Tuesday 19. January 2021

Mit Abstand anders: Weihnachten 2020

Bei einer Pressekonferenz am 16. Dezember 2020 gab die TelefonSeelsorge OÖ einen Ein­blick in ihre Beratungs­arbeit zur von Corona geprägten (Vor-)Weihnachtszeit. Gesprächs­partner waren auch Landes­hauptmann Stelzer und Bischof Scheuer.

Das Fest der Sehnsucht in herausfordernden Zeiten – um dieses Thema drehte sich die Pressekonferenz am 16. Dezember 2020 im OÖ. Presseclub. Mag.a Silvia Breitwieser und Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner (TelefonSeelsorge OÖ – Notruf 142), Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer sowie Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer widmeten sich der Frage, wie in einem Jahr, in dem vieles unsicher und alles anders ist, Weihnachten gefeiert werden kann. Zudem wurde erläutert, warum Selbstfürsorge auch zu Weihnachten angesagt ist und welche Chancen diese „andere Zeit“ bieten könnte. 

 

v.l. Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner (TelefonSeelsorge), Bischof Dr. Manfred Scheuer, Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer, Mag.a Silvia Breitwieser (Leiterin TelefonSeelsorge)

(v.l.) Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner (TelefonSeelsorge), Bischof Dr. Manfred Scheuer, Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer und Mag.a Silvia Breitwieser (Leiterin TelefonSeelsorge) widmeten sich der Frage, wie wir Weihnachten trotz Corona würdevoll feiern können. © Diözese Linz/Appenzeller 

 

Diözesanbischof Manfred Scheuer und Landeshauptmann Thomas Stelzer unterstützen im Rahmen der Telefonstunden die Arbeit der TelefonSeelsorge: 

 

Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer ist am Donnerstag, 17. Dezember 2020 von 18 bis 19 Uhr unter der kostenlosen Nummer 142 zu erreichen; 
Bischof Dr. Manfred Scheuer wird am Samstag, 19. Dezember 2020 von 18 bis 19 Uhr Anrufe entgegennehmen und ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen haben.

 

Weihnachten – ein Fest der Zuwendung

 

Weihnachten gilt als das Fest des Jahres. Für die meisten Menschen ist es ein Fest mit guter Stimmung, gutem Essen, herausgeputzten Räumen, Geschenken und sozialem Kontakt – kurzum: Weihnachten ist ein Lichtblick in der dunklen Jahreszeit.  


Insbesondere in diesem Jahr hätten wir uns nach zehn kräfteraubenden Monaten als Belohnung und Schlusspunkt für alle Mühen ein harmonisches Weihnachtsfest im Kreise unserer Lieben gewünscht. Doch die Corona-Pandemie veranlasst uns, neue Wege zu finden, um das Fest des Herzens trotz aller Unannehmlichkeiten würdevoll und feierlich begehen zu können. 

 

Bischof Dr. Manfred Scheuer

Gerade in Zeiten physischer Distanz braucht es Zuwendung, ist Bischof Dr. Manfred Scheuer überzeugt. © Diözese Linz/Appenzeller 


„Ja, wir werden Weihnachten heuer feiern – aber anders. Ich nehme eine große Sehnsucht nach diesem Fest wahr. Vieles wird davon erhofft, Geborgenheit und Gemeinschaft beispielsweise“, erklärte Bischof Manfred Scheuer. Auch wenn der persönliche Kontakt mit Menschen in diesem Jahr nur in äußerst reduzierter Form möglich sein wird und körperliche Distanz notwendig ist: „Weihnachten ist ein Fest der Zuwendung. Gott ist Mensch geworden und hat sich in Jesus den Menschen unmittelbar zugewandt. Diese Haltung der Zuwendung ist für Christinnen und Christen und für die Kirche konstitutiv. Und sie ist gerade heuer besonders wichtig – alles, was unter den gegebenen Bedingungen möglich ist, muss unternommen werden, um einander Nähe und Zuwendung zuzusprechen“, bekräftigte Scheuer. 


Die TelefonSeelsorge – Notruf 142 – bietet Menschen in Not diese Form von Nähe und Zuwendung.

 

Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer

Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer bedankte sich bei der TelefonSeelsorge für ihren Dienst. © Diözese Linz/Appenzeller

 

Landeshauptmann Thomas Stelzer bedankte sich bei allen Engagierten der TelefonSeelsorge für ihren Dienst. „Das ist nicht selbstverständlich und gerade in der Vorweihnachtszeit ein großes Zeichen für die soziale Wärme und das Miteinander in unserem Land“, so der Landeshauptmann. „Ich danke auch der Diözese Linz für diese Aktion und ihr Engagement für Menschen in Notlagen. Jede Hilfe, die wir geben können, ist wichtig, darum ist es mir ein Anliegen, die TelefonSeelsorge bei ihrer Arbeit persönlich zu unterstützen“, unterstrich Stelzer. 

