Wednesday 16. October 2019

TelefonSeelsorge OÖ hilft in der Weihnachtszeit mit prominenter Unterstützung

Bei einer Pressekonferenz gab die TelefonSeelsorge OÖ – Notruf 142 einen umfassenden Einblick in ihre Beratungsarbeit in der (Vor-)Weihnachtszeit. Auch Landeshauptmann Stelzer und Bischof Scheuer nehmen sich Zeit zum Zuhören am Telefon.

Gesprächspartner bei der Pressekonferenz am 11. Dezember 2018 im OÖ. Presseclub waren neben Mag.a Silvia Breitwieser, Leiterin der Telefonseelsorge OÖ, und Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner, Projektleiterin ElternTelefon, auch Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer und Bischof Dr. Manfred Scheuer. Der Landeshauptmann und der Diözesanbischof werden am Mittwoch, 13. Dezember 2018 Telefonstunden übernehmen und für die Nöte der Menschen ein offenes Ohr haben.

 

V. l.: Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer, Mag.a Silvia Breitwieser (Leiterin TelefonSeelsorge OÖ), Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner (Leiterin ElternTelefon) und Bischof Dr. Manfred Scheuer.

V. l.: Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer, Mag.a Silvia Breitwieser (Leiterin TelefonSeelsorge OÖ), Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner (Leiterin ElternTelefon) und Bischof Dr. Manfred Scheuer. © Diözese Linz / Fürlinger

 

Kein Platz in der „heilen Weihnachtswelt“

 

Mag.a Silvia Breitwieser, Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ, und Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner, Projektleiterin des ElternTelefons, schilderten Situationen aus ihrem Beratungsalltag. Lanzerstorfer-Holzner wies darauf hin, dass es zu Weihnachten „unterschiedliche Welten gebe. Die Vorweihnachtszeit sei für viele von Einkaufstrubel, Hektik, Weihnachtsfeiern, der Planung des Weihnachtsmenüs etc. geprägt. „Hier befinden wir uns – etwas provokant formuliert – in der saturierten Weihnachtswelt: gestresst – was irgendwie auch zum guten Ton gehört –, aber selbstbestimmt, immer mitten im Geschehen und zufrieden wirkend“, so die Expertin. Sie kennt aber auch andere Erfahrungen: AnruferInnen, die depressiv sind und morgens nicht aus dem Bett kommen, Alleinerziehende, die den Streit der Kinder nicht mehr aushalten, Menschen, deren PartnerIn kürzlich verstorben ist oder die ein Kind verloren haben, pflegende Angehörige, die völlig überfordert sind … „Diese Menschen erleben Weihnachten vorwiegend schmerzlich und die Vorfreude auf das Fest als Teil einer Welt, die derzeit nicht die ihre ist“, erläutert Lanzerstorfer-Holzner. Die Beteiligung am Weihnachtstrubel sei ihnen aus verschiedensten Gründen nicht möglich, ihre Sorgen würden nicht einfach „verhallen“, wie es im beliebten Weihnachtslied „Leise rieselt der Schnee“ heiße. „Oft entsteht das Gefühl, dass die eigene schwierige Lebenssituation im sozialen Umfeld auf Unverständnis stößt bzw. in der ‚heilen Weihnachtswelt‘ der anderen keinen Platz hat“, weiß die Expertin. Viele, die die Nummer der TelefonSeelsorge wählen, erleben sich als außenstehend, als nicht dazugehörig. „Dies ist umso schmerzlicher, als sich Menschen in Krisen gerade zu Weihnachten nach Angenommensein, nach Anerkennung und Würde, nach Zuwendung und Beziehung sehnen“, so Lanzerstorfer-Holzner.

 

Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner

Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner, Projektleiterin des ElternTelefons. © Diözese Linz / Fürlinger

 

Ein Gespräch in schwierigen Lebenssituationen könne vieles verändern und die Anrufenden Respekt und Aufmerksamkeit erfahren lassen. „Die AnruferInnen wollen von ihrem Leben erzählen und dabei als Mensch an- und ernstgenommen werden“, betont die Projektleiterin des ElternTelefons der TelefonSeelsorge OÖ. Anonym und vertraulich reden zu können, erleichtere es Menschen, sich zu öffnen und ohne das Gefühl, versagt zu haben, und ohne Scham mit einer neutralen Person über Schwierigkeiten, Sorgen, Ängste und Nöte zu sprechen.

 

Diese Erfahrung unterstreicht auch die Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ, Mag.a Silvia Breitwieser. „Wenn AnruferInnen am Telefon Gefühle wie Trauer, Aggression, Wut zum Ausdruck bringen, ist es wichtig, sie einfach einmal anzuhören, diese Gefühle da sein zu lassen, ihnen Raum zu geben – nur so können sich Menschen empathisch angenommen fühlen.“ Gerade rund um die Weihnachtszeit seien Kränkungen ein großes Thema, weil Menschen in dieser Zeit „emotional berührbarer“ seien, so die Expertin.

 

Mag.a Silvia Breitwieser

Mag.a Silvia Breitwieser, Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ. © Diözese Linz / Fürlinger

 

Prominente Unterstützung vor Weihnachten

 

Ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen in Oberösterreich haben in den kommenden Tagen zwei prominente Persönlichkeiten:

 

Bischof Manfred Scheuer: Mittwoch, 12. Dezember | 17.00 bis 18.00 Uhr und

Landeshauptmann Thomas Stelzer: Mittwoch, 12. Dezember | 18.00 bis 19.00 Uhr

Beide unterstützen in dieser Zeit die MitarbeiterInnen des Notrufdienstes der TelefonSeelsorge und sind unter der Nummer 142 zu erreichen.

