Friday 21. June 2019

„Bei olympischen Spielen schaue ich einfach ALLES...“

Günther Waldhör. Viele sportliche Großereignisse hat er schon besucht: Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Disziplinen, olympische Spiele. Und bei Übertragungen trifft man ihn oft vorm Fernseher an.

Günther Waldhör inmitten von Fans aus China beim Tischtennis im Rahmen von Olympia 2004 in Athen

 

„Bei olympischen Spielen schaue ich einfach alles...“

 

Es gibt wohl keine Sportart, die den Religionslehrer an der HTL 1 Linz-Goethestraße Günther Waldhör nicht fasziniert – jede auf ihre eigene Weise. Und gerade jetzt, wo die olympischen Spiele in Gange sind, verrät er, dass er keine Unterschiede macht und dabei einfach „alles“ anschaut. Im sportlichen Fanalltag hat der Linzer allerdings zwei Favoriten: Fußball und Eishockey. Doch warum gerade die beiden? – „Ich liebe die Traditionen und Emotionen, die Technik und die Kampfkraft, die BeGEISterung und die Lebensschule, die ich in diesen beiden Sportarten komprimiert entdecken kann.“

 

Und so war der begeisterte Fan nicht nur bei unzähligen Fußball- und Eishockeyspielen, sondern auch bei vielen sportlichen Großereignissen. Und er ist sogar ein klein wenig stolz darauf, schon live bei olympischen Spielen, zahlreichen Welt- und Europameisterschaften beim Fußball, Eishockey, Baseball, Schwimmen, Schisport und vielen anderen dabei gewesen zu sein.

 

LASK-Anhänger ohne Ende!

 

Eine ganz besondere, jahrzehntelange Liebe ist es, die Waldhör mit dem LASK verbindet: der Dauerkartenbesitzer und Besucher zahlreicher Spiele arbeitet bei seinem Herzensclub auch im Nachwuchs- und Fanbereich journalistisch ein wenig mit. 

 

2 x 50 Jahre: Im LASK-Pullover mit dem ehemaligen LASK-Spieler Goran Kartalija

 

Dass er einmal aufhören könnte, Sport-Fan zu sein, kann sich der ehemalige Pastoralassistent nicht vorstellen: „Eine komplette Vereinsauflösung des LASK wäre etwas, das meine größte Fan-Leidenschaft beenden würde. Niemals würde ich noch einmal so empfinden können. Aber meine Fan-Karriere würde weitergehen: Nationalteam, ausländische Mannschaften, Eishockey, Handball, Basketball und vieles mehr…“

 

Selbst ist Günther Waldhör übrigens aktiv beim Nordic Walken und beim Laufen. Und dann gibt’s da noch gymnastische Übungen. Bewegung ist auch aus therapeutischen Gründen aufgrund einer Erkrankung angesagt. Und die nächste Anschaffung im Hause Waldhör ist ein Hometrainer. Rund drei bis vier Mal in der Woche wird derzeit trainiert – das erklärte Ziel ist eine kleine Steigerung.

 

Sport als „Schule des Lebens“

 

Für Waldhör ist der Sport eine richtige „Schule des Lebens“: „Aus Niederlagen zu lernen, sich über Siege zu freuen, ohne überheblich zu werden, der stete Neubeginn (neue Saison, neue persönliche Bestleistung, neuer Wettkampf …)“.

 

Günther Waldhör bei der Eishockey-WM 1998 in Zürich unter den Fans vom Team Österreich mit Maskottchen Bully

 

Auch wenn sein Respekt vor Einzelsportlern groß ist, ziehen ihn doch die Mannschaftssportarten noch mehr in ihren Bann – und das hat seine Gründe: „Das nötige Zusammenspiel so vieler unterschiedlicher Charaktere, den Weg finden zwischen ‚Selbstdarstellung‘ und ‚Unterordnung‘, die gemeinsame Freude im Sieg und das gemeinsame Verkraften einer Niederlage…“. Insgeheim vermutet er aber auch, dass diese Leidenschaft zum Mannschaftssport vielleicht aber auch in seiner eigenen Geschichte begründet liegt, schließlich war er selbst in seiner Jugend Torwart beim Fußball und seine Kinder sind mit Basket-, Fuß- und Volleyball auch gleich in den Mannschaftssport eingestiegen.