 

Selbstfürsorge, Kreativität und Flexibilität sind gefragt

 

Freilich ist bei vielen Menschen der Wunsch nach einem Weihnachten wie vor der Pandemie groß. Doch liegt vielleicht die Hauptaufgabe dieser Tage darin, sich vorsichtig, an das „andere Weihnachten“ heranzutasten, sich mit ihm anzufreunden und nicht dagegen anzukämpfen. Denn: „Nicht alles im Leben ist planbar, doch wie wir mit Widrigkeiten umgehen, sollten wir selbst entscheiden“, ist Mag.a Silvia Breitwieser, Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ, überzeugt. Breitwieser zufolge sei es gerade jetzt besonders wichtig, auf eigene Schutzfaktoren – sowohl seelische als auch körperliche – zu achten.

 

Mag.a Silvia Breitwieser, Leiterin TelefonSeelsorge

Mag.a Silvia Breitwieser, Leiterin TelefonSeelsorge weiß um die Sorgen der Menschen in dieser herausfordernden Zeit © Diözese Linz/Appenzeller 


In dieser herausfordernden Zeit geht es vor allem darum, handlungsfähig zu bleiben und fürsorglich mit sich umzugehen, meint Referentin Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner: „Wir könnten überlegen, was uns guttut und stärkt. Wie wir den Bedürfnissen nach Heimat und Geborgenheit nachkommen könnten, damit ein anderes Weihnachten möglich ist.“ Dazu gehört auch, die eigenen „Verbindungen“ zu betrachten: „Wem fühle ich mich nahe, wo bin ich gut eingebettet? Welche Kontakte könnte ich wieder aktivieren, welche tun mir nicht gut?“ All das kann schließlich darin münden, für sich persönlich neue Rituale zu entwickeln. 

 

Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner (TelefonSeelsorge)

Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner ermutigt zur Selbstfürsorge: Alles, was uns guttut und stärkt – darauf sollte der Fokus liegen © Diözese Linz/Appenzeller

 

Weihnachten wie immer

 

Für manche Menschen ist Weihnachten jedoch ganz ohne COVID-19 kein Grund zum Feiern, wie die vielen Beratungsgespräche der TelefonSeelsorge zeigen. „Viele fühlen sich einsam, traurig, unverstanden oder aus unterschiedlichsten Gründen von der Feiergesellschaft ausgeschlossen. Manche beschäftigen auch ganz andere Sorgen, beispielsweise um ihre Existenz“, schilderte Lanzerstorfer-Holzner.


Einsamkeit ist nicht nur Thema von Menschen, die alleine leben, sondern betrifft mitunter auch Menschen in einer Partnerschaft oder Familie. So können etwa Konflikte, Enttäuschungen oder ein distanziertes Nebeneinander-her-Leben dazu führen, dass sich Menschen im Innersten einsam fühlen, obwohl sie in ein Familiensystem eingebettet sind. 

 

Schon die beiden Lockdowns haben in manchen Beziehungen Unvereinbarkeiten und Brüche schmerzlich sichtbar gemacht. Die Feiertage können die bestehenden Konflikte nun nochmals befeuern. Schwierig kann Weihnachten auch für jene Personen sein, die einen lieben Menschen verloren haben. Erinnerungen kommen hoch und wecken eine bisher nicht gekannte Einsamkeit. 

 

Notruf 142: Beratung kostenlos und rund um die Uhr

 

Die BeraterInnen der TelefonSeelsorge – Notruf 142 stehen an allen Tagen des Jahres rund um die Uhr zur Verfügung. Anrufende können ohne Angst vor Bewertungen mit einer neutralen Person über ihre Sorgen, Ängste und Nöte sprechen, vertraulich und kostenlos


Wer lieber schreibt, sollte sich an die Mail- oder Chatberatung wenden. Nach heutigem Stand werden im Jahr 2020 über 18.600 Beratungsgespräche (inkl. Mail und Chat) geführt worden sein.

 

Die Pressekonferenz fand als Hybrid-Event statt. Auch eine Online-Teilnahme war möglich.

Die Pressekonferenz fand als Hybrid-Event statt. Auch eine Online-Teilnahme war möglich. © Diözese Linz/Appenzeller

 

Weihnachten 2020 - was kann helfen? 

