Thursday 26. May 2022

DIE BETRACHTERIN | DIE DARSTELLERIN

Frauenbilder im Mariendom

Zwei Künstlerinnen widmen sich künstlerisch-forschend den Frauenbildern und Rollendarstellungen im Linzer Mariendom. Über biografische Erzählungen, historische Kontextualisierungen und künstlerische Interpretationen zu ausgewählten Frauenportraits sollen kreative Denkräume eröffnet und ein zeitgenössischer Diskurs über die Geschlechterkonstruktionen des katholischen 19. Jahrhunderts angeregt werden. Das Kunstprojekt baut auf die Broschüre Licht.Schatten.Dasein auf, in der Studierende der KU Linz unter der Leitung von Prof. Dr. Anna Minta und Mag. Martina Resch nach Weiblichkeitskonzepten im Bildprogramm des Doms fragen. DIE BETRACHTERIN │ DIE DARSTELLERIN will für Frauenbilder und Frauenleben in Geschichte und Gegenwart sensibilisieren.

 

„Wo bist du, Frau?“ folgt dem biblischen Motiv der Suche Gottes nach dem Menschen/Adam im Rahmen seiner ersten Grenzüberschreitung und führt über dieses hinaus.  Wenn auch Adam sich beschämt unsichtbar zu machen meinte, so stellt heute die Beschämung das strukturelle Unsichtbar-machen von Frauen in den verschiedenen Zusammenhängen menschlichen Daseins dar.  „Frau, wo bist du?“ verlangt nach einer Zeigegeste und einer selbstbewussten Antwort: „Hier bin ich!“

 

Die Betrachterin

(c) Margit Greinöcker


/DIE BETRACHTERIN/ von Margit Greinöcker nimmt mit wechselndem Blickpunkt einzelne Frauenarstellungen im Mariendom in den Fokus – mit künstlerischem und wissenschaftlichem Interesse und mit optischem Gerät.

Auf Anregung des zur Bauzeit tätigen Bischofs sollten in den Glasfenstern neben biblischen Darstellungen unter anderem Land und Leute dargestellt und Szenen aus der Region vermittelt werden. Wer durfte eine Rolle einnehmen in dem prächtigen Mariä- Empfängnis-Dom? Welche Rollen wurden den Frauen zugeschrieben?

 

Aus diesem sehr dichten Geflecht an Erzählungen und Geschichte, die das Gesamtkunstwerk Mariendom bilden, löst Margit Greinöcker mit Hilfe von Fernrohren einzelne Frauenbilder aus ihrem Gefüge und bringt sie aus der unerreichbaren Distanz nah an die Betrachter*innen heran. Parallel dazu involviert sie Expert*innen aus unterschiedlichen Fachbereichen, die ihre aktuellen Recherchen und Inhalte einbringen und so das zeitgenössische Bild der Frauen im Dom zu schärfen helfen.

Präsentation /DIE BETRACHTERIN/ im Rahmen einer Wortgottesfeier unter der Leitung von Stefanie Hinterleitner und anschließender Eröffnung Do. 7. April 2022, 18.15 Uhr im Mariendom.
 

(c) Zoe Goldstein

 

Zoe Goldstein übersetzt mit /DIE DARSTELLERIN/ fotografisch und in Form eines Modells die historische Glasfenster-Darstellung „Pilgerfahrt II“ in die Gegenwart mit neu verteilten Rollen und inszeniert eine objektbezogene inhaltliche Metamorphose von Sichtweisen.  
Durch das Vertauschen der Geschlechterrollen und durch die Art der Präsentation möchte die Künstlerin darauf hinweisen, Rollenzuweisungen in Gesellschaft und Kirche genauer zu betrachten. Da das Fenster aufgrund der Dimension und räumlichen Wirkung niemals detailliert gesehen werden kann, wird ein genaues Betrachten und ein analysierendes Verweilen des Blickes der Betrachter*innen ermöglicht, die zur Wandlung von Betrachtungs- und Sichtweisen führen.

Die männliche Dominanz in den Bildern wird durch den Rollentausch der Geschlechter in eine weiblich dominierende Bildsprache übersetzt werden; Bedeutung sowie die Stellung der Frauen und jene der Männer können sichtbar und damit besprechbar werden. Die Szenerie des Originals wird, neben der zeitgemäßen Fotografie, als begehbare Kulisse aufgestellt und dient als „Selfie-Point“, als Objekt in dessen Boote sich jede und jeder begeben kann, um in einem sicheren Hafen anzukommen.

Eröffnet wird /DIE DARSTELLERIN/ am Samstag, 11 Juni 2022 im Mariendom.

 

Das Projektteam:

 

(c) Zoe Goldstein

von links: Zoe Goldstein, Martina Resch, Anna Minta, Margit Greinöcker


Wissenschaftliche Leitung:

Anna Minta (Kunstwissenschaft) und Martina Resch (Theologie), Katholische Privat-Universität Linz, Diözese Linz – Pastorale Berufe

 

Das Projekt wird gefördert durch: Margarete Schütte-Lihotzky Stipendium (Bundeskanzleramt Wien), LINZimPULS, Domkapitel Linz, Katholische Privat-Universität Linz, Pro Mariendom, Diözese Linz.

Katholische Kirche in Oberösterreich
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