 

Absolute Fairness gibt es weder im Leben noch im Sport!

 

Besonders begeistert Waldhör, dass der Fairnessbegriff inzwischen auch über den Sport hinaus in anderen Bereichen Verwendung findet, auch wenn es „absolute Fairness im Leben wie auch im Sport nicht gibt“. Wichtig ist Waldhör dennoch, dass versucht wird, ein Mindestmaß einzuhalten bzw. zu erreichen. Doping hat für ihn ihm Sport darum nichts verloren: „Die Probleme müssen aber meiner Ansicht nach wesentlich weiter gesehen werden, als das zumeist geschieht. Sie dürfen keineswegs nur individualethisch betrachtet werden, sondern müssen unbedingt auch einer sozial- und strukturethischen Betrachtungsweise unterzogen werden.

 

Also weg vom Gedanken: „Der einzelne Sportler ist ein Betrüger!“ und hin zu den Fragen, wie viel Druck Sponsoren erzeugen, wie Medien mit den Sportlerinnen und Sportlern – vor allem bei Niederlagen – umgehen und ob Sportlerinnen und Sportler mit ihren Erfolgen von Staat, Politik, Werbung und vielen anderen nur „benutzt“ werden. Damit umreißt Waldhör einige Problemfelder, stellt aber auch die Frage nach Vereinbarkeit von Ausbildung und Spitzensport, die Vergabe von Großereignissen oder Gewalt im Fanbereich. Mit diesen Themen beschäftigt sich Waldhör schon länger, hat er doch seine theologische Diplomarbeit 1992 zum Thema "Hochleistungssport und Ethik" verfasst.

 

„Gott steht gleichermaßen auch auf der anderen Seite...!"

 

Einen Talisman oder Glücksbringer besitzt Hobbyfußballer Waldhör nicht – das ist für ihn „zu nahe am Aberglauben“. Dafür mag er diverse Maskottchen von Klubs oder Events gerne – und besitzt selbst auch viele, denn „diese erfüllen für mich den Aspekt der Erinnerung, der Identifikation, der Kindlichkeit…“.

 

Die heikle Situation des Lieblingsvereins. Der Blick zum Himmel mit gemurmeltem Stoßgebet oder einem Kreuz. Das kennt Günther Waldhör gut, wenn er auch zugibt, dass das eher eine Beruhigung für ihn ist, weil die Vernunft ja eigentlich weiß, „dass Gott gleichermaßen auch auf der ‚anderen Seite‘ steht.

 

Günther Waldhör bei Olympia 2004 in Athen mit Maskottchen Phevos

 

Sport und Religion: Konzentration auf das Wesentliche!

 

Eine Verbindung zwischen Spiritualität und mentalem Training sieht Waldhör in der versuchten Konzentration auf das Wesentliche: „Im Moment Unwichtiges wird ausgeschaltet, um sich innerlich etwas Höherem zu widmen … dem sportlichen Erfolg, dem Geist, dem ‚spirit‘ Gottes.“

 

In der Intensität der Ausübung der Tätigkeit, den zu ziehenden Schlüssen zur Lebensbewältigung, den vielfältigen Ritualen, den (völker-)verbindenden Erlebnisse Doch bei aller Sportbegeisterung ist Sport für Waldhör nicht die neue Religion, wenngleich er „viele verwandtschaftliche Nahverhältnisse, aber letztlich keine austauschbare Gleichheit“ sieht: „Der Sport kann einem nahezu unendlich viel geben, aber er kann mir keine Antworten auf die Grundfragen des Lebens geben: Woher komme ich? Warum lebe ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Wohin gehe ich nach dem Tod? Hier sind Philosophien und vor allem Religionen gefragt.

 

Und wie wichtig ist der Glauben in der Karriere von Sportlerinnen und Sportlern? Schwer einschätzbar ist das in Bezug auf die Aktiven für den LASK-Fan, auch wenn er hört und liest, dass das bei vielen eine Hilfe ist, aber er auch schätzt, „dass auch SportlerInnen – wie andere Menschen auch – ohne Glauben ihre Ziele gut erreichen“ können.

