Dienstag 26. September 2017
  • Referat Spiritualität

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  • Wer bin ich in meinem tiefsten Grund?

    (Meister Eckhart)

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Auf-er-stehen

Blumen. © Melodi2/morgueFile.com

Auf-er-stehen ist nicht gleich aufstehen.
Das muss ich dir sagen.
Auferstehen kann man nicht allein.
Man muss es wollen, ja. Sonst geht gar nichts.

Beim auferstehen sind Engel im Spiel.
Sie sagen es dir:
Aufstehen, ja
Und
Das alte Leben lassen
Und
Es nehmen, wie es war
Und
Die Prägungen, die eingebrannten Male,
die tiefen Furchen, das Kleine und Erbärmliche
lassen wie es war und nehmen
und
die aus Angst verkümmerten Lebenstriebe und die Übelkeit,
das Erbrechen und das Übersehen Werden,
die Sehnsucht nach dem bewußtlosen Leben, das nichts fühlt und nicht sieht,
nichts muss und nichts kann,
und
die Geschwister Angst und Sehnsucht, die gieren nach dem Schoß, nach stiller Berührung und dem heißen abstandlosen Atem, nach dem leidenschaftlichen Tanz des Fleisches
und der lächelnden Seele –
lassen und nehmen.

Sie sagen es dir, die Engel:
auferstehen ist nicht gleich aufstehen.

Auferstehen ist die Kunst,
in dem Versäumten alles einzuholen,
schon ganz zu sein
und trotzdem neu werden zu müssen,
aus Abgestorbenem Leben zu gebären,
aus den vertrockneten Körnern Brot zu backen

Auferstehen ist die Kunst,
mit den Narben und den blutenden Wunden,
mit demselben schweren Fleisch durch verschlossene Türen zu kommen und auf dem Wasser zu gehen.

Und sie fragen, die Engel:
Was suchst du das Leben zwischen den Leichen?
Oder willst du es nicht finden? Richtest du dich ein im Land der Toten,
trinkst am kalten Abend deine Tränen?

 

Susanne Gross

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

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