Friday 1. July 2022
  • mensch & arbeit

    Katholische ArbeitnehmerInnen Bewegung und Betriebsseelsorge

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Ein passender Rahmen für Trauer und Abschied

Ein Interview mit Ferdinand Knoll, Bestatter in Perg

Stefan Robbrecht-RollerKannst du für uns deinen Arbeitsalltag beschreiben?

Ich habe keinen regelmäßigen Arbeitsalltag, jeder Tag und jede Woche kann sich ganz anders entwickeln. Unser Bestattungsunternehmen ist ein Familienbetrieb. Mit meiner Schwester, meinem Vater und unserem Team decken wir gemeinsam die Rund-um-die-Uhr-Einsatzbereitschaft ab. Unsere Arbeit ist nicht wirklich planbar, braucht Flexibilität und ist sehr breit gefächert. Das Erfüllende an unserem Beruf ist, dass wir Menschen in schwierigen Momenten begleiten und unterstützen dürfen. Die Dankbarkeit, die uns dafür entgegengebracht wird, zeigt uns den tiefen Sinn unserer Aufgabe auf.

 

Abschied nehmen ist nie leicht. Wir versuchen, den Rahmen vor, während und nach dem Begräbnis so zu gestalten, dass Angehörigen ein Trauern in zuträglicher Art und Weise möglich ist. Damit sie sich auf den Abschied und die Trauer konzentrieren können, nehmen wir ihnen viele organisatorische Schritte ab. Wir sind unter anderem Vermittler und Schnittstelle zwischen Angehörigen, Freund*innen, Musiker*innen, Liturgieteams, Friedhofspersonal, Behörden, Florist*innen, usw.

 

BestattungWas macht COVID-19 mit deiner Arbeit? Welche Herausforderungen hast du zu meistern gehabt im letzten Jahr?

Am schwierigsten sind die Einschränkungen bei den Begräbnissen selbst. Es ist ein Drama, wenn man sich von jemandem, den man liebt, von einer Person, der man nahestand, nicht angemessen verabschieden kann. Das hat auch uns sehr mitgenommen. Organisatorisch haben wir uns mehrmals umstellen müssen. Die Anzahl der Personen, die beim Begräbnis anwesend sein dürfen, hat sich in der Zeit der Pandemie sehr oft verändert. Im Frühling 2021 war es nur dem engsten Familienkreis möglich, am Begräbnis teilzunehmen. Zurzeit dürfen 50 Personen beim Begräbnis anwesend sein. Im Kirchenraum sind so viele Personen erlaubt, dass die Sicherheitsabstände von 2 m eingehalten werden können. Es ist auch während der gesamten Trauerfeier eine FFP2-Maske zu tragen.

 

Bei Gesprächen mit den Angehörigen sind jetzt gewisse Schutzmaßnahmen notwendig. Früher sprachen wir oft lange mit Familienmitgliedern in deren eigenen vier Wänden, zum Beispiel beim Abholen der Verstorbenen. Dort haben wir keinen Einfluss auf die Anzahl der Anwesenden oder die Größe des Raumes. Deswegen finden zurzeit alle Beratungsgespräche in unseren eigenen Beratungsräumlichkeiten statt. Die üblichen Hygienemaßnahmen und eine Glastrennwand vermitteln eine sichere Atmosphäre. Gänzlich auf persönlichen Kontakt möchten wir nicht verzichten, obwohl auch schon im Vorfeld vieles per Mail oder telefonisch abgeklärt wird. Andere Umstellungen sind eher klein, aber trotzdem von Bedeutung. Da eine Zehrung im Gasthaus zurzeit nicht erlaubt ist, verteilen wir, wenn es gewünscht wird, an die Anwesenden Zehrungspakete mit einer personalisierten Kerze und einem Zehrungskipferl, damit man im kleinen Kreis den bewussten Akt, sich gemeinsam zu stärken, nicht verliert.

 

Unsere Firma hat wohl nicht die Größe, um repräsentative Statistiken über die Sterbefallzahlen zu erstellen, wir haben aber schon gemerkt, dass in Zeiten von hohen Infektionszahlen die Anzahl an Personen, welche an oder mit Corona verstorben sind, gestiegen ist und auch zu einer Übersterblichkeit geführt hat.

 

Was gibt es, das dich durch diese Zeit trägt und an dem du Halt findest?

Die Hoffnung, dass es wieder besser wird. Das ist auf jeden Fall ein Lichtblick. Es ist für mich auch inspirierend mit einem Team zu arbeiten, das in herausfordernden Zeiten zusammenhält und die Qualität unserer Arbeit hochhalten möchte. Wir haben im vornhinein aufgrund der Medienberichte eigentlich schon Sorge gehabt: Was kommt da auf uns zu, werden wir die Todesfälle gut bewältigen können? Ich bin froh, dass wir es gemeinsam gemeistert haben.

Beim Gipfelkreuz

 

Als Ausgleich zum Beruf gehe ich gerne klettern. Leider sind die Kletterhallen derzeit zu! So habe ich die Natur direkt vor der Haustür und die Gemütlichkeit der eigenen Wohnung wieder mehr schätzen gelernt. Insgesamt hoffe ich, dass diese Krise uns eine gewisse Toleranz lehren wird, obwohl ich auch eine spaltende Kraft wahrnehme. Zuhören und ein Auge haben für die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Menschen ist wichtig. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen guten Weg finden werden. Nicht durch Hass, sondern durch Verständnis.

  

Mobbingtelefon der Betriebsseelsorge OÖ
www.mobbingtelefon.at
Solidaritätsfonds der KAB/KAJ

Solidarität weltweit - Solidaritätsfonds

Solidarität für eine gerechtere Welt

Der Solidaritätsfonds ist eine Einrichtung der KAB und KAJ Oberösterreich. Wir treten ein für den Aufbau einer menschenwürdigen, gerechten Gesellschaft und stehen für ein gesellschaftspolitisches Engagement auf christlichem Hintergrund.

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