Monday 30. March 2020

Entspannt Mama sein

Als Mutter den eigenen Weg finden

Kerstin Bamminger bestärkt Frauen in der MAMAkademie ihren eigenen Weg zu finden: Kritisch zu sein. Mitzudenken. Mutig zu sein. 

Kerstin Bamminger erlebte ihr eigenes Mutterwerden als zwar große, aber durchwegs positive Veränderung in ihrem Leben. Erst durch den Kontakt mit Freundinnen wurde ihr bewusst, dass das nicht für alle Frauen so ist. Das war für die Lebens- und Sozialberaterin der Anstoß, die erste MAMAkademie Oberösterreichs zu gründen. Mit ihren Angeboten unterstützt sie Frauen, ihren eigenen, persönlichen Weg als Mutter zu finden.

 

Sandra Schlager, Pädagogische Referentin bei der kfb oö, fragte bei Kerstin Bamminger für die kfb-zeitung im Mai 2018 nach:

Kerstin Bamminger, Gründerin der MAMAkademie

 

Schlager: Als Mama Arbeit, Kinder, Haushalt und noch einiges mehr managen und dabei entspannt bleiben – wie kann das gehen?
BAMMINGER: Es ist ein Muster unserer Zeit, dass wir alles, und zwar sofort wollen: Frauen sollen (und wollen) nach der Geburt möglichst sofort wieder „funktionieren“ wie früher, eine Top-Figur haben und man soll ihnen ja nicht die Anstrengungen einer Mutterschaft ansehen. Dazu kommt der Trend, möglichst rasch wieder in den alten Job zurückzukehren. Dieser bringt vielfach den nötigen Ausgleich zum Mama-Dasein sowie Geld und Anerkennung für fachliche Leistungen. Frau ist finanziell unabhängiger, es fehlen später keine Pensionsjahre und die Familie kann auch den alten Lebensstandard weitgehend erhalten. 

 

Die Gefahr, mit dieser Haltung „alles-sofort-wollen“ in die Vereinbarkeitsfalle zu tappen, ist sehr groß. Ich denke, es ist tatsächlich möglich, alles zu haben. Man muss sich nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden. Beides aber gleichzeitig und gleich gut zu machen ist (meiner Meinung nach) nicht möglich – oder, es könnte sehr anstrengend werden!


Dennoch kostet jede Form, Familie zu leben, ihren Preis. Früher beruflicher Wiedereinstig bedeutet viel Fremdbetreuung in prägenden Lebensphasen des Kindes, lange berufliche Pausen bescheren finanzielle Einbußen. 


Warten, bescheiden sein und einfach leben sind einfach keine Qualitäten unserer Zeit!

 

Es ist herausfordernd für Familien, den passenden Weg für sich zu finden. Deshalb gibt es dazu ein Angebot in der MAMAkademie.

 

 

Schlager: Wie bist du auf die Idee gekommen, die MAMAkademie zu gründen?
BAMMINGER: Ich selbst erlebte das Mama Werden zwar als große Veränderung, aber durchwegs positiv. Scheinbar hatte ich einen guten und natürlichen Zugang zu meiner Intuition, viel Übung durch meine Herkunftsfamilie (ich habe fünf jüngere Schwestern) und als 24-jährige die notwendige Lockerheit im Umgang mit Säuglingen und Kindern. Sicher auch hilfreich für mich war mein Einsatz als Au-pair in den USA sowie meine Arbeit als Kindergartenpädagogin. 

Als später andere Freundinnen und Bekannte Babies bekamen, wurde mir erst bewusst, dass vielen Frauen dieser natürliche Zugang anscheinend abhandengekommen ist und sie von Mutterschaft wie von einer rosaroten Wolke träumten: da geht die eigene Zeitrechnung bis zum errechneten Geburtstermin, und plötzlich ist da ein Neugeborenes ohne „Gebrauchsanleitung“. Und dann die Frage, wie sie – bitteschön – auch noch ihrer Rolle als Partnerin gerecht werden sollen?

So entstand - durch Freundinnen angespornt - der Workshop "Plötzlich MAMA!", den ich in der MAMAKademie anbiete. 

 


Schlager: Wieso der Name „MAMAKademie“? 
BAMMINGER: Mein Fokus liegt immer darauf, Frauen nicht zu belehren, sondern stark zu machen, alle Ressourcen zu aktivieren und vor allem: immer eine eigene Meinung zu bilden, sich unabhängig von verschiedenen Trends, gesellschaftlichen Ideen zu entscheiden. Das Wort MAMAkademie spielt darauf an, die Mütter genau dazu „auszubilden“ – also ihren ganz eigenen und persönlichen Weg zu gehen. Unabhängig, bewusst und voller Freude!


