Sonntag 21. Oktober 2018

Eine Chance, Frauenpolitik zum Thema zu machen

Kommentar zum Frauenvolksbegehren
Paula Wintereder

Das erste Frauenvolksbegehren 1997 war zahlenmäßig ein Erfolg: 644.665 Personen haben es unterstützt. 20 Jahre danach sind viele Forderungen zur Verbesserung der Lebenssituation von Frauen noch immer nicht erfüllt. Das war der Anlass für die Initiatorinnen, im letzten Frühling einen neuen Anlauf zu nehmen. Derzeit werden Unterstützungserklärungen zur Durchführung eines zweiten Frauenvolksbegehrens gesammelt.

Die kfb tritt dafür ein, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse so gestaltet werden, dass Frauen und Männer an allen Lebensbereichen gleichberechtigt teilhaben und sie gestalten können. Wir begrüßen, dass es ein neues Frauenvolksbegehren gibt. Denn wir sehen einen großen Bedarf, über die Lebensrealität von Frauen zu diskutieren und Frauenpolitik in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. Ein Volksbegehren ist ein politisches Instrument der Zivilgesellschaft mit dem Ziel, Anliegen zum Thema zu machen und zu erreichen, dass die Forderungen im Parlament behandelt werden. Wir sehen das Frauenvolksbegehren als Chance, eine breite Diskussion über wichtige gesellschaftspolitische Themen auszulösen.


Insgesamt werden neun Forderungen gestellt. Darunter sind einige, für die sich die kfb schon lange einsetzt. Die gleichberechtigte Verteilung von Macht und Einflussmöglichkeiten, die Beseitigung von Einkommensunterschieden zwischen Männern und Frauen und der Kampf gegen Armut, vor allem von Alleinerziehenden und Mehrkindfamilien, gehören hier dazu.

 

Wir setzen uns auch für Gewaltprävention und für die Unterstützung von Frauen ein, die von Gewalt betroffen sind. Die besondere Schutzwürdigkeit von Frauen auf der Flucht ist uns ein großes Anliegen. Wir erheben auch unsere Stimme gegen abwertende, sexistische oder klischeehafte Darstellungen von Frauen.


Bei manchen Themen finden wir es spannend, in die Diskussion einzusteigen und Entwürfe für die Gestaltung unseres zukünftigen Zusammenlebens zu entwickeln. Die Verteilung von Arbeit bleibt ein brennendes Thema. Wie gehen wir damit um, wenn durch die fortschreitende Digitalisierung immer mehr Arbeitsplätze vernichtet werden? Wie wird dann die bezahlte Arbeit verteilt? Für eine gerechte Verteilung von Erwerbsarbeit, Haus- und Sorgearbeit sowie ehrenamtlichem Engagement setzt sich die kfb schon lange ein. Die unbezahlte Erziehungs- und Pflegearbeit, die immer noch zum großen Teil von Frauen geleistet wird, muss finanziell und sozial abgesichert werden.


Nur so ist eine echte Wahlfreiheit für Frauen (und Männer) in der Frage der Kinderbetreuung bzw. der Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich. Für mich persönlich heißt das: „Als Frau möchte ich lebenssituationsbezogen Vollzeit oder Teilzeit arbeiten können. Vollzeitarbeit als höchstes Ziel stelle ich in Frage. Meine Kinder haben es genossen, dass immer jemand für sie da war. Das war einmal ich, und dann wieder der Papa. Das spricht für flexible Arbeitszeiten beider Elternteile.“


Unter den Themen des Frauenvolksbegehrens sind auch Punkte, zu denen wir aus christlicher Sicht eine andere Meinung haben. Ja: „Mädchen* und Frauen* sollen aufgeklärt, unabhängig und frei von Zwängen über ihre Körper und ihre Sexualität bestimmen dürfen.“ Für uns ist der Schutz des Lebens der höchste Wert, daher fordern wir eine verpflichtende, kostenfreie Beratung im Fall eines Schwangerschaftskonflikts. Wir stellen dies der Forderung nach einer kostenfreien Abtreibung entgegen. Es muss alles getan werden, damit Frauen eine gut überlegte, ethisch verantwortbare Entscheidung treffen können.


Das Frauenvolksbegehren enthält viele wertvolle Denkanstöße. Wir verstehen uns in der kfb als Plattform für Frauen, die kritische Meinungsbildung ermöglicht. Darum regen wir an, sich über die Forderungen des Volksbegehrens zu informieren und sich an der Diskussion zu beteiligen.

 

Paula Wintereder, Vorsitzende der kfb oö

 

www.frauenvolksbegehren.at

 

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