 

Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer (l.) und Bischof Dr. Manfred Scheuer unterstützen am Mittwoch, 12. Dezember 2018 die TelefonSeelsorge OÖ.

Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer (l.) und Bischof Dr. Manfred Scheuer unterstützen am Mittwoch, 12. Dezember 2018 die TelefonSeelsorge OÖ. © Land OÖ / Sabrina Liedl

 

Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer dankte der TelefonSeelsorge Oberösterreich für ihren mehr als 50-jährigen Einsatz. „Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen 24 Stunden am Tag, auch an Wochenenden und Feiertagen – kostenlos, vertraulich, anonym. Für die Betroffenen bedeutet dieses Angebot einen ganz großen Schritt zur Entlastung von dem Druck, dem sie ausgesetzt sind, wenn ihnen die Sorgen und Probleme über den Kopf wachsen und wenn schwierige Lebenslagen unüberwindbar erscheinen.“ Ehrenamtlicher Dienst an den Mitmenschen sei nicht selbstverständlich, so Stelzer, und gerade in der Vorweihnachtszeit „ein großes Zeichen für Nächstenliebe und soziale Wärme in unserem Land“. Der Landeshauptmann sprach auch der Diözese Linz seinen Dank für ihr Engagement für Menschen in Notlagen aus. Sein Einsatz am Telefon ist für Stelzer mehr als eine gute Tradition: „Es ist ein öffentliches Danke an die vielen Ehrenamtlichen, die das ganze Jahr über in der TelefonSeelsorge ihre Zeit und ihre Persönlichkeit einbringen.“

 

Landeshauptmann Dr, Thomas Stelzer

Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer. © Diözese Linz / Fürlinger

 

Auch Bischof Dr. Manfred Scheuer wird als Gesprächspartner am Telefon zur Verfügung stehen. Ihm ist wichtig, dass die „schwere“ Seite von Weihnachten nicht verschwiegen wird: „Zu Weihnachten kommt sehr viel Sehnsucht hoch – Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Heimat, Frieden, Harmonie und Freiheit. Auch alte Verletzungen melden sich in dieser Zeit. Gefühle tauchen auf, die normalerweise überlagert sind, von denen wir uns ablenken, die wir nicht immer ertragen können. Das Gefühl, zu vereinsamen, im Stich gelassen zu werden, niemandem abzugehen tut zu Weihnachten sicher mehr weh als sonst.“ Viele Menschen würden gerade an Weihnachten daran zweifeln, dass es das Leben, dass es Gott gut mit ihnen meine. Vielen fehlten Möglichkeiten und Räume, um über ihre Lebenssituation zu sprechen. „TelefonSeelsorge bietet so einen Gesprächsraum an. Für viele liefert sie einen ersten Anstoß, eine Veränderung ihrer Lage zu bewirken. Bei der TelefonSeelsorge wird für die AnruferInnen spürbar: ‚Es ist gut, dass es dich gibt.‘ Es ist wichtig, dass es in Krisen Menschen gibt, die Zeit haben und zuhören. Zeit ist wohl die Währung des 21. Jahrhunderts – und sie ist die Sprache der Liebe und Beziehung“, betonte Scheuer. Er erlebe selbst immer wieder, wie gut es Menschen tue, schmerzhafte Erfahrungen einfach einmal aussprechen zu können und das Gefühl zu haben, wahrgenommen zu werden, ausreden zu dürfen, jemandem nicht egal zu sein. „Allein das kann schon Veränderung anbahnen“, so Scheuer. Der Dienst der MitarbeiterInnen der TelefonSeelsorge sei deshalb in der heutigen Gesellschaft extrem wichtig, wie die Nachfrage zeige. Der Bischof dankte allen, die am Telefon Zeit und Zuhören schenken, aber auch jenen, „die diesen Dienst durch ihre Unterstützung und ihr Mittragen ermöglichen“.

 

Bischof Dr. Manfred Scheuer

Bischof Dr. Manfred Scheuer. © Diözese Linz / Fürlinger

 

TelefonSeelsorge OÖ – 20 Jahre amtlicher Notruf 142

 

Die TelefonSeelsorge – Notruf 142 feierte 2016 ihr 50-jähriges Bestehen. Im Jahr 1998 erhielt sie –gleich einer Blaulichtorganisation – den amtlichen Notrufstatus mit der Notrufnummer 142 für ganz Österreich. Dies verdeutlicht einmal mehr die Bedeutung der TelefonSeelsorge als österreichweite Erstanlaufstelle für seelische Krisen. Die Einrichtung der katholischen und evangelischen Kirche wird vom Sozialressort des Landes Oberösterreich unterstützt. Sie ist an allen Tagen des Jahres 24 Stunden lang kostenlos und vertraulich zu erreichen. 82 ehrenamtliche MitarbeiterInnen (68 Frauen, 14 Männer) der TelefonSeelsorge – Notruf 142 sind in Oberösterreich rund um die Uhr für die Anliegen der Anrufenden da.

 

Im Jahr werden in Oberösterreich über 3.000 Gesprächsstunden rund 18.000 Beratungsgespräche (inklusive Mail und Chat) geführt. Die meisten Ratsuchenden rufen zwischen 17.00 und 22.00 Uhr an. 71 Prozent der AnruferInnen, deren Alter meist zwischen 40 und 60 Jahren liegt, sind Frauen, 29 Prozent Männer.

 

Neben dem Notruf 142 bietet die TelefonSeelsorge OÖ auch das Elterntelefon 142 und Onlineberatung (per Mail oder Chat) an. An die Onlineberatung wenden sich vorwiegend Jüngere: 48 Prozent der Ratsuchenden in der Mailberatung und 58 Prozent der ChatnutzerInnen sind unter 30 Jahre alt.

 

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