Tuesday 2. March 2021

Papst Franziskus in Polen: Offene Worte und Besuch der "geistlichen Hauptstadt"

Zwischen Jubel und verhaltenem Applaus - so stellte sich die Stimmung bei der Ankunft von Papst Franziskus am 27. Juli 2016 in Krakau dar. Am zweiten Tag besuchte er den  Marienwallfahrtsort Tschenstochau.

Tausende Jugendliche jubeln und schwenken Fahnen, eine brasilianische, eine portugiesische, eine polnische: Die TeilnehmerInnen des 31. Weltjugendtags bereiten Papst Franziskus in Krakau einen begeisterten Empfang. Die Stimmung ist heiter und ausgelassen; Szenen der Völkerverständigung, die Seltenheitswert haben in diesen Tagen des Terrors. Und womöglich wäre Franziskus am ersten Tag seines Polen-Besuchs am liebsten bei den Jugendlichen geblieben.

Doch zunächst fordert das Protokoll der 15. Auslandreise des Papstes sein Recht. Und das sieht eine Rede vor einem älteren, exklusiverem und offenbar weniger begeisterungsfähigen Publikum vor: Spitzenvertretern aus Politik und Gesellschaft. Sie erwarten den Papst nach dessen Ankunft auf dem Flughafen von Krakau und der Begrüßung durch Präsident Andrzej Duda auf der Wawelsburg.

Hier, im malerischen Innenhof der alten polnischen Königsresidenz oberhalb der Innenstadt, wird Franziskus weitaus weniger enthusiastisch begrüßt. Der Applaus der rund 800 Zuhörer nach seiner Rede fällt verhalten aus. Sie klatschen kein einziges Mal, während der Papst spricht. Und das lag offenbar nicht daran, dass Franziskus vor seinen polnischen Gastgebern Italienisch sprach - die Rede wurde über Kopfhörer simultan übersetzt. Es war womöglich ihre Botschaft.


Die war höchst unbequem für die Politiker eines Landes, das nach den islamistischen Terroranschlägen von Paris im November 2015 die Aufnahme von Flüchtlinge verweigerte: Franziskus verlangte "Bereitschaft zur Aufnahme derer, die vor Kriegen und Hunger fliehen", und "Solidarität gegenüber denen, die ihrer Grundrechte beraubt sind, darunter des Rechtes, in Freiheit und Sicherheit den eigenen Glauben zu bekennen". Polen brauche "eine zusätzliche Portion an Weisheit und Barmherzigkeit", um Ängste zu überwinden. Vor der Reise war der Vatikan noch deutlicher geworden. In einer vom Vatikan verbreiteten Stellungnahme des Sprechers der Polnischen Bischofskonferenz war von einer "künstlich geschürten Angst vor Muslimen" die Rede, für die "einige politische Parteien" verantwortlich seien.

Dabei fiel Franziskus keineswegs mit der Tür ins Haus und lobte Polen auch. Er betonte zunächst, wie wichtig für ein Volk ein "Identitätsbewußtsein ohne Überheblichkeit" sei. Nur so sei es überhaupt in der Lage, in einen Dialog mit anderen zu treten. Als ein Beispiel aus der jüngsten polnischen Geschichte führte Franziskus die deutsch-polnische Aussöhnung an, die im November 1965 mit einem Briefwechsel zwischen den Bischofskonferenzen der beiden Länder begonnen hatte. Angesichts des gegenwärtigen deutsch-polnischen Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit Flüchtlingen ein doppelbödiges Beispiel.

Franziskus sprach nicht nur über Flüchtlinge. Besser gefallen haben dürfte den Regierungsvertretern und wohl auch den Bischöfen, seine Mahnung zum Schutz des ungeborenen Lebens; ein Thema das in Polen derzeit ebenfalls besonders aktuell ist. Regierung und katholische Kirche fordern eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes, dagegen gingen im Juni Tausende auf die Straße. Aber der Papst macht auch deutlich, dass es mit einem Verbot von Abtreibungen allein nicht getan ist: Staat, Kirche und Gesellschaft müssten die nötigen Voraussetzungen schaffen, damit Kinder von Menschen in Notlage neimals als Last empfunden werden.

Auch Krakau ist an diesem Mittwoch keine Insel der Seligen. Saint-Étienne-du-Rouvray,  Nizza und Ansbach sind auch hier nicht weit. Polizei und Armee sind in der polnischen Stadt all gegegenwärtig. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm. Entlang der Strecke, die der Papst vom Flughafen zur Innenstadt fährt, stehen auch auf freiem Feld alle 20 Meter Sicherheitskräfte; über der Stadt kreisen regelmäßig Hubschrauber.

Bereits auf dem Flug nach Polen hatte Papst Franziskus sich zu den jüngsten islamistischen Terroranschlägen geäußert. "Haben wir keine Angst, die Wahrheit zu sagen: Die Welt ist im Krieg, weil sie den Frieden verloren hat", sagte er vor mitreisenden Journalisten. Und damit keine Missverständnisse aufkommen, betonte er, dass dies kein Krieg der Religionen sei, sondern ein "Krieg der Interessen, des Geldes und der Ressourcen". "Religionen befinden sich nie im Krieg, sie wollen immer den Frieden", so der Papst.

