Monday 20. September 2021

Weltsuizidpräventionstag 2021: Aktiv werden und Hoffnung schaffen

Anlässlich des Weltsuizidpräventionstags am 10. September erörterten die Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ, Mag.a Silvia Breitwieser mit Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer, MBA, Mag.a Marina Gottwald und Mag. Klemens Hafner-Hanner Möglichkeiten, wie suizidgefährdete Menschen und ihre Angehörigen unterstützt werden können.

Suizidalität ist etwas, über das man nicht gerne spricht. Betroffene schämen sich, wollen niemanden belasten oder fühlen sich unverstanden. Angehörige fürchten sich davor, etwas Falsches zu sagen, und empfinden Gedanken an einen möglichen Suizid als äußerst bedrohlich. Oft wird geschwiegen, verdrängt und still gelitten. Der Weltsuizidpräventionstag am 10. September ermöglicht es, das Thema Suizid, das nach wie vor tabuisiert wird, zur Sprache zu bringen.

 

(V.l.) Mag. Klemens Hafner-Hanner, Mag.a Silvia Breitwieser, LRin Birgit Gerstorfer, MBA, Mag.a Marina Gottwald

(V.l.) Mag. Klemens Hafner-Hanner (BEZIEHUNGLEBEN.AT), Mag.a Silvia Breitwieser (Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ), LRin Birgit Gerstorfer, MBA (Landesrätin für Soziales und Gemeinden), Mag.a Marina Gottwald (Stv. Vorsitzende des OÖLV für Psychotherapie) © Diözese Linz

 

Bei einer Pressekonferenz am 9. September 2021 im OÖ. Presseclub informierte die Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ, Mag.a Silvia Breitwieser, mit Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer, MBA, Mag.a Marina Gottwald und Mag. Klemens Hafner-Hanner über Möglichkeiten der Suizidprävention.

 

Die Allgemeinheit für das Thema Suizid zu sensibilisieren und Hilfe für suizidgefährdete Menschen und deren Umfeld anzubieten, betrachtet Birgit Gerstorfer, MBA, Landesrätin für Soziales und Gemeinden, als äußerst relevant. „Als Soziallandesrätin ist es mir besonders wichtig, dass es in Oberösterreich verschiedenste kostenlose Angebote und Anlaufstellen gibt, die Betroffene und ihre Angehörigen professionell unterstützen und stärken. Gerade in Krisenzeiten ist es enorm wichtig, den Menschen Hoffnung und Zuversicht zu geben“, sagt Gerstorfer.

 

'Gerade in Krisenzeiten ist es enorm wichtig, den Menschen Hoffnung und Zuversicht zu geben', sagt LRin Birgit Gerstorfer, MBA

"Gerade in Krisenzeiten ist es enorm wichtig, den Menschen Hoffnung und Zuversicht zu geben", sagt LRin Birgit Gerstorfer, MBA © Diözese Linz

 

Suizidabsichten immer ernst nehmen

 

Ein offener Umgang mit dem Thema Suizid sei essentiell, sind sich die ExpertInnen einig. Hilferufe sollten keinesfalls überhört werden, denn durch frühzeitiges Reagieren könnten suizidale Krisen abgefangen werden. „In der Psychotherapie haben Stigmatisierungen und Tabus für menschliche Not keinen Platz. Suizidabsichten werden immer ernst genommen und es wird offen und wertschätzend darüber gesprochen, betont Mag.a Marina Gottwald, Stv. Vorsitzende des OÖ Landesverbandes für Psychotherapie. „Das gemeinsame Ziel ist, dahinterliegende Bedürfnisse zu verstehen und daraus individuell sinnvolle Perspektiven, Neuorientierung und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.“

 

Mag.a Marina Gottwald: 'In der Psychotherapie haben Stigmatisierungen und Tabus für menschliche Not keinen Platz.'

Mag.a Marina Gottwald (li): "In der Psychotherapie haben Stigmatisierungen und Tabus für menschliche Not keinen Platz." © Diözese Linz

 

Suizidpotenzial bei älteren Menschen

 

Wie wichtig das persönliche Gespräch in schwierigen Lebensphasen ist, weiß auch Mag. Klemens Hafner-Hanner, Referent bei BEZIEHUNGLEBEN.AT. „Suizid ist eine einsame Tat. Wir wissen, der Rückzug aus Beziehungen oder deren Fehlen trägt zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dazu bei, dass Menschen sich überlegen, ihrem Leben einem Ende zu setzen“, erklärt der Experte. Dies gelte umso mehr für ältere Menschen, die aufgrund ihres Lebensalters Verluste nahestehender Personen erleben müssten und durch die weniger werdenden sozialen Beziehungen leicht in Isolation gerieten. Äußerten die Betroffenen Suizidgedanken, so löse dies beim sozialen Umfeld oft Stress, Beklemmung und Überforderung aus. Hafner-Hanner rät Angehörigen und FreundInnen, Fragen von Sterben und Tod anzusprechen und zu überlegen, wie soziale Teilnahme im persönlichen Umfeld des Betroffenen wieder möglich wird.

