Mittwoch 21. November 2018

Mut zum Hut

Die Linzer Domfrauen sind eine besondere Kundschaft für Hutmacherin Susanne Dullinger.

Ihr Handwerk ist beinahe ausgestorben, ihre Leidenschaft ungebrochen: Susanne Dullinger ist Modistin. Sie entwirft, gestaltet und stellt in Handarbeit Hüte für Frauen her. Seit dem Frühjahr 2018 hat sie eine spezielle Kundschaft: die 30 „Domfrauen“. Jede trägt einen Hut mit persönlicher Note von Susanne Dullinger.

 

Eine Frau zwischen 40 und 50 steht in einem Hut- und Modegeschäft. Sie probiert Hüte: große, kleine, zarte, mächtige, bunte, graue, Hüte in Blumenform, Hüte für den Strand, Hüte für den nächsten Ball und für den Alltag. Sie lacht, sie dreht sich, sie schüttelt den Kopf, sie nickt. Eine zweite Frau, die sich in diesem Laden offenbar gut auskennt, wird nicht müde, immer wieder neue Modelle zu bringen. Beide Frauen wirken heiter und entspannt.

 

Der Hut widerspiegelt die Persönlichkeit der Trägerin

 

Eine der beiden Frauen ist eine Domfrau und die andere Susanne Dullinger, die Hutmacherin. „Ich bin immer Hutträgerin gewesen“, blickt Susanne Dullinger auf ihr Leben mit Hut zurück, „doch irgendwann habe ich keine Hüte mehr gefunden, das letzte Geschäft sperrte zu.“ Das war der Auftrag für sie selbst kreativ zu werden. Mit Hauben begann ihre Hutkarriere: sie filzte diese, stieß aber bald auf Hindernisse. Denn wie macht man eine Krempe aus Filz? Im Internet fand sie brauchbare Tipps, dabei stieß sie auch auf Christine Rohr, eine Grazer Modistin mit eigenem Atelier, bereits im In- und Ausland für ihre Hutkreationen bekannt. Der Internet-Recherche folgte eine drei Jahre dauernde Ausbildung als Hutmacherin. Einmal monatlich pilgerte Susanne Dullinger ab 2012 nach Graz und das insgesamt 24 Mal. 2015 folgte die Lehrabschlussprüfung als Modistin. Seither kann sie alles, was das Herz begehrt, selber machen: Zylinder, Krone, Diademe ... alle möglichen und unmöglichen Arten von Hutmodellen entspringen nun ihrer Phantasie und können in tragbare Hüte verwandelt werden. Was tun mit all den Hüten? Verkaufen im eigenen Geschäft, dachte sich die Modistin. „Und wenn ich sie nicht verkaufen kann, dann trage ich sie alle selber!“, entgegnete sie so manchen Zweiflern. Seit vier Jahren können ihre Hüte nun käuflich erworben werden, in der Linzer Pfarrgasse betreibt sie gemeinsam mit einer Kollegin, die gefilzte Mode anbietet, das Atelier Vielfalt. An die 150 Hüte entwirft und gestaltet sie jährlich.

 

Mutmacherin
Beruflich hatte sie schon immer viel mit Menschen zu tun: sie war Psychologin mit eigener Praxis. Eine sehr herausfordernde und anstrengende Arbeit, wie sie rückblickend sagt. Susanne Dullinger ist Mutter von Drillingen, die 1998 zur Welt kamen. Gefordert war sie daher immer. Beruflich wie privat. Die Menschenkenntnis, die Fähigkeit sich in jemand hineinzudenken und zu fühlen, hilft ihr auch in ihrer neuen Profession. Eine Beziehung zu Menschen aufbauen, sie ermuntern sich selbst zu finden und zu ihren Bedürfnissen zu stehen, das kann sie gut. Oft übernimmt die Hutmacherin hier die Rolle der „Mutmacherin“: sie macht ihren Kundinnen Mut zum Hut. Zu jenem Hut, der die Persönlichkeit der Trägerin einfängt und zum Strahlen bringt, ganz nach dem Motto: „Ich bin nicht verkleidet. Das bin ich!“ Viele neue Hutträgerinnen berichten nach einem Probe-Spaziergang durch die Stadt, dass ihnen mit Hut mehr Respekt und Achtung entgegengebracht würde als ohne, man werde wohlwollend angelächelt. Eine Kundin meinte daraufhin: „Das will ich immer haben!“ Neben der unendlichen Kreativität, die sie als Modistin beruflich ausleben kann, ist es auch die Freude und die Lust Hüte zu tragen und auszuprobieren, die Susanne Dullinger nun mit ihren Kundinnen teilt.

 

Susanne Dullinger (li) mit Domfrau Elisabeth Leitner

 

Ein Hut – eine Botschaft
Die Domfrauen sind ein Teil der neuen Kundschaft. „Da wird beim Herumprobieren viel gelacht, das ist einfach lustig!“, erzählt sie. „Der Kopf ist unser wichtigstes Gut. Ein Hut ist wie eine Krone, man richtet sich auf, sie macht Stolz und Würde sichtbar“, meint Dullinger. Der Hut ist keine Tarnkappe, er ist ein Statement: „Ich bin da und ich darf gesehen werden!“ Manche haben zwar Angst davor, weiß sie. Aber: „Ist es so schlimm, wenn mich alle anschauen?“ – Viele würden doch darunter leiden nicht wahrgenommen zu werden, meint die Hutmacherin und lächelt gewinnend. Für die Domfrau gilt im Besonderen, dass ihr Hut auch ihr Thema widerspiegeln soll: Was sie im und am Mariendom, an ihrer Geschichte als Kirchenfrau bewegt und was sie als Domfrau sicht- und hörbar machen will. Der Hut erleichtere es, in die Rolle der Domfrau zu schlüpfen, ist Dullinger überzeugt. – Und ein Vorteil kommt noch dazu: „Ich kann den Hut sprechen lassen!“ Die Domfrauen des Linzer Mariendoms werden übrigens bis zum 8. März 2019 immer wieder zu hören und zu sehen sein.

 

Blog von Susanne Dullinger

Autorin: Elisabeth Leitner
Dieser Artikel ist in der kfb-zeitung vom Mai 2018 erstmals erschienen.

 

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