 

Und welche Rolle spielt der Glaube in seine Fan-Karriere? Bei sich selbst kann er das schon etwas genauer sagen: „Ich glaube daran, dass Gott mir dieses große Interesse am Sport, diese lebenslange Liebe geschenkt hat, um in meinem Leben viel Freude genießen zu können – natürlich neben und nach vielem anderen – auch noch viel Wichtigerem - wie meine Familie.“ Er gibt allerdings auch zu, immer wieder aufpassen zu müssen, die Rangfolge nicht zu vergessen, das Herz nicht ganz an den Sport zu hängen. Und er fügt hinzu: „Ich denke, dass ich Glaube, Hoffnung und Liebe besonders in meiner Fan-Karriere beim LASK auch intensiv erlebe.“

 

Niederlagen: Jetzt erst recht!

 

Ganz besonders geht Günther Waldhör mit Niederlagen um: er verrät, dass seine Zuneigung zum Idol, zur Mannschaft bei einer Niederlage sogar wächst. Ob das durch Verteidigen der Mannschaft im Gespräch ist, ob das durch die Abwehr aller Angriffe in Diskussionen geschieht oder ob er eine noch stärkere Unterstützung beschließt: „Unmittelbar nach einem Abstieg des LASK bin ich zur Kassa und habe gefragt, ob ich schon die Dauerkarte für die neue Saison haben kann. Nach der höchsten Bundesliga-Heimniederlage des LASK – 0:8 gegen den FC Kärnten – gründeten Freunde und ich einen neuen Anhängerklub.“ 

 

Und außergewöhnlich war wohl auch seine Reaktion nach dem frühzeitigen, für alle enttäuschenden Ausscheiden der österreichischen Mannschaft aus der Europameisterschaft: „Vor einigen Wochen war ich vermutlich der einzige Österreicher, der am Morgen nach dem Ausscheiden gesagt hat: ‚Ich muss mir das Team wieder öfter und regelmäßiger live ansehen. Ich freue mich auf das erste WM-Quali-Spiel im Herbst.‘“

 

Günther Waldhör bei der Fußball-WM in München 2006 mit Fans aus Australien

 

Knapp den Durchbruch zur Spitze verpassen – und zwar unter großen persönlichen und finanziellen Anstrengungen. Verletzungen, die aus der Bahn werfen. Spott und Häme, die nach einem tatsächlichen oder auch nur falsch interpretierten Misserfolg entgegenschlagen. All diese Karrieredurststrecken sind für Waldhör als öffnende Tore zum Glauben denkbar: „Schließlich werden hier die Sinnfragen aktuell – nach dem Sinn des eigenen Tuns und dem tieferen Sinn hinter meinem Leben, die Frage nach dem, das / der mich trägt und das ohne nach einer Leistung zu fragen. Aber es wird auch Menschen geben, die dieses Tor nicht sehen oder ein anderes nehmen wollen.“ 

 

Voneinander lernen ist möglich: Sport und Glaube!

 

Neben Werten wie Respekt, Toleranz, Integration, Internationalität oder Begeisterung, die für den leidenschaftlichen Sporttheoretiker Sport- und Glaubensleben gleichermaßen bereichern, gibt es aber auch Dinge, die der Sport vom Glaube oder der Glaube vom Sport lernen kann, so kann „der Glaube dem Sport die Gelassenheit beibringen, die ‚Hoffnung auf die Gewissheit‘, dass ‚alles gut ausgeht‘“.

 

Der in der Pfarre Linz-Heiligste Dreifaltigkeit beheimatete Sportfan gibt zu bedenken, dass Leistung zwar ein wichtiges Element ist, für Gottes Liebe aber nicht entscheidend ist. Dieses Bild des Gottes, dem der ganze Mensch am Herzen liegt, ist für Waldhör darum wichtig: „Wenn es einen Gott gibt und der nur ansatzweise so ist, wie ich ihn mir vorstelle, dann hängt seine Liebe, sein Mich-Tragen, ganz sicher nicht an der sportlichen oder körperlichen Leistungsfähigkeit.“ 

 

Umgekehrt können Glaubende von Sporttreibenden lernen, „mit großer Ausdauer und Liebe zur Sache an etwas heranzugehen, nach Niederlagen immer wieder aufzustehen“ und den Schwung, die Unbeschwertheit und die Begeisterung nicht aus den Augen zu verlieren.

 

(sp)

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