 

Mag. Klemens Hafner-Hanner (BEZIEHUNGLEBEN.AT) plädiert für einen offenen Umgang mit dem Thema Suizid.

Mag. Klemens Hafner-Hanner (BEZIEHUNGLEBEN.AT) plädiert für einen offenen Umgang mit dem Thema Suizid. © Diözese Linz

 

„Es hat sich gezeigt, dass ein proaktives Vorgehen von unterstützenden Gesundheitssystemen und der Gesellschaft dazu beiträgt, Suizide zu verhindern“, betont Mag.a Silvia Breitwieser, Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ – Notruf 142. Seit den 1980er-Jahren sei die Suizidrate in Österreich zurückgegangen. Dennoch würden viele Menschen keinen Ausweg mehr sehen. Die Zahlen zeigen: „Über ein Drittel aller Suizide in Österreich entfallen auf Menschen über 65. Auffallend ist auch, dass sich deutlich mehr Männer als Frauen das Leben nehmen“, erläutert Breitwieser.

 

Ein proaktives Vorgehen trägt dazu bei, Suizide zu verhindern, betont Mag.a Silvia Breitwieser, Leiterin TelefonSeelsorge

Ein proaktives Vorgehen trägt dazu bei, Suizide zu verhindern, betont Mag.a Silvia Breitwieser, Leiterin TelefonSeelsorge © Diözese Linz

 

Was die individuellen Auslöser betrifft, so gibt es nicht die eine Ursache für einen Suizid: „Zu Suiziden kommt es nicht nur im Verlauf psychischer Erkrankungen, sondern auch in der Folge schwerer Lebenskrisen“, so Breitwieser. Vielfach geht es zunächst darum, dass ein Mensch „so“ nicht weiterleben möchte. Aus ihrem Beratungsalltag schildert die Expertin zahlreiche Beispiele – darunter die Geschichte einer Anruferin, dessen Ehemann im Vorjahr verstorben ist. Sie erzählt, dass sie ihre drei erwachsenen Kinder kaum sieht und sich sehr allein fühlt – ihr Mann fehlt ihr sehr, obwohl die Ehe schwierig gewesen ist. Sie ist dankbar, dass sie anrufen kann.

 

„Menschen, die suizidgefährdet sind, benötigen ein Gegenüber, mit dem sie offen über ihre Probleme und Suizidgedanken sprechen können“, ist Breitwieser überzeugt. Das Angebot der TelefonSeelsorge – Notruf 142 stellt eine wichtige suizidpräventiv wirksame Institution dar.

 

(V.l.) Mag. Klemens Hafner-Hanner, Mag.a Marina Gottwald, LRin Birgit Gerstorfer, MBA, Mag.a Silvia Breitwieser

Am Podium (v.l.): Mag. Klemens Hafner-Hanner, Mag.a Marina Gottwald, LRin Birgit Gerstorfer, MBA, Mag.a Silvia Breitwieser © Diözese Linz

 

Beratung per Telefon und online

 

Per Telefon (Notruf 142), E-Mail oder Chat (onlineberatung-telefonseelsorge.at) können sich Betroffene an die TelefonSeelsorge wenden – vertraulich, kostenlos und rund um die Uhr.

 

Was kann ich tun, wenn jemand im sozialen Umfeld Suizidgedanken äußert?

 

  • Ernst nehmen: In jedem Fall sind Suizidabsichten ein Notsignal und Zeichen eines starken Leidensdrucks. Dieser Hilferuf sollte keinesfalls überhört werden. Suizidale Absichten oder auch ein Suizidversuch stellen keinen unwiderruflichen Entschluss dar – Hilfe ist möglich!
  • Beziehung aufbauen: Dem/der Betroffenen vermitteln, dass man an ihm/ihr und all seinen/ihren Gefühlen und Problemen interessiert ist. Die Erfahrung von Verbundenheit ist essentiell für die psychische Gesundheit und kann Halt geben.
  • Ansprechen: Ein offenes Gespräch über die Suizidgedanken stellt für die Betroffenen oft eine emotionale Entlastung dar.
  • Ressourcen erkunden und daran orientieren: Welche Ressourcen hat der/die Betroffene selber? Welche gibt es in seinem/ihrem sozialen Umfeld? Welche professionellen Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?
  • Auf niederschwellige Hilfsangebote aufmerksam machen und zur Inanspruchnahme ermutigen.
  • Selbst Hilfe suchen: Die Auseinandersetzung mit suizidalen Menschen kann sehr belastend sein. Wir werden dabei mit unserer Verletzlich- und Vergänglichkeit konfrontiert und können uns plötzlich selbst hoffnungslos fühlen. Holen Sie sich Hilfe und sorgen Sie gut für sich.
     

 

Veranstaltungshinweis:

 

Vorträge sowie eine Podiumsdiskussion zum Thema „Lasst uns reden! Dem Leben Sinn geben“ finden am 10. September 2021 von 14 bis 17 Uhr im OÖNachrichten FORUM, 4010 Linz, Promenade 23 statt. Näheres zum Programmablauf finden Sie hier.

 

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