Schlager: Was bietest du Müttern (und auch Vätern) in der MAMAkademie? 
BAMMINGER: Das Angebot beginnt bei Eltenbildungsworkshops und Vorträgen zu diversen Themen, wie "Plötzlich MAMA!" (Psychosoziale Geburtsvorbereitung für Erstgebärende), über "Geschwister sind für immer" bis zu "3 Zutaten für entspannte Elternschaft". 
Weiters biete ich am MAMAtelefon unkomplizierte und rasche Unterstützung in allen möglichen Situationen, quasi als Telefonjoker, an - nach einem persönlichen Erstgespräch. Besonders gut kommen die Beratungen und Coachings für Eltern und/oder Kinder an - je nachdem was erforderlich ist.

 

Von Freundinnen angeregt entstand der Workshop 'Plötzlich Mama' in der MAMAkadmie

 

Schlager: Du selbst bist Mama von drei Kindern (13, 10 und 8 Jahre) – herrscht bei euch Entspannung pur? Was macht ihr, wenn´s doch mal kracht?
BAMMINGER: (lacht): Bei uns geht es sehr lebendig zu. Manchmal sehr entspannt und oft auch wie im inneren eines Druckkochtopfes (obwohl ich noch nie in einem drin war, aber so stell ich mir das vor!). Schwierig wird's immer dann, wenn wir alle zur gleichen Zeit unerfüllte Bedürfnisse haben. Da menschelt es dann sehr und es fliegen auch bei uns mal die Fetzen. Wir schreien auch mal herum und sind impulsiv - was ich aber definitiv nicht mache: unsere Kinder beleidigen, herabwürdigen, verbal verletzen, bedrohen. Das macht einen Unterschied!  Und: ich kann mich auch entschuldigen, wenn ich mal im Ton übertrieben hab, weil ich auch schlechte Tage habe, wo mir das Gelassen-sein schwerer fällt. Wir sprechen über und benennen unsere Gefühle und Bedürfnisse. Das öffnet uns die Türen zu unseren gegenseitigen Welten.

 

 

Schlager: Hast du einen kleinen Tipp von Mama zu Mama?
BAMMINGER: Nütze deinen Atem! Er ist die Verbindung zwischen Innen und Außen, immer verfügbar und kostenlos. Der Atem bringt dich (mit ein wenig Übung) ganz schnell zu dir selbst. In der Hektik des Alltags gelingt es dann, nicht den Kontakt zur eigenen Intuition zu verlieren, sich nicht zu sehr ablenken zu lassen, den eigenen Entscheidungen zu treffen. Frei nach dem Motto: weniger ist mehr.
Wenn also das nächste Mal drei Kinder gleichzeitig was von dir wollen, hetz nicht gleich los.
Atme drei Mal ein (deine Lungen voll!) und aus und mache in der Zeit einen "inneren Check":
WAS ist JETZT wirklich wichtig und was kann vielleicht kurz warten? 
Der Atem unterstützt dich beim Zur-Ruhe-Kommen und ist ein guter Parameter dafür wie es dir geht: oberflächlich und schwach, oder tief und ruhig und entspannt?! ;-)

 

Schlager: Welche Rolle spielen Spiritualität und Glaube in deinem Leben?
BAMMINGER: Ich fühle mich dadurch getragen, gehalten und vertraue darauf, dass "jemand" seine schützende Hand über mich und meine Familie hält. Es ist sehr befreiend, in der Überzeugung zu leben, dass man immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, das Richtige sagt und das Richtige tut. Auch wenn das oft erst aus der Distanz klar wird.


Schlager: Was ist deiner Erfahrung nach für Mütter heutzutage schwieriger als noch für unsere Mütter oder Großmütter?
BAMMINGER: Heute gibt es viel mehr Entscheidungsfreiheit, viele Modelle, wie Familien leben möchten und vor allem als Frau das Leben gestalten möchte. In dieser Freiheit ist auch viel Unsicherheit versteckt.
Die Vielfalt an Möglichkeiten bringt auch eine gewisse Orientierungslosigkeit und Unsicherheit mit sich, insofern mache ich in der MAMAKademie eigentlich Folgendes: ich unterstütze die Frauen dabei, den eigenen Weg zu finden, unabhängige und tragfähige Entscheidungen zu fällen und nicht irgendwelchen beliebigen Meinungen auf den Leim zu gehen.

 

Kritisch zu bleiben. Mitzudenken. Mutig zu sein.

 

Schlager: Wie können Mütter heute gesellschaftlich am besten unterstützt werden?
BAMMINGER: Das ist gar nicht so einfach, weil jede Frau etwas Anderes will. In meinen Augen braucht es Vielfalt und den ehrlichen Versuch nach Gleichberechtigung und Wertschätzung jedes Modells
von Familie, das Frau und Mann leben möchten. Nämlich auch finanziell!

 

 

Kerstin Bamminger

MAMAkademie
4651 Stadl-Paura
www.beziehungsweiseleben.at

 

Angebote der kfb in oö für Frauen, Kinder und Familien
 

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