und waren wirklich immer für mich da. Durch sie konnte ich in vielen Gesprächen meine Erlebnisse verarbeiten und meine Frustrationstoleranz steigern. Auch sich Schwäche einzugestehen und professionelle Hilfe bei einem Mentaltrainer zu suchen, gehörte im Vorjahr zu meinem Lernprozess.

 

Verletzungen, lange Karrieredurststrecken, Ängste – ist persönliche Not ein öffnendes Tor zum Glauben?

 

Jein. Ganz ehrlich dachte ich im Vorjahr bereits, ich sei „vom Pech verfolgt“ oder „jemand da oben hat was gegen mich“. Vielleicht ist es aber auch genau das, nämlich sich in einem Tief mit den Grundsätzen seines persönlichen Glaubens auseinanderzusetzen um gestärkt herauszukommen und mental und spirituell besser aufgestellt zu sein als je zuvor.

 

Irgendwann geht es nicht mehr mit der körperlichen Leistungsfähigkeit – warum wissen Sie, dass Gott sie auch dann trägt?

 

Im Rallyesport ist es etwas anders, als im körperlichen Leistungssport. Er ist nicht zwingend an ein Alter gebunden und auch die körperlichen Verschleißerscheinungen halten sich in Grenzen. Darauf zu vertrauen dass Gott einen trägt, muss man hauptsächlich dann, wenn wirklich – was niemand hofft – ein schwerer Unfall passiert.

 

Welche Grenzen gibt es für Sie? Und was müsste passieren, dass Sie mit dem Sport aufhören?

 

Ich denke dafür könnte es einige Gründe geben. Wenn man sich selbst oder seinen Beifahrer bei einem Unfall ernsthaft verletzt, es finanziell nicht mehr tragbar ist oder andere persönliche Umstände positiver oder negativer Natur sich mit dem Rallyesport nicht vereinbaren lassen.  (ma)

 

Ein gutes Team: Viktoria Hojas mit Beifahrerin Daniela Reiterer. © Marco Mayrhofer; rallye-impressions.at

 

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