Nach seiner Rede auf der Wawelsburg kam der Papst in der Kathedrale von Krakau mit den katholischen Bischöfen des Landes zusammen. Sie gelten nicht als seine glühendsten Anhänger. Dort hielt er anders als ursprünglich geplant keine Rede, sondern beantwortete Fragen - allerdings hinter verschlossenen Türen

 

Krakau mit Burg

Krakau. © DzidekLasek / www.pixabay.com CC0 1.0

 

Grußbotschaft an Österreich

 

Papst Franziskus hat am Mittwoch bei seiner Anreise zum Weltjugendtag in Krakau Österreich kurz überflogen und eine Grußbotschaft an das Land gesendet. "Ich sende herzliche Grüße an Eure Exzellenz und Ihre Bürger, während ich auf meinem Weg zur der Pastoralreise nach Polen über Österreich fliege. Ich bete darum, dass der allmächtige Gott euch mit Frieden und Wohlstand segnet", heißt es in einem an Nationalratspräsidentin Doris Bures, die derzeit im Kollegium interimistisch die Amtsgeschäfte des österreichischen Bundespräsidenten führt, gerichteten Telegramm.

Der erste "Aufenthalt" des argentinischen Pontifex in Österreich währte kurz: Sein Flug mit der Alitalia-Maschine mit der Flugnummer AZ4000 berührte gegen 15.03 Uhr Nachmittags nur für Sekunden heimischen Luftraum östlich von Bad Radkersburg, ehe er Minuten später Güssing und kurz darauf noch einmal Moschendorf überflog. Dass überflogene Länder mit einem Grußtelegramm bedacht werden, ist fixer Brauch bei Papstflügen.

 

Papst Franziskus

Papst Franziskus. ©  Osservatore Romano

 

 

Papst besuchte Tschenstochau als "geistliche Hauptstadt" Polens


Papst Franziskus hat am zweiten Tag seiner Polenreise den Marienwallfahrtsort Tschenstochau (Czestochowa) besucht. Am Donnerstag, 28. Juli 2016 feierte er dort mit TeilnehmerInnen des Weltjugendtags und anderen Gläubigen eine Messe unter freiem Himmel. An dem Gottesdienst nahmen auch Polens Staatspräsident Andrzej Duda und Ministerpräsidentin Beata Szydlo teil. In seiner Predigt rief Franziskus dazu auf, "über das Unrecht und die Verwundungen der Vergangenheit hinauszugehen". Aufgabe der Kirche sei es, den Menschen zuzuhören, sich einzubringen und Freuden und Mühen der Leute zu teilen.

Den jährlich von Millionen Pilgern besuchten Wallfahrtsort mit der "Schwarzen Madonna" nannte der Papst die "geistliche Hauptstadt" Polens. Die Muttergottes beschrieb er in seiner Predigt als Vorbild an Demut und Offenheit für Gott. Dagegen sei es "in tragischer Weise menschlich und eine große Versuchung", von Macht und Größe angezogen zu sein.

Die Offenbarung Gottes geschehe "immer im Kleinen", sagte der Papst. So habe Jesus auf ein politisches Eingreifen gegen die römische Herrschaft verzichtet. Zur Zeit der Geburt Jesu sei weder die Menschheit dafür besonders bereit gewesen, noch habe eine Phase der Stabilität und des Friedens geherrscht. Gott rette, indem er "klein, nah und konkret" werde. Die Zeitenwende unter Christus nütze wenig, wenn sie nur ein Datum der Geschichte bleibe, so der Papst. Christen müssten einen "inneren Übergang" vollziehen.

Mit Blick auf die 1.050-jährige Geschichte seit der Christianisierung Polens rühmte Franziskus die "Märtyrer, die die wehrlose Kraft des Evangeliums haben aufleuchten lassen". Weiter erinnerte er an "die sanften und starken Verkünder der Barmherzigkeit wie der heilige Johannes Paul II. und die heilige Faustina". Visionen der polnischen Ordensfrau Maria Faustina Kowalska (1905-1938) hatten besonders die Barmherzigkeit Jesu zum Inhalt.

Die Rundfahrt des Papstes unter den Zehntausenden Teilnehmern war von einem ungewöhnlich starken Aufgebot an Sicherheitskräften begleitet. Franziskus selbst benutzte wie üblich einen offenen Wagen, der lediglich mit einem Glasdach als Regenschutz ausgestattet war.

Vor der Messe besuchte Franziskus im Beisein von rund 300 Ordenspriestern die Wallfahrtskapelle, um vor der als wundertätig verehrten Marienikone zu beten. Zum Abschluss schenkte er dem Gnadenbild eine Goldene Rose, eine besondere päpstliche Auszeichnung für Marienheiligtümer. Diese Geste hatte in Tschenstochau zuletzt Johannes Paul II. 1979 vollzogen. Bei der Messe benutzte Franziskus den Kreuzstab seines polnischen Vorvorgängers Johannes Paul II. (1978-2005).

Anders als vorgesehen legte Franziskus die etwa 140 Kilometer lange Strecke von Krakau zu dem nordwestlich gelegenen Pilgerort im Auto zurück. Als Grund für den Verzicht auf einen Hubschrauber nannten die Organisatoren schlechte Witterungsverhältnisse. Ebenfalls in einer Programmänderung besuchte Franziskus am Morgen in Krakau den schwerkranken Kardinal Franciszek Macharski (89). Dieser war nach der Papstwahl Johannes Pauls II. dessen Nachfolger als Erzbischof von Krakau und amtierte bis 2005.

Das im Verwaltungsbezirk Schlesien gelegene Tschenstochau ist der meistbesuchte von rund 500 Pilgerorten Polens. Dort wird auf dem Hügel Jasna Gora die "Schwarze Madonna" verehrt, eine Ikone byzantinischen Ursprungs. Mit seiner wechselhaften Geschichte gilt das Bild als Symbol für das immer wieder eroberte und bedrohte Polen. Das Kloster, das die Madonna aufbewahrt, wird jährlich von rund drei Millionen Pilgern aus aller Welt besucht.  

 

Kathpress

vom Weltjugendtag 2016 in Krakau
Impressionen vom Weltjugendtag in Krakau
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