  • Sprechen Sie in Partnerschaft und Familie, bei Verwandten und Freunden/Innen etc. schon jetzt die eigenen Erwartungen offen an, tauschen Sie sich über die Wünsche aller aus und suchen Sie einen für alle akzeptierbaren Kompromiss. Besprechen Sie auch, wie Sie als Familie etc. „corona-sicher“ feiern können. Machen Sie sich mit den Möglichkeiten von Videotelefonie vertraut. 
  • Informieren Sie Ihre Kinder rechtzeitig darüber, wenn Oma und Opa oder andere Verwandte/Freunde heuer nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen werden. Gestehen Sie es sich und Ihren Kindern zu, darüber traurig zu sein, und suchen Sie nach Möglichkeiten, die nicht anwesenden Personen trotzdem einzubinden. 
  • Achten Sie auf eine gute Ausgewogenheit von Nähe und Distanz. Die wenigen Be-gegnungen, die heuer möglich sein werden, sollen Ihnen guttun. Nähe kann auch durch Telefonate, Messengerdienste, aber auch Briefe und Postkarten, kurze „Vorgartenbesuche“, Spaziergänge etc. hergestellt werden. 
  • Achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse, tun Sie sich selbst etwas Gutes und nehmen Sie sich Zeit für sich selbst. Es kann helfen, sich in diesen Tagen zu fragen, ob man die eigenen Bedürfnisse noch spüren und ihnen nachgehen kann, wie viel Erholung man sich selbst gönnt. Gerade in anstrengenden Zeiten ist es ratsam, genauso liebevoll auf sich selbst zu achten wie auf die anderen. 
  • Betreiben Sie täglich Selbstfürsorge: Das für-sich-selbst-Sorgen ist nicht mit Egoismus gleichzusetzen. Denn nur, wenn man sich selbst wohl fühlt, ist man gut in der Lage, auch für andere da zu sein. Wir sind widerstandsfähiger, wenn wir unsere Bedürfnisse wahrnehmen und sie so gut als möglich stillen. Weitere Tipps zur Selbstfürsorge finden Sie hier
  • Reflektieren Sie Ihre bisherigen Weihnachtsfeiern. Die Corona-Pandemie bietet die Möglichkeit, Neues zu etablieren: Was macht für mich/für uns Weihnachten wirklich aus? Was tue ich/tun wir nur, weil „es halt so Brauch ist“? Was kann ich/können wir heuer weglassen? Welcher coronabedingte Verzicht schmerzt, welcher nicht?
  • Wenn Sie an einer psychischen Erkrankung leiden oder einen lieben Menschen verloren haben, nehmen Sie mit einer passenden Selbsthilfegruppen Kontakt auf. Auch hier erhalten Sie Unterstützung und treffen auf Menschen mit ähnlichen Schicksalen. 
  • Unangenehme Gefühle wie Schmerz, Trauer und Wut machen keine Weihnachtspause und gehören zum menschlichen Sein dazu. Versuchen Sie daher nicht, sie zu verdrängen, sondern nehmen Sie sie wahr und ernst. 
  • Versuchen Sie, jeden Tag bei Tageslicht Bewegung an der frischen Luft zu machen. 
  • Wenn bereits Spannungen, Konflikte, Unstimmigkeiten in der Familie, Partnerschaft vorhanden sind: Schauen Sie, was trotzdem noch möglich ist. Sprechen Sie Konflikte, Kränkungen, Enttäuschungen an – in ruhiger Atmosphäre und mit ausreichend Zeit. Suchen Sie sich bei Bedarf Hilfe von Beratungsstellen. 
  • Probieren Sie die Devise „Stop – look – go!“ Halten Sie inne, um zu sich selbst zu kommen. Betrachten Sie die Situation möglichst neutral und unaufgeregt, beäugen Sie auch Ihre Emotionen. Setzen Sie sich in Bewegung, werden Sie – nicht nur körperlich –aktiv. 
  • Frustration, Angst, Wut, Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung sind ganz normale Reaktionen auf dieses nicht normale Ereignis, das uns durch seine Unvorhersehbar-keit und seine gefühlte Endlosigkeit aus der Bahn wirft.  
  • Nehmen Sie Ihre Gefühle wahr und gehen Sie achtsam mit ihnen um. Suchen Sie sich Unterstützung, denn Reden/Schreiben hilft. 
  • Nehmen Sie sich Auszeiten von Corona: Denken und tun Sie bewusst etwas Anderes, lassen Sie Corona nicht zum einzigen und alles bestimmenden Gesprächsthema werden. 
  • Informieren Sie sich wohldosiert über Qualitätsmedien mit profunder Corona-Berichterstattung. Sie werden sonst mit Informationen und Fake-News geflutet. Was bleibt, sind Gefühle von emotionaler Instabilität, Angst und Weltschmerz. Treten Sie diesem Umstand eigenmächtig und selbstbestimmt entgehen. Bestimmen Sie tägliche offline-Zeiten und reduzieren Sie so den durch die Infodemie hervorgerufenen Stress. 
  • Wenn Sie sich in einer belastenden Lebenssituation befinden und diese nicht verändern können bzw. wollen, überlegen Sie sich, wer oder was Sie beim Aushalten unterstützen kann. Achten Sie gut auf sich und steigen Sie mehrmals täglich aus der Wucht der Belastungen aus. 
     
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